Neue Formel gegen Altersarmut
DIW fordert höhere Renten für Geringverdiener
Hintergrund ist die Absenkung des Rentenniveaus bis 2030. Nach Berechnungen des DIW sinkt die durchschnittliche Rentenhöhe um 15 Prozent. So rutschen dem Institut zufolge Geringverdiener künftig schneller unter die Armutsgrenze.
Vor allem für Ostdeutschland sei die Entwicklung besorgniserregend. Während in Westdeutschland die Nettovermögen seit 2002 um gut elf Prozent angestiegen seien, seien sie in Ostdeutschland um knapp zehn Prozent gesunken. Bei Berücksichtigung der Inflation sank der Wert der privaten Vermögen im Osten den Angaben zufolge sogar um 17 Prozent.
DGB-Bundesvorstandsmitglied Annelie Buntenbach befürchtet angesichts der Rentenkürzungen und der Rente mit 67 eine Altersarmut "ungeahnten Ausmaßes", wenn jetzt nicht gehandelt werde. Nach Berechnungen des DGB fällt die gesetzliche Rente im Jahr 2030 um 25 Prozent niedriger aus als vor den Riester-Reformen im Jahr 2001.
Der DGB berief sich auf Zahlen, nach denen mehr als jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland im Niedriglohnsektor beschäftigt sei - mit Stundenlöhnen von durchschnittlich 4,86 Euro in Ost- und 6,89 Euro in Westdeutschland.
Ein DGB-Konzept sieht daher sinkende Beitragssätze und mehr steuerliche Zuschüsse für die Rentenversicherung vor. Ferner fordert der DGB die Rücknahme der Rente mit 67, mehr Mindestlöhne, eine bessere Rentenabsicherung für Langzeitarbeitslose und einen verbesserten Schutz bei Erwerbsminderung. Mit einer Renten-Kampagne, die am 3. Februar startet, will der DGB nun den Wahlkampf der Parteien vor der Bundestagswahl beeinflussen.
Der DIW brachte derweil eine Änderung der Rentenformel ins Gespräch. "Wir wollen, dass auch Geringverdiener künftig eine ausreichende Rente aus eigener Kraft verdienen können", sagte Instituts-Präsident Klaus Zimmermann. Das DIW-Modell berücksichtige, dass Menschen mit höherem Einkommen statistisch länger lebten. Deshalb bezögen sie nach dem geltenden System für jeden eingezahlten Euro deutlich mehr Rente als Bezieher niedriger Einkommen.
Dem Vorschlag der Wirtschaftsexperten zufolge sollen Geringverdiener künftig mehr Monatsrente erhalten. Bei Spitzenverdienern würde eine Änderung der Rentenformel zu einem flacheren Anstieg der Rente führen. Im Gegensatz zu dem Vorstoß von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) müsse die Aufstockung der Mini-Renten so nicht steuerfinanziert werden.
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