Radioaktives Cäsium, Kobalt-60, Strontium-90 und Tritium

Laugenpanscherei im Atommüll-Lager Asse schon vor 20 Jahren

Im Atommülllager Asse sind radioaktiv belastete Laugen schon wesentlich früher umgelagert worden, als bisher bekannt war. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Dienstag (10. Febuar) berichtete, wurden kontaminierte Lösungen bereits 1988 aus dem sogenannten Laugensumpf vor der Einlagerungskammer 12 in 750 Meter Tiefe abgepumpt und in andere Bereiche des Bergwerks geschafft. Bisher war die Praxis lediglich aus der Zeit seit dem Jahr 2005 bekannt.

Das BfS berief sich auf den Bericht eines Bergmannes vom vergangenen Dezember, den die Behörde im Januar ausgewertet hatte. Demnach wurde die verstrahlte Flüssigkeit in Stahlblechbehältern mit einem Gabelstapler in die Kammer 11 auf der 700-Meter-Sohle gebracht. Dort seien die Lösungen aus den Behältern auf Gesteinsbrocken in dem teilweise verfüllten Hohlraum abgelassen worden. "Um welche Mengen es sich dabei gehandelt hat und wo die radioaktiv kontaminierten Laugen verblieben sind, ist nicht bekannt", erklärte das Bundesamt.

Die schon 1988 abgepumpten Lösungen waren dem BfS zufolge mit radioaktivem Cäsium, Kobalt-60, Strontium-90 und Tritium belastet. Nach Untersuchungen des niedersächsischen Umweltministeriums stammen diese Substanzen sehr wahrscheinlich aus den schwachradioaktiven Abfällen, die in Kammer 12 eingelagert sind.

Das BfS, das seit Jahresbeginn Betreiber der Asse ist, berichtete zudem von "Lösungen unbekannter Herkunft" aus der 750-Meter-Sohle, die zwischen 1984 und 1986 bei der Verfüllung einer Abbaukammer auf der 658-Meter-Sohle zur Staubbindung eingesetzt worden seien. Ob diese Lösungen ebenfalls kontaminiert waren, konnte die Behörde nicht sagen. Der Sachverhalt werde derzeit geprüft, hieß es.

Der frühere Asse-Betreiber Helmholtz-Zentrum München hatte ab 2005 ohne eine erforderliche Umgangsgenehmigung kontaminierte Salzlösungen in tiefere Teile des Bergwerks gekippt. Die radioaktive Belastung dieser Flüssigkeiten lag weit über den Grenzwerten. Das Vorgehen wurde im Juni 2008 gestoppt.

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