Bundeswehr

ARD-Film macht seelische Schäden nach Auslandseinsätzen öffentlich

Der ARD-Film "Willkommen zu Hause" über einen traumatisierten Soldaten hat eine Debatte über einen besseren Schutz für seelisch kranke Soldaten ausgelöst. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) kündigte am Dienstag den Aufbau eines Kompetenzzentrums an, das eine bessere Betreuung für Soldaten gewährleisten soll und ermunterte Betroffene, rasch psychologische Hilfe anzunehmen. Vertreter der Opposition kritisierten, das Verteidigungsministerium habe den "Ernst der Lage" zu lange heruntergespielt. Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) dankte der ARD.

Die FDP-Abgeordnete Elke Hoff veröffentlichte am Dienstag Angaben des Verteidigungsministeriums, wonach die Zahl der traumatisiert aus ihrem Afghanistaneinsatz zurückgekehrten deutschen ISAF-Soldaten in den vergangenen drei Jahren von 55 im Jahr 2006 über 130 in 2007 bis zu 226 in 2008 gestiegen ist. Jung sagte dazu, der Anteil der betroffenen Soldaten, die aus den Einsätzen zurückkommen, liege bei rund einem Prozent, "beim Afghanistan-Einsatz aber bei zwei Prozent".

Der Grünen-Wehrexperte Winfried Nachtwei kritisierte, das Ministerium habe den Ernst der Situation lange heruntergespielt und sich damit getröstet, dass nicht einmal ein Prozent der zurückgekehrten Soldaten an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leide. Das sei "nicht hinnehmbar", rügte Nachtwei. Zwar habe es in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen bei den Einsatzvorbereitungen gegeben, ausreichend sei das aber noch nicht. Die abrüstungspolitische Sprecherin der Linken, Inge Höger, mahnte, die Verantwortung der Bundesregierung dürfe nicht mit dem Ende des Auslandseinsatzes der Soldaten enden.

Ähnlich äußerte sich der Bundeswehrverband. Dessen Vorsitzender, Oberstleutnant Ulrich Kirsch, forderte, auch die Nachbereitung von Auslandseinsätzen müsse entschieden verbessert werden. Bereits vor einem Jahr habe der Verband dem Verteidigungsausschuss einen umfassenden Forderungskatalog vorgelegt.

Darin verlangte Kirsch unter anderem eine kostenlose Hotline zur anonymen Beratung von Soldaten mit psychischen Schäden nach Auslandseinsätzen. Zugleich forderte Kirsch, Soldaten sollten bestehende Hilfsangebote der Bundeswehr auch annehmen: "Viele versuchen, mit ihren Traumata allein fertig zu werden - aus falscher Scham oder weil sie nicht als weich gelten wollen. Aus dieser Grauzone müssen sie herauskommen, sich öffnen und artikulieren." Kirsch nannte es einen "Lichtblick", dass sich der Bundestag in der kommenden Woche mit dem Thema befasst.

Der Bundestag will in der nächsten Woche über den Aufbau des Kompetenzzentrums für die Behandlung betroffener Soldaten beraten. Laut Hoff liegt dazu ein fraktionsübergreifender Antrag vor. Noch im Juli vergangenen Jahres war ein entsprechender Antrag der FDP abgelehnt worden.

Der Wehrbeauftragte Robbe dankte der ARD für die Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch ihren am Montagabend ausgestrahlten Film. Er selbst habe in seinen Tätigkeitsberichten immer wieder deutlich gemacht, dass posttraumatische Störungen der Soldaten "ein besonderes Gewicht haben müssen". Von politischer Seite müsse nun alles dafür getan werden, eine vernünftige Vorbeugung einzurichten.

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