Berufliche Recherchen über einen Kinderporno-Ring
Bundestagsabgeordneter weist Kinderporno-Vorwürfe zurück und räumt Fehler ein
Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe teilte am Abend mit, dass sich der Verdacht des strafbaren Besitzes von kinderpornografischen Dateien und Bildmaterial gegen Tauss "weiter verdichtet" habe. Es widerspreche dem bisherigen Ermittlungsergebnis, "wenn Tauss zum wiederholten Mal den Besitz von kinderpornografischen Material mit seiner Abgeordnetentätigkeit rechtfertigt".
Tauss entschuldigte sich am Mittwoch erstmals für sein Vorgehen, ausdrücklich auch bei seiner Frau: "Ja, ich habe Mist gebaut", sagte der 55-Jährige. "Ich habe mich - eventuell unter Verstoß gegen gesetzliche Vorschriften - in einen stinkenden Schweinestall begeben, um ihn auszumisten. Mir ist klar, wenn ich da wieder herauskomme, bleibt an mir mehr als nur Geruch hängen."
Scharf kritisierte er die Staatsanwaltschaft. Diese habe mit ihrem Kommunikationsverhalten Medienberichte erzeugt, die sein persönliches Ansehen beschädigt hätten. Die Staatsanwaltschaft wies den von Tauss erhobenen Vorwurf der "Vorverurteilung" und der "Vernichtung der sozialen Existenz" zurück. Man habe bei Auskünften an die Medien stets das Interesse der Öffentlichkeit und den Persönlichkeitsschutz des Beschuldigten sorgfältig gegeneinander abgewogen.
Tauss sagte, er habe sich 2007 aufgrund entsprechender Hinweise von Informanten über im Fernsehen beworbene pornografische Telefonhotlines und mit Decknamen wie "Werner" der Kinderporno-Szene zu nähern versucht. "Man hatte mir berichtet, dorthin habe sich der sogenannte 'Kinderpornoring' inzwischen verlagert", sagte Tauss zur Begründung. Dabei habe er Kontakt zu einem Mann gehabt, der sich "Kielburger" nannte und der wohl mit dem in Bremerhaven überführten Beschuldigten "Sascha" identisch sei.
Dieser habe ihm schließlich angeboten, ihn an Orte zu führen, wo Kinder vor der Kamera missbraucht werden. Tauss sagte, er habe darin die Chance gesehen, "neue Taten verhindern zu können" und einen Kinderpornoring "aufdecken und anzeigen" zu können. Dies sei ihm letztlich aber nicht gelungen. Das im Zuge der rund einjährigen Recherche erhaltene Material habe er dann "in einen Koffer verpackt und in seiner Berliner Dienstwohnung "weggeräumt", sagte Tauss. Danach habe er keine weiteren Recherchen mehr in diesem Bereich gestartet. In der Rückschau wisse er, dass er ohne juristische Beratung seine Recherchen "nicht hätte machen" sollen. "Ich wollte mein Umfeld damit nicht belasten", betonte er.
Tauss hatte am Freitag seine Ämter in der SPD-Bundestagsfraktion und den Generalsekretärsposten in der Südwest-SPD zur Verfügung gestellt.
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