Alternde Atomkraftwerke
Leck im Atomkraftwerk Biblis B
Im Rahmen der 1989 veröffentlichten "Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke - Phase B" wurden laut IPPNW für ein in Biblis B mögliches Unfallszenario umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, dessen Ausgangspunkt ein größeres Leck im Nebenkühlwassersystem ist. Die Untersuchungen zeigten nach Darstellung der Organisation, "dass je nach Leckgröße nach nur etwa 30 oder gar nur 12 Minuten im Keller des Reaktorgebäudes wichtige Kühlpumpen und andere Sicherheitssysteme aller vier Redundanzen mit Rheinwasser überflutet sein können, so dass diese ausfallen." Infolge dessen könne es zu einer Kernschmelze und zur Atomkatastrophe kommen.
Die Untersuchungen hätten ergaben, dass es sowohl im Leistungsbetrieb des Atomkraftwerks als auch beim Anlagenstillstand zu einem Unfall kommen könne. Neuere Untersuchungen im Rahmen der "Periodischen Sicherheitsüberprüfung" von Biblis B haben den Angaben zufolge das Problem bestätigt. "Altanlagen wie Biblis B sind wegen der immer wieder kritisierten unzureichenden räumlichen Trennung wichtiger Sicherheitssysteme im 'Keller' des Reaktorgebäudes besonders gefährdet."
Im Nebenkühlwassersystem des Altmeilers kann es nach Angaben der IPPNW deswegen leicht zu Korrosionsschäden und Lecks kommen, weil durch das System schmutziges Rheinwasser gepumpt werde. In Biblis B sei daher bereits am 28. Oktober 2006 eine kleine Leckage im Nebenkühlwassersystem vorgefunden worden.
GRS: Zunehmende Schäden in deutschen Atomkraftwerken
Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS), quasi der Hausgutachter der Bundesatomaufsicht, hat in einer so genannten "Weiterleitungsnachricht" (WLN 2007/02) im Jahr 2007 festgestellt, dass in den letzten Jahren "ein Anstieg von meldepflichtigen Ereignissen mit Schäden an ferritischen Rohrleitungen in Nebenkühlwassersystemen in deutschen Druck- und Siedewasserreaktoren" zu verzeichnen war. Allein in den Jahren 2005 und 2006 wurden demnach zehn meldepflichtige Ereignisse mit zum Teil mehreren Befunden gemeldet.
Die GRS führt die Zunahme der Schäden auf das hohe Alter der deutschen Atomkraftwerke zurück: "Es gibt Hinweise, dass mit zunehmender Betriebszeit der Anlagen eine Häufung von alterungsbedingten Schäden auftritt." Die möglichen Konsequenzen beschreibt die GRS so: "Je nach Leckage könnte auch ein erhöhter Wasseranfall in Räumen mit sicherheitstechnisch wichtigen Einrichtungen auftreten und deren Funktion beeinträchtigen." Damit warne die GRS "in ihrer vornehmen Sprache vor dem Super-GAU", meint die IPPNW.
Nach Auffassung der Atomkritiker ist ein Weiterbetrieb der veralteten deutschen Atomkraftwerke vor diesem Hintergrund nicht länger zu verantworten. "Wir müssen die Anlagen schnellstmöglich abschalten", forderte ein IPPNW-Sprecher. "Zeitweise waren bis zu sieben der 17 deutschen Atomkraftwerke nicht in Betrieb, ohne dass die Lichter ausgegangen sind. Ohnehin arbeiten drei Atomkraftwerke meistens nur noch für den Stromexport, weil die Erneuerbaren Energien immer mehr Strom ins Netz einspeisen. Auch ohne Atomstrom wird es keine Stromlücke geben." Atomkraftwerke seien gefährlich und überflüssig.
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