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Aufregung wegen Papst-Äußerung zu Kondomen

"Spirituelle und menschliche Erneuerung

Deutsche Spitzenpolitiker haben entsetzt auf das erneute Nein von Papst Benedikt XVI. zum Einsatz von Kondomen im Kampf gegen Aids reagiert. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (beide SPD) widersprachen dem Kirchenoberhaupt: "Kondome retten Leben, sowohl in Europa als auch auf anderen Kontinenten." Grünen-Chefin Claudia Roth warf dem Kirchenoberhaupt eine "kontraproduktive, destruktive, lebensfremde und liebesfeindliche Politik" vor. Selbst der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sprach sich für einen tabulosen Umgang mit dem Thema Kondome aus. Benedikt XVI. hatte sich zum Auftakt seiner Afrika-Reise im Flugzeug von Rom nach Kamerun gegen die Verwendung von Kondomen im Kampf gegen Aids ausgesprochen. Diese "Geißel" lasse sich durch das Verteilen von Kondomen nicht beseitigen.

Es bestehe vielmehr die Gefahr, das Problem noch zu vergrößern. Die Lösung sieht der Papst vielmehr in einer "Humanisierung der Sexualität", einer spirituellen und menschlichen Erneuerung sowie in einer "echten Freundschaft" insbesondere mit den Leidenden.

Schmidt und Wieczorek-Zeul betonten, Kondome spielten im Kampf gegen die "große Bedrohung" Aids eine entscheidende Rolle. Allein in Sub-Sahara-Afrika seien 22 Millionen Menschen infiziert. Moderne Entwicklungszusammenarbeit müsse den Ärmsten der Armen Zugang zu Mitteln der Familienplanung geben. Dazu gehöre insbesondere auch der Einsatz von Kondomen. "Alles andere wäre unverantwortlich."

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte den Papst: "Bei allem Respekt vor dem Papst, und ich bin selbst Katholik, aber diese Position halte ich für absurd." Der SPD-Politiker Wolfgang Wodarg warf dem Papst vor, durch seine "ideologisch-weltfremde und leichtfertige Äußerung", lade er "eine schwere Schuld" auf sich: "In Sachen Kondombenutzung wäre es teuflisch, dem Papst zu glauben!"

Grünen-Chefin Roth bezeichnete die Papst-Äußerung als "höchst unverantwortlich". Der Grünen-Menschenrechtsexperte Volker Beck zeigte sich "fassungslos". Angesichts der AIDS-Zahlen in Afrika sei die Papst-Aussage "zynisch und verantwortungslos".

Weihbischof Jaschke betonte, Kondome könnten schützen. Die Kirche stehe nicht "in einer finsteren Anti-Kondom-Ecke, von der aus sie die Menschen einschüchtern will". Er fügte hinzu: "Also: kein Tabu beim Thema Kondom, aber auch keine Mythen und Verharmlosungen, als sei damit die Welt in Ordnung."

Der Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan, Eberhard von Gemmingen, betonte, Benedikt XVI. habe das Kondom nicht strikt verboten: "Der Papst hat nur gesagt, das Kondom ist keine 'Lösung'. Darüber sind sich hoffentlich alle einig." Die Ursachen für Aids seien Armut, Diktaturen und weltweite Ungerechtigkeiten in der Wirtschaft. Die Lösung liege daher in der Überwindung der Armut.

Der Pater räumte ein, dass sich Hilfskräfte in Afrika durch die Aussage vor den Kopf gestoßen fühlen könnten. Kondome seien "Hilfsmittel in Notsituationen", sagte Gemmingen. Die Missionare und Kirchenmitarbeiter in Afrika wüssten schon, "wie man unterscheiden muss". Dem Papst hingegen gehe es um Grundsätzliches.

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