Bayerischer Sozialbericht

Kamm vermutet Zusammenhang zwischen AKW-Störfall und niedriger Lebenserwartung

Die bayerische Landtagsabgeordnete Christine Kamm (Grüne) vermutet einen Zusammenhang zwischen einem Störfall im Atomkraftwerk Gundremmingen im Jahr 1977 und einer niedrigeren Lebenserwartung im Landkreis Dillingen. Grundlage der Vermutung ist der kürzlich veröffentlichte zweite bayerische Sozialbericht. "Dieser weist eine vergleichsweise niedrige Lebenserwartung für die Menschen im Landkreis Dillingen aus: Um zwei bis 2,5 Jahre geringer als in anderen ländlich geprägten schwäbischen Landkreisen ist die Lebenserwartung der Dillinger", so Kamm. Möglicherweise bestehe ein Zusammenhang dem Störfall im Atomkraftwerk Gundremmingen vor 32 Jahren. Bei diesem seien radioaktive Emissionen abgegeben worden, die um ein Vielfaches die jährlich zulässigen Emissionen überschritten hätten.

Kamm hat zur Aufklärung eine Anfrage an die bayerische Staatsregierung eingereicht, wie sie am Donnerstag (5. März) in Augsburg mitteilte.

"Normale Erklärungsmuster greifen in Dillingen nicht"

"Normale Erklärungsmuster für eine niedrigere Lebenserwartung wie Arbeitslosigkeit oder Umweltverschmutzung greifen in Dillingen nicht", so Kamm. Sie erwartet daher von der bayerischen Staatsregierung "konkrete Erklärungsansätze für die geringere Lebenserwartung der Dillinger". Außerdem solle die Öffentlichkeit endlich erfahren, was damals in Gundremmingen passiert sei.

13. Januar 1977: Totalschaden des RWE-Atomkraftwerks Gundremmingen A

Es geht um einen Unfall im Atomkraftwerksblock Gundremmingen A am 13. Januar 1977. Dort kam es um 18:44 Uhr in der nach Meitingen führenden 220-Kilovolt-Leitung durch Raureifbildung und kältebedingten Isolatorenbruch zum Kurzschluss. Um 21.17 Uhr ist es dann auch noch in der zweiten Stromtrasse aus den gleichen Gründen zum Kurzschluss gekommen. Damit hat keine Stromleitung mehr zum Abtransport des mit 237 Megawatt elektrischer Nettoleistung im Gundremminger Block A erzeugten Stroms zur Verfügung gestanden. In der weiteren Folge ist es zum "Totalschaden" und später zur endgültigen Stilllegung des von RWE betriebenen Atomkraftwerks gekommen (ngo-online berichtete).

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