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Ärzteorganisation IPPNW fordert das endgültige Aus für die Atomenergie

23. Tschernobyltag

Zum 23. Jahrestag der Tschernobylkatastrophe warnt die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW" vor einer "Renaissance der Atomenergie", die jetzt auch die Internationale Atomenergie Organisation (IAEO) propagiert. "Die gesundheitlichen Risiken der Atomenergie sind nicht beherrschbar, angefangen vom Uranbergbau über den laufenden Betrieb der Atomkraftwerke bis hin zur Endlagerung", meint die IPPNW-Vorsitzende Angelika Claußen. Seit "der größten industriellen Katastrophe" in Tschernobyl gebe es eine erdrückende Anzahl von wissenschaftlichen Studien, die laut Claußen belegen, "dass die Atomenergienutzung Gesundheit und Leben der betroffenen Menschen gefährdet".

Eine Studie der IPPNW und der Gesellschaft für Strahlenschutz aus dem Jahr 2006 dokumentiert den Angaben zufolge anhand von zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten die Vielfalt und das katastrophale Ausmaß der gesundheitlichen Folgen von Tschernobyl.

Die Ärzteorganisation verweist beispielhaft auf mehrere gesundheitliche Effekte. Allein in der Region Gomel in Weißrussland würden laut WHO 50.000 Kinder im Laufe ihres Lebens an dem eigentlich seltenen Schilddrüsenkrebs erkranken. Hinzu komme, dass über 90 Prozent der als "Liquidatoren" bezeichneten Aufräumhelfer in Tschernobyl krank bzw. arbeitsunfähig seien. Das bedeute, dass von den rund 800.000 Liquidatoren über 700.000 betroffen seien.

Als dritten Problemkreis verweist Claußen auf Väter, die mit der Radioaktität in Berührung gekommen seien und die genetischen Effekte auf ihre Nachkommen übertrügen, "obwohl keines der betroffenen Kinder direkt mit Strahlung in Berührung kam".

Außerdem hätten Fehlbildungen und die Säuglingssterblichkeit in Folge des Reaktorunfalls deutlich zugenommen. Die vorliegenden Studien ergaben laut IPPNW selbst für das weit von Tschernobyl entfernte West- und Nord-Europa 5000 zusätzliche Todesfälle unter Säuglingen. Allein in Bayern sei es nach Tschernobyl zu 1000 bis 3000 zusätzlichen Fehlbildungen gekommen.

Claußen: Der Normalbetrieb von Atomanlagen stellt eine Gefahr für Kinder dar

Doch bereits der ganz alltägliche Normalbetrieb von Atomanlagen mit seinen "erlaubten Emissionen" bedeute eine gesundheitliche Gefahr, vor allem für Kinder, so Claußen. "Je näher Kleinkinder an einem AKW leben, desto höher ist ihr Risiko, an Krebs und Leukämie zu erkranken. Das wies Ende 2007 die bisher aufwändigste Studie zu diesem Thema zweifelsfrei nach. Konsequenzen hatte das bis jetzt noch nicht", beklagt sie. Die IPPNW fordert eine Verbesserung des Strahlenschutzes und eine verständliche und sachgerechte Aufklärung der Bevölkerung.

Atomkraftwerksarbeiter haben den Angaben zufolge ebenfalls ein erhöhtes Risiko, an einem Krebsleiden zu sterben. Schon durch eine nur gering erhöhte Strahlenexposition erhöhe sich dieses Risiko um zehn Prozent, so Claußen unter Berufung auf Studien.

Laut IPPNW-Studie soll die indische Uranmine Jadugoda gravierende gesundheitliche Folgen haben

Auch die Verarbeitung und Nutzung des Urans ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Eine 2007 veröffentlichte Studie der indischen IPPNW über die gesundheitlichen Folgen des Uranbergbaus in der Umgebung der Uranmine in Jadugoda im Nordosten Indiens zeigt eindeutige Ergebnisse: Kindliche Fehlbildungen, Unfruchtbarkeit bei Paaren sowie Krebserkrankungen treten in der radioaktiv kontaminierten Zone im Vergleich zur Kontrollregion deutlich erhöht auf.

"Atomenergie macht krank", so Claußen. "Wir kritisieren die anhaltende Verharmlosung der gesundheitlichen Folgen der Atomenergie." Sie verweist auf die Möglichkeit einer 100-prozentigen Energieversorgung durch Erneuerbare Energien. "Die Erneuerbaren decken schon jetzt weltweit 18 Prozent des Energiebedarfs, die Atomenergie jedoch nur 2 Prozent", so Claußen.

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