Chemieriese BASF profitiert

BASF frohlockt - Genkartoffel kommt

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat den Anbau der Genkartoffelsorte Amflora erlaubt. Wie das Ministerium am Montag (27. April) bestätigte, genehmigte Aigner den Anbau der Kartoffelsorte zu Forschungszwecken. Amflora-Kartoffeln sind für Menschen offenbar nicht genießbar, sondern können wegen ihrer besonderen Stärkezusammensetzung zu industriellen Zwecken, wie der Herstellung von Papier, genutzt werden. Politiker der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU sowie der FDP begrüßten die Entscheidung. Aigner sagte, vom Anbau der Kartoffel gehe keine Gefahr für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt aus. Von der Genehmigung profitiert der Chemiekonzern BASF, der in Deutschland Freilandversuche mit der Kartoffelsorte durchführen möchte.

Aigner sagte, BASF habe zu gewährleisten, dass das Erntegut nicht in den Lebens- oder Futtermittelkreislauf gelange. Das Unternehmen habe sich zu "Sicherheitsmaßnahmen" für den Versuchsanbau von Amflora verpflichtet. Dazu gehöre ein überwachter Wildschutzzaun um die Versuchsfläche herum. Zudem wurde die Anbaufläche in Mecklenburg-Vorpommern reduziert. Bereits 2006, 2007 und 2008 waren nach Angaben des Forschungsministeriums begrenzte Anbauten von Amflora-Kartoffeln zugelassen worden.

Aus dem Ministerium hieß es, bei der jetzigen Entscheidung gehe es "nur um Forschung und Saatgutentwicklung". Mit der grundsätzlichen Zulassung der gentechnisch veränderten Kartoffel als Futtermittel habe die Entscheidung nichts zu tun. Darüber müsse die EU-Kommission befinden. Die EU-Kommission stimmt Gentechnik-Versuchen in aller Regel zu.

Mit ihrer Entscheidung stellte sich Aigner nach Informationen des "Tagesspiegels" gegen CSU-Chef Horst Seehofer, der dem Blatt zufolge bei einem Treffen in München vor einer Woche auf ein Verbot der Genkartoffel gedrängt hatte. Seehofer selbst bestritt am Montag in München, dass er Druck ausgeübt habe. Außerdem sei er in der Gentechnik-Debatte "schon immer für die Forschung gewesen", sagte der bayerische Ministerpräsident. Aigner hatte unlängst den Anbau von Genmais der Sorte MON 810 verboten, zugleich aber von einer Einzelfallentscheidung gesprochen.

Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU) bezeichnete die Genehmigung des Anbaus von Amflora als "ein wichtiges Signal für eine Zukunftsbranche, für Forschung und innovative Arbeitsplätze" in Deutschland. Auch der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der Unions-Fraktion, Peter Bleser (CDU) sagte, Aigner stelle mit dieser Entscheidung klar, dass das Verbot von MON 810 keine grundsätzliche Entscheidung gegen die Grüne Gentechnik in Deutschland gewesen sei. .

Harsche Kritik kam von den Grünen. Aigner setze mit der Genehmigung von Amflora das "rechtswidrige Zulassungsverhalten" ihres Vorgängers Seehofer fort, sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. "Unter dem Deckmäntelchen der Forschung" werde in Deutschland nun faktisch der Vermehrungsanbau einer Pflanze mit Antibiotika-Resistenz zugelassen. Dagegen würden europäische Nachbarländer mit Sicherheit intervenieren, sagte Künast.

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