Jungen als "Bildungsverlierer"
Stereotype beeinflussen laut PISA-Studie den Bildungserfolg von Jugendlichen
Die PISA-Studie ist eine internationale Bildungsuntersuchung zur Kompetenz von 15-Jährigen. Sie wird alle drei Jahre gemacht, die jüngste Untersuchung stammt von 2006. Für die Sonderauswertung nutzten die OECD-Forscher neben den PISA-Daten auch andere Erhebungen ihrer Organisation.
Laut Studie nehmen die Leistungsdifferenzen zwischen Jungen und Mädchen immer weiter zu, je länger sie zur Schule gehen. Gegen Ende der Grundschulzeit erzielen sie in Mathematik bei internationalen Vergleichsstudien noch fast die gleichen Ergebnisse. Im Alter von 15 Jahren zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Hier schneiden Jungen in fast allen untersuchten Ländern besser ab als Mädchen. Beim Lesen sind Mädchen bereits in der Grundschule den Jungen überlegen. Dieser Unterschied verstärkt sich der Studie nach in der weiteren Schullaufbahn noch. Zwischen den PISA-Studien von 2000 und 2006 hat sich der Geschlechter-Unterschied beim Lesen verschärft.
Dass die Ursachen nicht bei den tatsächlichen Fähigkeiten liegen, belegen nach Auffassung der Wissenschaftler andere Ergebnisse: So haben 15-jährige Mädchen bei Aufgaben zu allgemeiner Problemlösung keine Schwierigkeiten. Hier schneiden sie laut Untersuchung ähnlich gut ab wie ihre männlichen Altersgenossen, während sie beim Lösen mathematischer Probleme hinter den Jungen zurückliegen. Zweifel an den eigenen mathematischen Fähigkeiten seien unter Mädchen jedoch verbreiteter als bei Jungen - ebenso Hilflosigkeit, Ängstlichkeit und geringeres Interesse im Mathematik-Unterricht.
OECD-Generalsekretär Angel Gurría mahnte, man dürfe nicht akzeptieren, dass es geschlechtsspezifische Vorurteile beim Lernen weiter gebe. "Solche Ansichten führen dazu, dass unseren Gesellschaften wichtiges Bildungspotenzial verloren geht", sagte er.
Der Deutsche Philologenverband forderte angesichts der Ergebnisse eine Leseoffensive für Jungen an Schulen. Die Leseschwäche sei einer der Hauptgründe dafür, dass Jungen zunehmend zu "Bildungsverlierern" würden, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) plädierte dafür, in der Lehrerausbildung mehr als bisher für geschlechterbezogene Pädagogik zu tun. Ein "gravierendes Problem" sei auch die "unausgewogene" Zusammensetzung der Lehrerschaft, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann, "der Lehrerberuf entwickelt sich inzwischen in allen Schulformen immer mehr zu einem reinen Frauenberuf."
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Am 26. Mai. 2009 unter:
politikStichworte:
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