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Scheer für Förderung von Elektroautos

"Nationale Plattform Elektromobilität"

Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft wollen am Montag (3. Mai) in Berlin eine "Nationale Plattform Elektromobilität" zu beschließen. Im Entwurf der Abschlusserklärung ist nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zwar von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 auf Deutschlands Straßen die Rede, nicht aber, dass diese "aus heimischer Produktion" stammen sollen. Zudem bestätige sich, dass die Industrie ohne weitere Subventionen, Kaufprämien oder Forschungsförderungen auskommen müsse. Der Präsident der Europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien (EUROSOLAR), Hermann Scheer, forderte unterdessen weitaus "mehr Tempo für Elektromobiltät", in der Erwartung, dass bald Wind- und Solarstrom die Autos auf deutschen Straßen antreibt. Die bisherigen, noch auf die Große Koalition zurückgehenden Ansätze der Bundesregierung, bestehen nach Auffassung von Scheer aus zu vielen Absichtserklärungen. "Da wird noch getestet, was andernorts - von China bis Japan, den USA bis Frankreich - schon im direkten Übergang in die Serienproduktion ist", kritisiert Solar-Vorkämpfer Scheer. In seinem Konzept sind bis zum Jahr 2020 bereits 10 Millionen Elektroautos vorgesehen.

"Die deutsche Automobilindustrie kann nicht liefern"

Es werde aufgeschoben, was jetzt schon möglich sei. "Dadurch besteht die Gefahr, dass die deutsche Automobilproduktion in der wichtigsten Automobilinnovation des Jahrhunderts den Anschluss verliert", mahnt Scheer. Es sei ein Armutszeugnis für Deutschland, "dem Mutterland der Elektrotechnik", dass im Jahr 2009 laut Kraftfahrt-Bundesamt nur 162 Elektromobile zugelassen worden seien. Der Markt interessierter Kunden sei bereits jetzt wesentlich größer, aber die deutsche Automobilindustrie könne nicht liefern, "weil sie außer Einzelstücken noch nicht produziert".

Dienstfahrzeuge

Nach Auffassung von Scheer soll die öffentliche Hand die Elektromobiiltät ankurbeln. Überall, wo es einen urbanen Bedarf an Dienstfahrzeugen gebe, ob für den Fuhrpark des Bundes, der Länder oder der Kommunen, sollten Elektrofahrzeuge beschafft werden.

15.000 Euro Zuschuss pro Elektromobil

500 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt weren derzeit für vereinzelte regionale Testversuche ausgegeben. Scheer fordert, diesen Betrag unmittelbar in Fahrzeugbestellungen von Elektromobilen bei der deutschen Automobilindustrie einzusetzen, wobei 15.000 Euro pro Elektromobil als Zuschuss für die öffentlichen Besteller bereitgestellt werden sollten. Auf diese Weise ergäbe das bereits ein Produktionspotential von über 30.000 Fahrzeugen, so Scheer.

"Sofortstart in die Serienproduktion"

"Das wäre der Sofortstart in die Serienproduktion und die damit verbundene Kostensenkung für den allgemeinen Markt. Es würde automatisch weitere Aktivitäten der Automobilindustrie auslösen und den privaten Markt zügig erweitern", so der Vorstoß des Solarpioniers. Dann wäre bereits 2011 das Elektromobil in der Serienproduktion.

Sobald die Serienproduktion angelaufen sei und die deutsche Industrie liefern könne, sei der Zeitpunkt gekommen, den privaten Markt mit einer öffentlichen Anreizfinanzierung wie in China oder in Frankreich anzukurbeln. "Dann könnte schon innerhalb von drei Jahren die 100.000-Stück-Menge überschritten werden."

"Verbindung mit erneuerbaren Energien"

Entscheidend für die Einführung der Elektromobilität sind nach Scheers Überzeugung nicht nur die Geschwindigkeit auf dem Weg zum Massenmarkt, sondern auch die Energiequelle für die Elektroautos. Um die Verbindung mit erneuerbaren Energien herzustellen, sollten die Automobilhersteller eigene Erneuerbare-Energie-Anlagen errichten oder Verträge mit Anlagenbetreibern für Neuinvestitionen zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien abschließen, fordert Scheer. Die Kapazität der Anlagen zur alternativen Stromerzeugung sollten dabei mit der von den Automobilkonzernen jeweils produzierten Elektromobilflotte Schritt halten.

"Keine Mehrkosten"

Mehrkosten für Autokäufer seien damit nicht verbunden, weil sich die Anlagen über die garantierten Vergütungen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz selbst finanzierten, so Scheer. "Dieses Modell bietet Vorteile für alle: Die Fahrzeugindustrie kann die Klimaschutzziele erfüllen, die Kunden müssen sich keine Sorgen um die Umweltfreundlichkeit ihrer Fahrzeuge machen und es gibt einen zusätzlichen Wachstumsschub für die erneuerbaren Energien."

10 Millionen Elektroautos bis 2020

Darüber hinaus schlägt Scheer vor, Stromtankstellen als Teil des Stromnetzes zu definieren, Elektrofahrzeugen Vorteile im Straßenverkehr einzuräumen und Windkraftanlagen entlang von Autobahnen zu errichten. "Die vollständige Umstellung unseres Fuhrparks auf erneuerbare Energien ist so rechtzeitig möglich, dass bereits 2020 10 Millionen Elektromobile in Deutschland in Betreib sein könnten", so Scheer. "Das aber nur, wenn die Politik mehr von der Industrie abruft als Absichtserklärungen und Demonstrationsprojekte."

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