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Sinnvoll regeln statt scheinbar fachliche Vernunft

Dunkel ins Licht

Seit dem 27. August 2010 sind die beauftragten Energieszenarien bei der Politik angekommen. Sie sollten die Grundlage für das Energiekonzept bilden. Statt Klarheit zu bringen geht das Licht aus, sowohl praktisch bei der Pressekonferenz von Herrn Röttgen und Herrn Brüderle am 30. August 2010, als auch fachlich zwischen den Entscheidungsträgern.

Verschiedene Meinungen

Seit die Energieszenarien auf dem Tisch liegen, gibt es viele unterschiedliche Meinungen dazu. Röttgen sagt, die Laufzeitverlängerungen hätten laut der Studie nur marginale Auswirkungen, Brüderle liest bis zu 20 Jahre Laufzeitverlängerungen als sinnvoll heraus und Kanzlerin Merkel hält seither 10 bis 15 Jahre für fachlich vernünftig.

Sinnhaftigkeit der Szenarien

In den neuen Energieszenarien wird nach den Auswirkungen von Laufzeitverlängerungen auf den deutschen Strommarkt gefragt. 4, 12, 20 oder 28 Jahre stehen dabei zur Debatte. Beim Kontollszenario werden Annahmen mit schlechten Ausgangsgsbedingungen für Effizienz und Ausbau der erneuerbaren Energien angenommen.

Wenn die Regierung wirklich den Ausbau der erneuerbaren Energien und Energieunabhängigkeit erreichen möchte, stellt sich die Frage, warum sie nicht mit anderen, objektiveren Vorzeichen geforscht hat? Vermutlich , weil es diese unabhängigen Szenarien längst gibt. Auch das BMU hat ein solches herausgegeben. Das sogenannte Leitszenario 2009 hatte bereits herausstellt, „dass die nächsten Jahre darüber entscheiden, ob das Fenster für einen Erfolg versprechenden Weg in eine nachhaltige Energieversorgung rechtzeitig geöffnet wird.“ Die Faktoren für einen schnellen Umbau stehen seit Jahren fest und werden auch in dem Leitszenario, wie in vielen anderen unabhängig fragenden Gutachten wiederholt. Notwendig sind gut regelbare Kraftwerke, intelligente Stromnutzung, Speicher und Ausbau der Netze. Lange politische Diskussionen über alte Technologien sind kontraproduktiv und kosten der Volkswirtschaft Finanzkraft.

Intelligente Netze

Für einen funktionierenden erneuerbaren Strommarkt ist es wichtig, Stromproduzenten, Verbraucher und Speichertechnologien klug miteinander zu kombinieren. Herzstück dabei ist ein Steuersystem, das alle Mitspieler bündelt. Verschiedene Produzenten (Wasser, Wind, Sonne, Biomasse und Geothermie) speisen ihren Strom ein. Verbraucher wie Haushalte, öffentliche Gebäude und Industrie sind zum Beispiel durch intelligente Zähler in das System eingebunden. Diese Zähler ermöglichen ein Weg- und Zuschalten von bestimmten Geräten und lassen so eine zeitliche Umverteilung von Strommengen zu. Weht etwa sehr viel Wind, so werden Maschinen oder Geräte aus Industrie oder Haushalt zugeschaltet. Steht gerade weniger Strom zur Verfügung, dann können Verbraucher, wie z. B. Kühlhäuser, auch einige Zeit vom Netz gehen. Für die verbleibende überschüssige Energie werden Speichertechnologien benötigt. Das können Pumpwasserspeicherkraftwerke, Druckluftspeicher, Elektroautos oder Kühl- und Wärmesysteme sein.

Europaweite, sogenannte Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) können große Strommengen weiträumig umverteilen. Energie wird somit dort hingeleitet, wo jeweils Bedarf besteht und die Notwendigkeit, den Strom zu speichern, sinkt. Erneuerbare Energien brauchen einen flexiblen Strommarkt. Stromproduzenten, Speichertechnologien und Verbraucher spielen eng zusammen. Zentrale große Kraftwerke, meist betrieben mit Kohle oder Atom, können das nicht annähernd leisten.

Die neuen Player auf dem Markt müssen sich schnell an die bestehende Stromproduktion und -abnahme anpassen können. Kleine Blockheizkraftwerke können so etwas beispielsweise leisten, weil diese kleinen Motoren innerhalb von kürzester Zeit hoch und runter gefahren werden können. Zusammengeschaltet können sie auch zu sogenannten virtuellen Kraftwerken werden und effizient genau so viel Strom liefern, wie gerade gebraucht wird. Diese Blockheizkraftwerke können auf lange Sicht auch mit Biomasse (Biogas oder Pflanzenöl) beheizt werden.

Können das Kernkraftwerke regeln?

In einer von E.on bezahlten Studie des Institutes für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart hat Matthias Hundt dargelegt, dass Kernkraftwerke regelbar sind, Druckwasserreaktoren mehr als Siedewasserreaktoren. Laut dieser Studie können Kernkraftwerke Regelenergie für erneuerbare Energien anbieten. Würden alle deutschen Kernkraftwerke mit voller Kraft laufen – was sie wegen Mängeln nicht tun – hätten sie eine gesamte Leistung von 20,47 GW und könnten davon laut Matthias Hundt 9,6 GW Regelenergie bereitstellen. Dies entspricht im Schnitt etwa 50% ihrer möglichen Gesamtleistung.

Die Studie besagt aber auch, dass 50% der Leistung im Grunde immer im Stromnetz bleiben. Das sind bei voller Leistung über 10 GW. Bei Laufzeitverlängerungen führt das zunehmend zu Konkurrenz und volkswirtschaftlichen Schäden. Immer häufiger ist zu viel Strom in den deutschen Stromnetzen. Deshalb werden zunehmend Windkraftwerke heruntergeregelt und auch bei größeren Photovoltaikanlagen und Biogasanlagen müssen mittlerweile steuerbare Vorrichtungen installiert werden, damit sie vom Netz genommen werden können. Werden sie abgeschaltet müssen sie entschädigt werden. Die Ausgleichszahlungen werden in die Netzkosten integriert und so auf die Stromrechnung umgelegt und so von den Stromkunden bezahlt. Eine andere Reaktion auf ein Überangebot von Strom sind Minuspreise auf der Börse. Der Strom muss schnell aus den Leitungen. Verbraucher bekommen für die Abnahme des Stromes bezahlt. Das kommt allerdings nicht den Stromkunden zu gute, wie man meinen könnte. Die Stromkunden zahlen sogar die Einbußen der Konzerne. Die bezahlte Regelenergie taucht über die EEG-Vergütung in der Stromrechnung wieder auf.

Politik muss handeln

Statt sich zu streiten und in der Vergangenheit zu verhaften, müssen die Politiker mutig voran schreiten. Deutschland hat genügend Strom. Die Spielregeln müssen verändert werden und neue Strukturen müssen geschaffen werden. Laufzeitverlängerungen bremsen auf diesem Weg.

Die Aktion „Post an Merkel“ läuft und läuft

Die Bürger wissen mittlerweile über viele versteckte Kosten Bescheid und verstehen, dass viele Argumente falsch sind. Deshalb machen sich die Menschen stark gegen die Atomenergie und versuchen sich Gehör zu verschaffen. Unter anderem auch mit der Aktion „Post an Merkel“. Auf Postkarten können Menschen zwischen Laufzeitverlängerungen, Beibehaltung des Atomkonsenses oder sogar einem schnelleren Ausstieg aus der Atomenergie wählen. Die Postkarten werden seit Juni in regelmäßigen Abständen und in steigender Anzahl an Frau Bundeskanzlerin Merkel geschickt. Am 2. September erhält Frau Merkel mit der 43. Sendung bereits 43 Postkarten. Über die Sommerpause bis zum 9. September läuft die Aktion in einem wöchentlichen Rhythmus weiter und wird im Herbst vor der angekündigten Entscheidung bezüglich der deutschen Atomkraftwerke noch mal Gas geben.

Mit jeder Sendung informieren Umweltorganisationen das Kanzleramt über markante Zahlen und Daten aus dem Bereich Erneuerbare Energien oder Kernkraft. Mittlerweile liegen über 1.400 ausgefüllte Postkarten vor. Die Menschen fordern eine konsequente und schnelle Förderung der Erneuerbaren Energien und wollen den Atomkonsens wie geplant beibehalten oder sogar einen schnelleren Ausstieg aus der Kernenergie. Nach vorsichtigen Schätzungen der Teilnehmer stehen hinter den Aussagen der Menschen zusätzlich über 21.500 Bekannte, Freunde und Verwandte. Dabei wurden übertriebene Schätzungen nicht berücksichtigt. Die Aktion wurde initiiert von Energie in Bürgerhand, Mütter gegen Atomkraft, projekt21plus und WECF.

Relevante Zahl zur Nummer 43

Mit jeder Sendung bekommt Frau Merkel einen Brief mit relevanten Fakten passend zur Postkartenanzahl. Folgende Information erreichte die Bundeskanzlerin heute:

43 Karten für 43 Betriebsjahre

Als erste nukleare Anlage in Deutschland nahm das sogenannte "Garchinger Atom-Ei" am 31. Oktober 1957 den Betrieb auf. Endgültig abgeschaltet wurde der Reaktor nach fast 43 Betriebsjahren im Jahr 2000.

Alle Briefe an Frau Merkel und viele weitere Informationen stehen auf der Webseite www.nein-zu-atomkraft.de als Download zur Verfügung.

Für Fragen steht Ihnen Frau Trudel Meier-Staude (0049-177-598 33 97) von projekt21plus gerne zur Verfügung.

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