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Auch Steine fair kaufen

Kinderarbeit

Natursteine von xertifix Hier geht es nicht um Edelsteine, sondern um Natursteine. Und die soll man fair kaufen können? Ja, wer kauft die denn überhaupt? Es gibt durchaus Bedarf. Abgesehen vom Straßen-, Schienen- und Gartenbau braucht auch der Privatmensch gelegentlich Natursteine. Man denke nur an Außen- und Innenverkleidungen, Treppen- und Bodenbeläge, Tisch- und Küchenarbeitsplatten sowie – nicht zuletzt – an Grabmale. Fair kaufen heißt in diesem Fall, sicherstellen, dass der günstige Preis nicht durch Kinderarbeit entstanden ist.

Nach Schätzungen des Deutschen Naturwerkstein-Verbandes e.V. stammen 40 bis 50 Prozent der hierzulande angebotenen Grabsteine aus Indien. Über 150 verschiedene Steinsorten sind von dort bekannt. Die Steine werden zum Teil als unbearbeitete Steinblöcke, inzwischen aber mehr und mehr auch als verarbeitete Produkte (Platten, Grabsteine, Pflaster usw.) geliefert. Sie werden direkt nach Deutschland importiert oder gelangen aus anderen EU-Staaten oder sogar über China zu uns. Der Weg der Steine ist oft schwer nachvollziehbar. Wenn auf einem Natursteinprodukt made in Italy steht, ist der Stein dort vielleicht nur weiterverarbeitet worden, das Gestein selbst stammt aber z.B. aus indischen Steinbrüchen.

In den Steinbrüchen arbeiten die Ärmsten der Armen. Sie arbeiten ohne jede soziale Absicherung und müssen, um überleben zu können, auch unzumutbare Arbeitsbedingungen akzeptieren. Der Tageslohn für 12 Stunden schuften, beträgt 1 bis höchstens 3 Euro und reicht meist nicht, um eine Familie zu ernähren. Viele Eltern müssen beim Arbeitgeber Schulden machen, um überleben zu können oder um zum Beispiel eine medizinische Behandlung zu bezahlen. Können sie aus eigener Arbeitskraft den Kredit nicht zurückbezahlen, verlangt der Kreditgeber, auch die Kinder zur Arbeit heranzuziehen. So gerät die ganze Familie in eine Schuldknechtschaft. Eine Form der Sklaverei, aus der es oft kein Entrinnen gibt. Stirbt der Schuldner, verlangt der Kreditgeber von den Kindern, die Schulden weiter abzuarbeiten.

150.000 Kinder arbeiten in indischen Steinbrüchen, und zwar unter ausbeuterischen Bedingungen, die es nach indischen Gesetzen gar nicht geben dürfte. Ohrenbetäubender Lärm, der Staub macht das Atmen zur Qual, verklebt die Augen, verstopft die Lungen. Die sengende Hitze im Steinbruch ist kaum auszuhalten. In Lumpen gekleidet, barfuß und ohne Mundschutz bearbeiten Kinder die Steine. Es braucht die Kraft von mehreren, um den 45 Kilogramm schweren Presslufthammer halten und tiefe Sprenglöcher ins Gestein bohren zu können. Kinder, die den ganzen Tag unter diesen Bedingungen arbeiten müssen, haben eine Lebenserwartung von 35 Jahren. Verletzungen durch Abstürze, splitternde Steine oder durch Unfälle bei Sprengungen sind an der Tagesordnung. Der Steinstaub verursacht die Quarzstaublunge, ein chronisches Lungenleiden, das die Lungenbläschen zerstört. Man beraubt Minderjährige nicht nur ihrer Gesundheit, sondern auch ihrer Zukunftsperspektiven.

Was tun?

Händler, Importeure und Käufer von Natursteinen können in Deutschland ihren Beitrag zur Abschaffung von ausbeuterischer Kinderarbeit leisten, indem sie Importsteine nur mit Siegel kaufen. Es gibt zwei Siegel, denen man entnehmen kann, dass die Steine ohne Kinderarbeit in den Handel geraten sind: Xertifix kennzeichnet seit 2006 Natursteine aus Indien, die ohne Kinder- oder Zwangsarbeit produziert und weiterverarbeitet wurden. Die Betriebe werden mehrmals im Jahr unangekündigt überprüft.

Winwin – Fairstone kennzeichnet seit 2008 Steine aus Indien, China, Vietnam und der Türkei, die ohne Kinder- und Zwangsarbeit produziert wurden. Steinbruchbesitzer müssen zu Beginn der Zusammenarbeit mit Fairstone definierte Mindeststandards erfüllen. Diese werden über drei Jahre fortlaufend überprüft.

Im Internet unter http://www.xertifix.de

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