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Nina Hagen über Vergangenheit und Zukunft (Interview)

„Nicht mit Bonzen und Politikverbrechern rummachen!“

im interview nina hagen, rockstart und legende Sie ist Deutschlands einziger Rockstar von Weltklasse. Nina Hagen (55), aufgewachsen in Ostberlin und 1976 in den Westen ausgebürgert, sprengte als Punkrock-Sängerin Tabus und Moralvorstellungen ihrer Mitbürger. Bei ihrer letztes Jahr erschienen CD „Personal Jesus“ sind sich die meisten Kritiker einig, dass dies ihre beste CD seit „Nina Hagen Band“ und „Unbehagen“ sei.

Nicht mit Bonzen und Politikverbrechern rummachen!“

Im Juli dieses Jahres ist dein Gospel-Country-Album „Personal Jesus“ erschienen und erklimmt gerade die Charts. Was ist deiner Meinung nach das Besondere am Gospel?

Nina Hagen: Für mich ist die Kraft des Evangeliums in der Gospelmusik besonders wunderbar und stark zu spüren. Mich hat diese bluesige, rockige Musik und die großartigen Texte und Gesänge schon mein ganzes Leben lang fasziniert und begleitet. Auf „Personal Jesus“ singe ich vom klassischen Negro-Gospel alle möglichen Gospelfusions: Gospel-Rock, Gospel-Bluesblues, Gospel-Reggae und Country-Gospel.

Ob Funk, Rock. Jazz, Heavy Metal oder Acid House ¬– du bist durch alle musikalischen Stilrichtungen sowie über alle möglichen Kontinente gefegt. Knüpfst du mit deiner neuesten CD du an dem Erfolg früherer Jahre an?

Nina Hagen: Ich freu mich einfach riesig, wenn die Musik, mein Gesang gut tut und ich bin eine leidenschaftliche Musikerin... Und brenne natürlich längst schon wieder für ein weiteres Album, dass ich jetzt im Januar wieder mit Paul Roessler produzieren möchte ... mit vielen selbstgeschriebenen Songs.

Die Anzahl sämtlicher weltweit veröffentlichten Platten- und CD-Veröffentlichungen, auf denen dein Gesang zu hören ist, dürfte bei annähernd 500 liegen. Was hast du in den letzten Jahren gemacht?

Nina Hagen: Ich war in den letzten Jahren mit meinen amerikanischen Musikern viel in den USA, Mexico und Canada am Konzerte geben, und auch hier in Deutschland war ich oft auf Tournee, mit der Leipzig Bigband und mit dem Capital Dance Orchestra. Und ich habe Hunderte von Demos im Homestudio aufgenommen…

Deine im März 2010 erschiene Autobiografie „Bekenntnisse“ hat viel Tiefgang. Es ist beeindruckend, wie viel du erlebt und verarbeitet hast. Aufgewachsen in der DDR mit der berühmten Schauspielerin Eva-Maria Hagen als Mutter und Wolf Biermann als Stiefvater. Dein lieblicher Vater war aufgrund der Folter der Nazis schlaftablettensüchtig. Wie war es, eine Autobiografie darüber zu verfassen?

Nina Hagen: Das war mir sehr wichtig, denn es ist eine sehr böse Angewohnheit von Menschen, wenn sie sich den Geist und die Seele absprechen. Wie oft wurde ich in meinem Heimatland immer nur als „durchgeknallt" und als „schrill " abgestempelt! Ich habe jahrelang versucht einen neuen Plattenvertrag zu bekommen, aber keiner wollte etwas mit mir zu tun haben... Ich habe seit meiner Taufe ein ganz neues Leben! Ich kann mich seit meiner Taufe viel besser mit mutigen Geschwistern im Glauben für den Frieden und gegen die Atomkraft stark machen und organisieren!

Nachdem du aus der DDR nach England emigriert bist, bist du wieder in die Bundesrepublik gezogen, wo deine Karriere mit „Spliff“ richtig durchstartete. Zwischenzeitlich hast du in Amerika und in Indien in einem Ashram gelebt. Habe ich wichtige Stationen vergessen? Wo und wie lebst du eigentlich jetzt?

Nina Hagen: Die Kinder und ich, wir haben auch viele Jahre in Paris gelebt und auf Ibiza. Jetzt lebe ich in Berlin und in Los Angeles. Dort habe ich jeweils kleine Wohnungen gemietet.

Was du durch deine Konzerte und CDs verdienst haust du gleich wieder für deine zahlreichen Charity-Aktionen heraus. Hast du nicht Angst, irgendwann mal zu verarmen?

Nina Hagen: Ich kann gar nicht verarmen. Ich bin ja in einer tollen christlichen Gemeinde. Notfalls wird man da aufgefangen. Wir haben auch ein großes Netzwerk gegründet, wo wir amerikanischen Kriegsdienstverweigerern Zuflucht gewähren. Das war auch der Anlass, mit Karl-Wilhelmter Horst, den Pastor, von dem ich mich letztes Jahr habe taufen lassen, in Kontakt zu treten.

In deinem Buch schilderst du dein sehr ambivalentes Verhältnis zu deiner Mutter, der ebenfalls berühmten Eva-Maria Hagen. Als Kind hast du dich teilweise vernachlässigt gefühlt und das Gefühl gehabt, Teil ihrer Inszenierung zu sein. Verstehst du dich heute gut mit ihr?

Nina Hagen: Ja ich verstehe mich sehr gut mit meiner Mutter und hab sie wahnsinnig lieb! Sie ist einfach unbeschreiblich, man kann sich immer auf sie verlassen, wenn es wo etwas gibt, wo Hilfe und Solidarität ruft, meine Mama ist sofort zur Stelle!

Du bist in der deutschen Anti-Atomwaffen-Bewegung aktiv, bei der „gewaltlosen Aktion Atomwaffen abschaffen“

Nina Hagen: Ich bin schon mein ganzes Leben friedenspolitisch unterwegs, mit friedlichen Aktionen unterstütze ich die Abschaffung der auf deutschen Boden gelagerten Atomwaffen in Büchel. Ich nehme meine liebe Freundin Claudia Roth und die tolle Renate Künast an die Hand, und wir marschieren Hand in Hand mit Zehntausenden Menschen aus ganz Deutschland, für ein atomwaffenfreies und atomkraftwerkfreies Deutschland! Wir organisieren jedes Jahr in Büchel ein wunderbares Protest-Camp. God Bless the peacemakers! Die Polizisten, die dort zum Schutz dabei sein müssen, die stehen voll auf Volkes Seite!

Du bist nun selbst Mutter von inzwischen erwachsenen Kindern, Cosma Shiva (28) und Otis (20). Cosma Shiva ist inzwischen wie die Mutter und Großmutter eine erfolgreiche Schauspielerin. Was macht Otis? Seht ihr drei euch oft?

Nina Hagen: Ja, meine Kinder kommen mich oft besuchen, und ich sie auch, wie haben tolle gemeinsame Pläne für dieses Weihnachten und Neujahr...

Du hast dir damals, als deine Mutter dich zeitweise in ein Kinderheim abschob, geschworen, nicht dieselben Fehler bei denen eigenen Kindern zu machen wie sie. Bist du deinen Ansprüchen gerecht geworden?

Nina Hagen: Ja, ich denke schon. Ich war vielleicht, ein bisschen wie mein Vater, zu UN-STRENG. Aber so sind wir Hagens nun mal, wir können halt lieben nur, und sonst gar nichts...

Du bedauerst, dass weder dein Vater noch deine Mutter gläubig sind, waren. War es auch ein Akt von Rebellion von dir, dass du dich in der damaligen DDR schon als Kind für die christliche Kirche interessiert hast, auch wenn das ganze persönliche Umfeld atheistisch war?

Nina Hagen: Nein, ich denke, wenn man sich auf eine freundschaftliche, geschwisterliche Beziehung mit Jesus einlässt, dann geschehen Zeichen und Wunder mit einem selbst und man fühlt sich ganz anders an, wenn man Jesus liebt. Ich wollte mich einfach mit der Wahrheit einlassen, und nicht auf verbitterte Unwahrheiten! Das war keine Rebellion, sondern die Sehnsucht nach der absoluten Wahrheit, nach der absoluten Liebe.

Du bist erst später gläubig geworden, nach deinen „subversiven“ Kirchengängen, sagst du. Als du als Teenager nach einem Beinbruch im Krankenhaus lagst kamst du zu Gott. Wie war das?

Nina Hagen: Naja ... ich hatte ja schon längst eine Liebesbeziehung mit meinem Schöpfer, aber ich habe ihn noch testen wollen. Ich habe Gott gelästert und getestet ... und das war ein sehr persönlicher Test, bitte nicht nachahmen.....das Bein ist nämlich gebrochen. Ich hab über Gott aber auch sehr, over the top, abgelästert gehabt!

Was unterscheidet deiner Meinung nach das Christentum von anderen Religionen?

Nina Hagen: Lass doch lieber mal schauen was verbindet? Nicht, was Trennung und Unterscheidung verursacht. Also, bei Christus sind alle Menschen gleichwertige, geliebte Kinder Gottes, die dazu aufgerufen sind, die Schöpfung Gottes zu bewahren und zu beschützen. Es geht um die Liebe zu Gott, zum Nächsten, zum Selbst. Es geht um die Feindesliebe. Es geht um das Verbot zu töten. Es geht darum sich nicht von Feinden unterbuttern zu lassen, sondern Feinde zu segnen, für sie zu beten... Diplomatie - nicht Krieg ...und ich denke, dass viele dieser christlichen Leitsätze auch bei anderen Religionen vorhanden sind!

Jesus würde nicht mit „Bonzen“ und „Politverbrechern rummachen“, wenn er heute leben würde, schreibst du. Was würde er deiner Meinung nach machen, wenn er heute auf der Erde wäre?

Nina Hagen: Jesus würde die Mauern in Gaza einreißen. Er würde alle Atombomben neutralisieren und kein böser Lügner und Betrüger würde die Menschen jemals wieder versklaven können! Vor Allem denke ich, würde Jesus dem Papst in Rom einen heiligen Arschtritt verpassen, der ihn von allen Dämonen befreien wird, und er wieder ein „normaler " Mensch sein darf... I have a dream.

1968 warst du 13 und somit Zeuge umwälzender politischer und kultureller Prozesse. Wie lebte es sich damals als Hippie in der DDR?

Nina Hagen: Toll, einfach toll, so eine tolle Zeit, haha! Was für ein wunderbares lebendiges Leben ! Wir sind ständig angeeckt und angeeckt und haben uns gar nicht mal so dolle dabei verletzt....

Dein derzeitiger Lebensgefährte River ist ein 27-jähriger Physiotherapeut aus Kanada. Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Nina Hagen: Mein guter Freund River kam in mein Leben als Beschützer, weil ich von einem dänischen Soziopathen, mit dem ich verheiratet war, gemobbt und gestalkt wurde! River ist aber nicht mehr mein Lebenspartner, wir sind nur gute Freunde! Ich lebe schon seit vielen Jahren alleine ... im Zölibat.

Du sagst, die irdische Liebe sollte etwas Absolutes sein. Wird man bei so hohen Ansprüchen nicht sehr leicht enttäuscht?

Nina Hagen: Zeig mir einen Menschen, der noch keine Enttäuschungen durchlebt hat. Enttäuschungen gibt´s in dieser Welt leider viel zu viele! Wenn zwei Menschen sich lieben, ist das von Gott zusammengefügt, Frau und Frau, Frau und Mann, egal. Ja, das ist dann wunderbar! Ich bin offen für die Liebe und alles, was der liebe Gott mir noch schenken will! Aber damit meine ich nicht, dass ich mich nach einer irdischen Beziehung sehne! Ich bin am liebsten bei mir, in keiner Zweierbeziehung. Außer mit meinen Freunden und Freundinnen natürlich . Ich bin mit dem was ich bin vollkommen im Frieden. Ich brauche wirklich keinen Mann... Falls mich hier jemand verkuppeln will, no thank you!

von Sigrid Lehmann-Wacker

Foto: Horst Müller-Fußhöller

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