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Burnout Syndrom: Auslöser und innerpsychische Symptome

Burnout Symptome Teil III

Burnout Syndrom: innerpsychische Symptome Zerschlagenheit, Schlappheit, Schwindelgefühle, Kreislaufschwäche, innere Leere – der körperliche Zustand des vollkommenen Ausgebranntseins in all seinen Symptomen und Schattierungen fühlt sich nach den Berichten vieler Betroffenen zunächst einmal an wie das Ende der Fahnenstange, rien ne va plus, aus und vorbei. Ein Burnout Kandidat erlebt sich subjektiv als jemand, dem seine Lebenskräfte genommen worden sind: die eigene Energie außer Reichweite, ohne Möglichkeit, den Schalter aus eigener Kraft umzulegen. Wenn nun jemand auftaucht, der ihm seine Situation als Chance interpretiert, der erntet zunächst einmal Verständnislosigkeit. Burnout mitsamt der dazugehörigen Depression als Chance? Zum Sterben zu schwach, aber den Joystick des Lebens in der eigenen Hand?

Innere Leere kann körperlich wahrgenommen werden, und ist dennoch im Wesentlichen ein Bewusstseinszustand, eine Form der Selbstwahrnehmung, eine Art, über sich selbst zu denken und die eigenen Gefühle zu steuern. Man könnte auch momentane Selbstaufgabe dazu sagen, was dem Kern der Sache sogar ziemlich nahe kommt. Die Wahrnehmung der eigenen Gefühle und Bedürfnisse wird unbewusst aufgegeben, mangels Hoffnung, die eigene Sehnsucht nach Freude und Liebe in diesem Leben jemals befriedigen zu können.

Burnout als Chance

Im Beitrag „Burnout Symptome Teil II“ wurde diskutiert, ob die Auslöser nicht auch im zwischenmenschlichen Bereich zu suchen sein könnten. Das würde letztendlich bedeuten, dass die Ursachen in der Psyche des Betroffenen selbst zu finden wären. Am häufigsten scheint es Personen mit verstärktem Hang zum Perfektionismus oder mit Neigung zu Sorgen und Depression zu treffen, oder auch Menschen mit einem schwach ausgeprägten Selbstwertgefühl. Am gefährlichsten wird es, wenn ein oder zwei dieser Punkte mit großem Idealismus gepaart sind. Eine feste Überzeugung vom Sinngehalt der eigenen Tätigkeit, in Verbindung mit verstärktem Engagement und hohen Erwartungen an sich und an andere, kann ziemlich schnell zu Frustration und Überlastung führen. Nicht umsonst erfolgte die „Entdeckung“ des Burnout-Syndroms zuallererst unter den Angehörigen der so genannten helfenden Berufe (Pflegeberufe, Ärzte, Sozialarbeiter, Therapeuten, Erzieher usw.).

Der tiefenpsychologische Erklärungsansatz für das Phänomen Burnout vermutet eine der Ursachen – ähnlich wie der psychosomatische – von jeher in einem Beziehungskonflikt. Die Basis dazu ist die genannte Erwartungshaltung. Die hier gewählten Bezeichnungen (Einschärfung, Antreiber, Bremser) stammen zwar aus der Transaktionsanalyse, helfen aber den inneren Dialog, das Denken über sich selbst, anschaulich zu illustrieren:

Hilflose Helfer brennen aus

Was der „hilflose Helfer“ und der Perfektionist in Ihrer Art des „Ausbrennens“ gemeinsam haben dürften, ist das, was seit Sigmund Freud Übertragung genannt wird. In der Realität existieren eine oder mehrere Übertragungspersonen, zum Beispiel ein(e) Vorgesetzte(r), stellvertretend für ein Elternteil, oder ein Team – stellvertretend für die Ursprungsfamilie. Beim innerpsychischen Prozess des sich entwickelnden Burnout dreht sich derweil alles um den historischen Konflikt mit dem als antreibend wahrgenommenen Elternteil (frühe Botschaften aus der Kindheit können sein: „sei perfekt“, „sei stark“, „mach es anderen recht“ etc.). Die eigenen, gelernten und dazu passenden Denk-, Reaktions- und Verhaltensmuster werden unbewusst mit der/den stellvertretenden Person/en wiederholt (übertragen). Das kann so weit gehen, dass die Vorgesetzten / das Team nicht eine einzige dieser Einschärfungen aussprechen müssen.

Der/die Ausbrennende kann sich selbst mit den früh gelernten Antreibern befeuern, die dann von den ebenso früh gelernten „Bremsern“ („schaffe es nicht“, „brauche nicht = habe keine eigenen Bedürfnisse“, „fühle nicht“ etc.) neutralisiert werden, bis sich die inneren Kräfte gegenseitig aufgerieben haben. Der Burnout-Kandidat manövriert sich auf diese Art ganz allmählich selbst in den Bewusstseinszustand der inneren Leere, der völligen Erschöpfung und Auswegslosigkeit hinein – unbewusst zwar, doch in weitgehender Eigenregie.

Back to the roots

Die konkrete Chance liegt nun in der Selbstverantwortung und in der Wahrnehmung des beschriebenen uralten Déjà Vu, am besten schon wenn die ersten quälenden Symptome auftauchen. Das ist nicht die Regel, das Phänomen der Übertragung funktioniert schließlich unbewusst. Ein Ausstieg aus dem Teufelskreis ist natürlich auch später noch möglich, kurz vor und notfalls auch erst nach dem völligen Zusammenbruch. Ein zentraler Punkt ist jedenfalls die Tatsache, dass Menschen bei all ihrem Tun und unterlassen immer ein Ziel verfolgen, und sei es die Auflösung des Selbst im Nirwana, oder die Erfahrung des „bloßen Seins“ durch Meditation, völliges Nichtstun und absolutes Nichtdenken. Auch diese Art von Ziellosigkeit hat ihr eigenes Ziel.

Was ist also das Ziel eines Menschen auf seinem Weg zum Burnout? Es ist viel einfacher, als wir Menschen in unserer Komplexität und Kompliziertheit wahrhaben möchten. Let’s go back to the roots. Wenn wir das psychologische Konzept des „inneren Kindes“ (das Kind im Mann, das Kind in der Frau) verstehen, wird das Prinzip sehr schnell klar. Ein Kind versucht alles, um von den Eltern Liebe zu bekommen. Wenn die Liebe nur unter gewissen Bedingungen („streng dich an“, „sei perfekt“, „sei stark“, „mach es mir recht, nicht dir“) zu haben ist, wird es versuchen, diese Bedingungen zu erfüllen. Mit zwischenzeitlichen Aufwallungen von Trotz oder Rebellion zwar, aber es wird versuchen, die Bedingungen zu erfüllen. Und dieses innere Kind ist auch beim Burnout-Prozess am Werk. Wie auch beim Mobbing Opfer handelt es sich um ein tragisches und unbewusstes Hochkochen von uralten Glaubenssätzen und Einstellungen aus der Kindheit, um es mit Begriffen aus der Bonding-Therapie zu umschreiben. Ein Erklärungsversuch, wohlgemerkt, aber ein ganz besonders schlüssiger.

Die Rückkehr ins Hier und Jetzt

Diese Einstellungen sind mit ungelösten Identitätsfragen und mit negativen Gefühlen beladene Gedanken, Selbstzweifel, die aus der Zwickmühle zwischen Antreibern und Bremsern entstehen: Ich bin nicht liebenswert, ich bin nicht gut genug, ich bin eine Last, ich wäre besser nicht geboren etc. Diese Gefühle noch einmal zu erleben, möchte das innere Kind um keinen Preis. Und genau hier beginnt der Burnout Teufelskreis. Ist der Auslöser erst einmal in Kraft gesetzt, wird das uralte Programm aus unbewusstem Denken, Fühlen und Verhalten wieder und wieder abgespult: „Wenn ich es nur allen recht mache, wenn ich mich nur genug anstrenge, perfekt zu sein, wenn, wenn, wenn, … , dann bin ich endlich liebenswert, gut genug, willkommen auf dieser Welt.“ Diese Problematik wird übrigens auch hervorragend im Bestseller „Der ungezähmte Mann“ von John Eldredge aufgezeigt und aufgelöst.

Wir ahnen schon, was jetzt kommen muss: kein Mensch kann es allen recht machen, kein Mensch kommt fehlerfrei auch nur durch einen einzigen Tag. Die Frustration wird durch noch mehr Anpassung und noch mehr Anstrengung kompensiert, der Mangel an innigem Kontakt, an Liebe und Freude wird immer brennender und aussichtsloser, der Tritt in die Pedale wird heftiger und heftiger – und das alles nur wegen der unerfüllten Sehnsucht eines tief vergrabenen Persönlichkeitsanteils. Der Ansatz aus der Bonding-Therapie beinhaltet auch gleichzeitig die Lösung: Wenn der Mangel an innigem Kontakt schnellstmöglich im Hier und Jetzt (z.B. in einer Bonding-Gruppe) hergestellt wird, dann löst sich die innere Verkrampfung, dann wird der „leergebrannte“ Tank wieder gefüllt, dann ist der Ausstieg aus dem Hamsterrad plötzlich leicht. Das neue Verständnis für die vorher unbekannten inneren Anteile hilft ab diesem Zeitpunkt ganz enorm, für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse Verantwortung zu übernehmen und gut dafür zu sorgen.

In den kommenden Folgen der Serie „Burnout Symptome“ sollen typische Fallbeispiele und deren erfolgreiche Behandlung möglichst viel konkrete Lebenshilfe vermitteln – bleiben Sie also dran! (gv)

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