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"Der ungezähmte Mann" - Erfahrungen nach der Bonding-Therapie

Männerarbeit mit "Der ungezähmte Mann" (1)

Günter Voelk über Mobbing und Bonding Neue Männer braucht das Land. Der Song von Ina Deter aus dem Jahr 1982 war nicht nur ein Ohrwurm, er wurde auch zum Credo einer Nachfolgegeneration, einer Generation, die irgendwie hängengeblieben schien zwischen den Welten, zwischen Mobbing und Burnout, Frauenbewegung und Männer-Selbsterfahrung, zwischen Alice Schwarzer, Bhagwan und Wilhelm Reich – das Credo der Generation, die nach den legendären 68ern kam. Einer Generation, die sich fragte „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Der Refrain aus der Singleauskopplung des Albums „Männer“ von Herbert Grönemeyer justierte den damaligen Zeitgeist millimetergenau: Männer sind so verletzlich … Männer sind einfach unersetzlich.

Beide Hits spiegelten den Versuch einer ganzen Epoche wider, Mannsein neu zu definieren, ohne ihrem Männerideal jemals nahe kommen zu können. Was zurückblieb, war die Sehnsucht nach einer Spezies von Mann, die eine längst verloren gegangene Qualität von Liebe und Hingabe neu erfinden sollte (verletzlich), ohne weichlich zu wirken. Und natürlich die Sehnsucht nach einer Spezies von Mann, die eine immer haltloser werdende Welt neu verankern sollte, ohne autoritär zu sein (unersetzlich). Was danach kam, war die „Null-Bock“-Generation. Die Jahrzehnte, in denen die Emanzipation der Frau im Mittelpunkt des Interesses stand, haben ganz nebenbei auch das Männerbild umdefiniert: Männer sollten zu ihren „weiblichen“ Seiten stehen, sie sollten berechenbarer, kommunikativer, empfindsamer sein, frei übersetzt: irgendwie zahm und ungefährlich. Der Preis dafür: Männer werden im Endergebnis dafür kritisiert, dass sie keine „echten“ Männer mehr sind – ein Fall für die Männertherapie. Und darauf haben viele Männer null Bock.

Selbstverständnis im Schleuderkurs

Es scheint immer noch viel zu wenig Männergruppen, Männerseminare und Selbsthilfegruppen für Männerprobleme zu geben, und auch kaum eine Männertherapie, die eine so vollständige und furchtlose Authentizität und Echtheit freischälen kann, wie im Grunde nötig ist, so dringend nötig. Wahrscheinlich gibt es immer noch nicht genügend qualifizierte Leiter dafür, die durch ihre eigene Hölle gegangen sind, und die den viel zu hohen Preis der Anpassung an einen „Zeitgeist“ kennen und ihn nie mehr zahlen wollen.

Gibt es so etwas wie eine Männlichkeit, die Schwäche und Stärke in gleicher Glaubwürdigkeit leben und ausdrücken kann? Wie können Männer aus verkehrten und aufgesetzten Rollen herausfinden, statt sich immer tiefer zwischen Burnout, Mobbing und Resignation zu verheddern? Und welche Vorbilder gibt es für eine authentische, zupackende und zulassende, aus dem Herzen ausfließende Männlichkeit - fernab von Machogehabe und Softie-Passivität? Der aufrüttelnde, Augen öffnende Bestseller „Der ungezähmte Mann“ von John Eldredge (Brunnen-Verlag) zeigt Ursachen für den Schleuderkurs des männlichen Selbstverständnisses im postmodernen Abendland auf. Und er zeigt gangbare Wege, wie wahrhaftige Männlichkeit zu entdecken und neu zu erfahren ist. Wild, ungezähmt, gefährlich und frei – so wie Jesus von Nazareth, als er den Tempel in Jerusalem gewaltsam von Geldwechslern und Viehhändlern befreite, und auf der anderen Seite Leprakranke berührte, Kinder streichelte, und beim Tod seines Freundes Lazarus hemmungslos in Tränen ausbrach.

Echte Männer, Abenteuer und Neues Denken

"Der Mann ist für ein abenteuerliches Leben geschaffen. Ein Mann wird erst dann wirklich glücklich sein können, wenn in seiner Arbeit, in seiner Liebe und in seinem spirituellen Leben das Abenteuer Einzug hält." Eldredge würzt und untermalt seine tief gehenden Erkenntnisse sehr wirksam mit einer Reihe von Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, vornehmlich Beispiele von Jesus. Die Bibelsprüche, die der bekennende Christ zur Untermalung einbezieht, sind gelegentlich markig, immer erleuchtend, und laden zum dringend benötigten Neuen Denken ein, das die Ina Deters und Herbert Grönemeyers des dritten Millenniums einfordern. Statt das Buch wie so viele Bücher in einem Rutsch zu verschlingen, konnte ich es nur in kleinen Portionen von 15 bis 30 Seiten pro Tag lesen. Mir wurden die Zusammenhänge zwischen meinem eigenen Verständnis von Mannsein, meiner Beziehung zur Spiritualität, meiner Beziehung zu meiner Frau und zu meinen Kindern auf ganz neue Weise klar. Ich hatte den Eindruck, John Eldredge rekapitulierte live mit Hilfe von „Wild at Heart“ (englischer Titel von „Der ungezähmte Mann“) mein ganzes Leben mit mir, und vor allem meine Beziehung zu dem Vater meiner Kindheit.

Männerwunden

Aufgrund meiner eigenen Lebensgeschichte und aus meiner langjährigen Erfahrung als Heilpraktiker für Bonding-Therapie kann ich sagen: Die tiefste Wunde, die ein Mann durchs Leben trägt, stammt sehr oft von seinem Vater. „Bin ich ein ganzer Kerl?“ „Stehst du hinter mir, Papa?“ - Genau hier, bei diesen existenziellen Fragen eines Jungen, hat auch mir mein Vater den Teppich unter den Füßen weg gezogen, genau hier haben dies unzählige Väter vor und nach ihm getan, durch Tun oder Unterlassen, durch absichtliche Häme oder Härte, oder auch durch frühes Verlassen.

Die alten Bilder tauchten bei der Lektüre von „Der ungezähmte Mann“ noch einmal auf, diesmal nicht quälend und erstickend, sondern aufhellend, erleichternd und befreiend. Ich hatte meinem Vater zwar längst vorher vergeben können, mit der Hilfe meiner eigenen Bonding-Therapie Ausbilder. Ich konnte die Hände längst wieder küssen, die mich nackt zu Boden schlugen, als ich mit vierzehn aus dem Badezimmer kam. Doch die Wunde war dadurch noch nicht wirklich geheilt. Von Seite zu Seite, von Umblättern zu Umblättern kam es mir immer mehr so vor, als würde mich John Eldredge von klein auf kennen, intensiv und intim wie kein anderer. Und die Wunde begann zu heilen.

Endlich ein Mann

"Männlichkeit wird verliehen. ... Vom Beginn der Welt an war es so geplant, dass der Vater im Herzen des Sohnes das Fundament legt und ihm alles Wesentliche mitgibt, auch das Selbstvertrauen in die eigene Stärke." (John Eldredge) – Männlichkeit kann nicht erworben, erkämpft, verdient, erarbeitet werden, Männlichkeit wird verliehen – oder verwehrt. Meine Gedanken gingen noch einmal zurück in die dunkelsten Stunden meines Erwachsenenlebens.

Zwölf Jahre lang Arbeit mit der Bonding-Therapie, und ich war noch kein Mann. Auch nach der Leitung von zweihundert Workshops in Bonding-Therapie war ich im tiefsten Kern meiner Seele noch kein Mann, und noch nicht einmal nach meinem dreitausendsten Teilnehmer. Ich musste als Gefangener eines falschen Selbstbildes meine Ehe und meine Existenz zerstören, bis meine Frau mich verließ - fast zeitgleich mit der endgültigen Zerstörung unserer materiellen Existenz. Meinem Vater hatte ich zwar vergeben, aber die Tiefe meiner Wunde hatte ich verkannt. So konnte ich sogar als noch nicht durchtherapierter Bonding-Therapeut Männern auf dem Weg zu ihrer Männlichkeit helfen und sie ermutigen. Doch ich lebte in der ständigen Furcht, entlarvt zu werden, dass ich mich tief in meinem Herzen selbst noch nicht für einen richtigen Mann hielt. Bis ich acht Jahre nach dem Zusammenbruch „Der ungezähmte Mann“ in meinen Händen hatte, und bis ich Männer traf, die genauso dachten und fühlten wie ich. Männer, die mir halfen, meine innere Freiheit in Angriff und meine Männlichkeit in Besitz zu nehmen. Damals war ich 51.

Männer, die lebendig werden

Hier nun eine gute Nachricht für Männer, die wie ich einen tiefen Wunsch nach Authentizität und innerer Freiheit verspüren: John Eldredge leitet mit seinem Team seit bald 10 Jahren Männer-Seminare in Colorado, so genannte Bootcamps. Sie sind jedes Mal sofort überbucht, weswegen die Teilnehmer nach einer Art Lotterieverfahren ausgewählt werden. In der Nähe von Bamberg starten nun an Pfingsten 2012 regelmäßige Seminare und Intensiv-Workshops zu „Der ungezähmte Mann“ in verschiedenen Teilen Deutschlands auf gemeinnütziger Basis, geleitet von einem Team gestandener „ungezähmter“ Männer.

Zu guter Letzt noch eine Warnung: das Buch kann seinen Leser durchrütteln, zum Weinen bringen, zu tiefem Nachdenken über seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft bewegen. Es ist für Frauen genauso geeignet, um ihr Männerbild neu zu beleuchten, und um die eigene Vaterwunde heilen zu können. Es wird den Schauspieler im Leser entlarven, vielfältig Klarheit und Erkenntnis verschaffen, und es wird ihm die lebenswichtige Frage stellen, die jeder Mann für sein Leben und für sich selbst klären muss:

„Frage dich nicht, was die Welt braucht. Frage dich lieber, was dich lebendig macht, …. Denn die Welt braucht nichts so sehr wie Männer, die lebendig geworden sind.” (John Eldredge) (gv)

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