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Muttertag und Vatertag | Kommerz, Bier und Familie

Aus der Praxis

 Muttertag viel Kommerz, wenig Liebe. Kritisches von Sonja Mannhardt Rund um Mutter-, und Vatertag sind sie wieder da, die „ich möchte ein paar Pfunde abnehmen und wieder etwas für mich tun“-Mütter, und die „ich vertrage nicht mehr“ –Väter. Anlass genug über diese „Feiertage“ einen kleinen Beitrag zu leisten.

Aus der Praxis

Schluchzend sitzt die Frau um die 50 vor mir. Eine attraktive Frau. „Mein Mann wird kommendes Wochenende zu seiner neuen Partnerin ziehen. Diese 20 Jahre jüngere Frau bekommt ein Kind von ihm und er möchte für die werdende Mutter da sein. Als ich seine drei Kinder großzog, glänzte er durch Abwesenheit. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, dass ich meine damalige Karriere an den Nagel hängte, ebenso, wie ich keine Unterstützung von ihm bekam, als es darum ging, seine Mutter zu pflegen, oder am Muttertag die Küche wieder in Ordnung zu bringen, nachdem die Kleinen mir „eine Freude“ gemacht haben. Am Vatertag musste er sich von der Familie „erholen“ und war mit seinen Kumpanen unterwegs und irgendwann sagte er zu mir, als seine erektile Dysfunktion anfing schlimmer zu werden: „Du bist so ein langweiliger Muttertyp geworden. Das liegt doch eindeutig an dir. Und jetzt zieht er aus, zu einem noch nicht langweiligen Muttertyp. Können Sie mir helfen, die Scherben meines Lebens wieder zusammenzukehren, damit ich etwas Neues daraus bauen kann?“

Wer hat´s erfunden?

Der Vatertag, der hierzulande auf Christi Himmelfahrt gelegt wurde, und auch Männertag oder Herrentag genannt wird, ist wohl eine Erfindung aus den USA (1). Bedeutung und Datum des Ereignisses sind weltweit nicht eindeutig. Er hat in Deutschland wohl eher einen Initiationscharakter, in Form einer Einweihung in Sitten und Unsitten von Männlichkeit. Am deutschen Vatertag lässt Mann sich nicht ehren oder gar beschenken, sondert feiert eher außerhalb der Familie „unter sich“ und ehrt sich quasi selbst. Das statistische Bundesamt weiß zu berichten, dass dieser Tag mit einer Verdreifachung von Verkehrsunfällen zu Buche schlägt.

Anders der Muttertag, der sich doch eher im Kreise der Familie abspielt und ein Ehrentag sein soll, an dem sich Mütter besuchen, beschenken und ehren lassen sollen. Der hochoffizielle Feiertag ist immer der 2. Sonntag im Mai.

Mutterverehrung seit der Steinzeit

Funde wie die "Venus von Willendorf", mit ausgeprägtem Becken und Brüsten, und Höhlen- Wandmalereien sind frühe Zeugen, dass schon seit jeher das „Weibliche“ verehrt wurde. Vorindogermanische und indogermanische Völker verehrten zunächst ausschließlich Muttergottheiten aus der Erfahrung heraus, dass Frauen Leben schenken und bewahren. In späteren Zeiten hat man differenziert und die eine große Göttin als Dreiheit verehrt, in Anlehnung an den Lebenszyklus der Frauen (Jugendliche Frau, Frau in der Blüte ihrer Jahre, weise, alte Frau). Doch auch die griechisch-römische Epoche kannte sie, die Urmütter und Müttergöttinen. So ist die Göttin Rhea (Fluss des Lebens) wohl diejenige, auf den unser Muttertag zurückgeht, denn in der Encyclopædia Britannica (1959, Bd. 15, S. 849) steht zu lesen: „Ein Fest, das von dem Brauch des Mutterkults im alten Griechenland abgeleitet wurde. Ein förmlicher Mutterkult mit Zeremonien für Kybele oder Rhea, die große Göttermutter, wurde an den Iden des März in ganz Kleinasien getrieben." Ihr zu Ehren wurde überall ein Frühlungsfest gefeiert.

Muttergottheit des Christentums

Und was ist mit Maria, die christliche Muttergottes? Sie stand lange Zeit in der direkten Nachfolge von Isis und Ishtar und wurde folglich als Göttin angesehen. Erst in den letzten Jahrhunderten wurde sie zur Dienerin, zur treuen stillen Magd des Herrn. Aus dem antiken Götterkult erhielt Maria alle bedeutenden Beinamen, die vorher Ishtar, Isis, Kybele, Demeter und Aphrodite/ Venus schmückten: Morgenstern, Meeresstern (stella maris). Gottesgebärerin, Himmelskönigin, heilige und himmlische Jungfrau. Man vertraute ihrer himmlischen Fürsorge, die Geheimnisse des Lebens, die Fruchtbarkeit der Frauen und Felder, die Hilfe bei der Geburt und Beistand beim Sterben an.

Göttinnen sind seit Urzeiten immer mit dem Zyklus von Leben und Sterben verbunden, mit der Fruchtbarkeit und der Erde, Beschützerinnen, die die Lebenssituationen und Lebenswege der Frauen wiederspiegeln und in allen Kulturen folglich gleichermaßen anerkannt und wichtig waren. Die Verehrung des göttlich-weiblichen, des Mütterlichen gehört ganz offensichtlich zum Menschen seit jeher dazu.

Entstehung des Muttertags

Der erste bekannte “Mothering Sunday” wurde von dem englischen König Heinrich III (1216-1239) eingeführt. Er diente dem Gedenken an die Kirche, als „religiöse Mutter“ und sollte auch zum Anlass genommen werden, dass erwachsene Kinder in ihr Elternhaus zurückkehren, um der leiblichen Mutter zu danken. Spätestens seit 1644 wird dann auch ohne kirchlichen Hintergrund vom englischen Muttertag berichtet, an dem sich Kinder und Enkelkinder bei den Eltern versammelten und feierten. „Every Mid-Lent Sunday is a great day at Worcester, when all the children and grantchildren meet at the head and chief of the family and have a feast. They call it Mothering Day." Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Muttertag dann in England aus der Mode, gewann in den USA jedoch schnell wieder an Nährboden.

Zunächst forderte die Frauenrechtlerin Julia Ward Howe, dass amerikanischen Müttern ein offizieller Feiertag gebühre, dann griff Anna Jarvis die Idee im Jahre 1907 wieder auf und ließ auf den 2. Todestag ihrer Mutter einen Dankes-Gottesdienst abhalten und verteilte vor der Kirche 500 Nelken an Frauen. Gleichzeitig startete sie eine Initiative zur Einführung eines offiziellen Feiertags zu Ehren der Mütter. Der Durchbruch des „Mother´s Day“ kam dann 1914 durch Präsident Wilson, der den 2. Sonntag im Mai zum nationalen Ehrentag erklärte und den Brauch einführte, an diesem Tag zu Ehren der lebenden Mutter eine bunte Nelke, zu Ehren einer verstorbenen Mutter eine weiße Nelke zu tragen. Auch der Brauch Muttertagskarten zu versenden stammt aus jener Zeit. Mit dem Muttertag sollte folgendes ausgedrückt werden: „Ich möchte dich spüren lassen, dass ich an dich denke, du nicht vergessen bist“ Oder: „Ich danke dir für deine tägliche Arbeit und dein Engagement des Alltags. Das was du für uns machst, ist nicht selbstverständlich und dafür möchte ich danken.“

Mit dem ersten Weltkrieg schwappte der Mother´s Day auf das europäische Festland über.

Zuerst wurde der Muttertag in der Schweiz (1917) und in Skandinavien (1918/19) eingeführt. In Deutschland wurde er 1923 auf die Initiative des Verbandes Deutscher Blumengeschäftsinhaber eingeführt und etabliert und nicht, wie häufig fälschlicherweise von den Nationalsozialisten, die 1933 den Muttertag vom Familienfesttag kurzerhand zum Staatsfeiertag erklärten und für ihre eigentümliche Mutterkult-Ideologie missbrauchten.

Sie sahen in den Müttern „Gebärerinnen erbgesunder, arischer Volksgenossen“, widmeten ihnen Mütterweihespiele und belohnten ihre „Dienste“ durch die Verleihung des Mutterkreuzes. Mit der Gründung der Bundesrepublik 1949 wurde der Muttertag wieder zum privaten Feiertag, der auch heutzutage die Blumenverkaufsstatistik mehr ankurbelt, als zum Valentinstag.

Muttertag zwischen Selbstgebasteltem und Kommerz

Während der Mutterkult bis in die Steinzeit zurückverfolgt werden kann (Hyperlink zum nächsten Artikel), ist der heutige Muttertag weniger tiefgründig. Heute hat es sich so eingebürgert, dass Mütter, Omas, Stiefmütter und Personen, die “wie eine Mutter” sind, an Muttertag mit Blumen, Pralinen und Parfum beschenkt werden und Muttertagsgrüße auf postalem Weg versendet werden, um mitzuteilen: „Wir lieben dich und denken an dich“, „wir achten deine Arbeit und das was du täglich für uns tust, worauf du um unseretwillen verzichtest“. Doch meist kommt das eher profan daher als: „Alles Gute zum Muttertag.“ Also doch nur eine kommerzielle Inszenierung?

Während die anderen Branchen nicht wirklich vom Tag der Mütter profitieren, beschert selbiger jedenfalls der Blumenbranche eine Verdopplung bis Verdreifachung der Umsätze und schlägt den Valentinstag damit haushoch. Doch auch nicht materielle Geschenke erfreuen jährlich das Mutterherz und bringen stolze Kinderaugen zum Strahlen, wenn sie ihr Gemaltes, Gebasteltes, Gedichtetes oder Gebackenes der Mutter überreichen dürfen, oder ihr zur Feier des Tages das Frühstück ans Bett bringen und das Gesamtpräsent mit einem Verslein adeln: „Liebe Mutter hör mich an, was ich für ein Sprüchlein kann. Lebe glücklich, lebe heiter, lebe in Gesundheit weiter, lebe viele Jahre noch! Liebe Mutter, lebe hoch!“

Sind die Kinder größer, bekommt die hochverehrte Mutter zumindest noch eine kurze SMS geschickt oder einen kurzen Gruß an die Facebook-Pinwand getackert. Dieser hier steht in der Gunst der Leser am weitesten oben: „Waschen, bügeln, kochen, putzen, diesen Tag solltest du anders nutzen! Lass doch mal die Arbeit sein, und genieß den Tag allein! Alles Gute zum Muttertag!“ (2) Nur, wer macht dann die Arbeit die liegenbleibt, wenn Muttern mal ganz egoistisch ist? Das verrät die SMS leider nicht und stellt Mütter tagtäglich, so auch am Muttertag, vor dieselbe Frage. Wo bleibe eigentlich ICH?

Muttertag zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

„Muttertag? Das habe ich täglich! Ich pflege meine Mutter und auch sonst ist für meine Familie doch jeden Tag Muttertag. Mama dies, Mama das, Mama hier, Mama dort. Mama könntest du mal schnell dies, Mama wo ist das? Ich brauche keinen Muttertag. Dreimal dürfen Sie raten, was ich mir wirklich wünsche.“

Natürlich wünschen sich Mütter Aufmerksamkeit und Beachtung dessen, was sie tun, schließlich ist es doch schön, das Frühstück ans Bett gebracht zu werden, oder einen selbstgebackenen Kuchen zu essen. Doch ist das eine Eintagsfliege? Nach wie vor machen Mütter das Gros der Hausarbeiten, auch wenn sie voll berufstätig sind. Nach wie vor übernehmen Mütter den Hauptteil der Kinder- und –Elternbetreuung. Nach wie vor ist der Beruf „Mutter“ mit vielen gesellschaftlichen Nachteilen verknüpft (Krankenkassenbeiträge, Behandlungskosten, Rente, Versicherungsbeiträge, u.v.m.) und viele „Nur-Mütter“ klagen darüber hinaus über fehlende Anerkennung ihrer Lebensaufgabe „Arbeitest du nichts Richtiges?“

Natürlich ist es schön, ein Gedicht zu bekommen, oder eine nette „ich hab an dich gedacht-SMS“. Nur, was ist das Wort ohne die Tat wert? Natürlich finden 80% der Deutschen Muttertag gut. Psychologen mutmaßen, dass insbesondere Söhne, ob alt oder jung, mit diesem Tag ihr schlechtes Gewissen beruhigen wollen. Doch ist es das, was der Muttertag sein soll, ein Tag um sich als Künstler, Bäcker, Poet von Muttern beklatschen zu lassen und obendrein sein schlechtes Gewissen zu beruhigen?

Fragt man Mütter nach Ihren Wünschen so sehen diese ganz anders aus und ähneln eher dem was Väter ganz selbstverständlich für den Vatertag für sich in Anspruch nehmen. Fast ein Viertel der befragten Mütter wünscht sich einen Tag ohne ihre Familie, ein Tag für sich, ein Tag zum Ausruhen, Entspannen, fernab von Arbeit und Familie. Für die Klassiker, etwa Blumen, Pralinen und selbstgemalte Bilder, können sich hingegen nicht einmal zehn Prozent der Mütter erwärmen.

Wie wäre es in diesem Jahr mit einer Kombination? Wer sagt eigentlich, dass es das eine ohne das andere nicht geben kann? Ein Frühstück ans Bett, frische passende Blumen, ein Gedicht und dann wird Mama „entlassen“ in einen Tag nur für sich?

Geschenkalternativen für die Mutter

  • Richten Sie Ihr im Garten eine Sonnenliege ein, mit einem guten Buch darauf und sorgen sie dafür, dass die Mutter nicht gestört wird
  • Schenken Sie ihr einen Familien-Freitag in der Sauna, im Day Spa
  • Schenken Sie ihr Gutscheine, die auch eingelöst werden. „Heute schau ich nach der Oma.“ „Diese Woche räume ich die Spülmaschine aus.“ „Ich kümmere mich ums Abendessen.“ „Gutschein für 2x Bad putzen.“ Und…und…und…

Gönnen Sie den Müttern um sich herum solch wertvollen AusZEITEN.

Geschenkalternativen für die Oma

  • Sie freut sich über realen Besuch, über gemeinsame LebensZEIT.
  • Sie freut sich über ein Telefonat und ein „Gehör“, ein „wie geht es dir?“ nicht nur zum Muttertag.
  • Sie freut sich darüber, bekocht zu werden oder einmal wieder schick ausgeführt zu werden.
  • Sie freut sich, wenn ihr jemand den Rasen mäht oder im Garten behilflich ist.
  • Sie freut sich über kleine Gefälligkeiten oder Unterstützungen, Botengänge „wenn es nicht mehr so gut geht“
  • Sie freut sich über kleine Gesten im Laufe des Jahres, die ihr signalisieren: „Wir denken an dich. Du bist uns wichtig.“

Blumen und Ihre Bedeutung

Die offizielle und traditionelle Blume zum Muttertag ist die Nelke. Zur Ehre verstorbener Mütter trug man eine weiße Nelke in Revers, zur Ehre lebender Mütter bunte Nelken.

Doch heutzutage steht wohl die Rose an erster Stelle der Muttertagsblumen. Sie sind das unnachahmliche Symbol für die Liebe und daher sehr passend. Doch die Farbe macht den Unterschied. Rote Rosen stehen für die Liebe an und für sich, wird die Rose rosa, deutet das eher auf „zarte Gefühle“ hin, was vielleicht nicht passend ist. In manchen Kulturen stehen gelbe Rosen für Misstrauen und wären in diesen Ländern kein passendes Geschenk.

  • Margerite – Symbol für das Gute und Natürliche in einem Menschen.
  • Weiße Rose – Ich liebe dich bin dir treu und bleibe auf gesunder Distanz
  • Immergrün – Die blauvioletten Blüten symbolisieren die auf ewig beständige Liebe und schöne Erinnerungen.
  • Hyazinthe – Ich bin dir wohlgesonnen
  • Gerbera – Durch dich wird alles schöner. Du machst mein Leben schöner
  • Calla – Ich bewundere dich
  • Orchidee – Fruchtbarkeit und Begierde (passt daher nur bedingt ?)

Muttertag sollte jeden Tag des Jahres sein

Sicher brauchen wir für die Liebe zu unseren Müttern keinen eigenen Feiertag, weil das Leben miteinander keine kitschige US-Telenovela ist und doch lohnt es sich anlässlich dieses Tages einmal mehr über die Mütter unserer Welt nachzudenken, denn ohne das was sie leisten und ohne das was sie zu dem macht, was sie sind, gäbe es schlichtweg keine Menschen mehr. Keine Manager, keine Humanressourcen, keine Leistungsträger, keine Kunden, kein Kinderlachen und wahrscheinlich auch keine uneigennützige Liebe.

Sollten wir nicht jeden Tag über Mütter nachdenken, ihnen gedenken, sollten wir nicht jeden Tag Frauen dazu ermutigen Mütter zu werden, weil es schlichtweg die sinnvollste Lebensaufgabe ist und der zukunftsträchtigste Beruf schlechthin? Hochgebildete Frauen haben noch nie so wenig Kinder bekamen, wie heute. Machen wir den Mutterberuf wieder attraktiv indem wir jeden Tag des Jahres an unsere Mütter denken und ihnen eine verdiente Auszeit gönnen. Legen wir den Mantel des Oberflächlichen ab und betrachten unsere Mütter und den Muttertag mit anderen Augen. Sie waren es schließlich, die uns unser Leben schenkten.

An die Mutter

Obgleich kein Gruß, obgleich kein Brief von mir So lang dir kommt, lass keinen Zweifel doch Ins Herz, als wär die Zärtlichkeit des Sohns, Die ich dir schuldig bin, aus meiner Brust Entwichen. Nein, so wenig als der Fels, Der tief im Fluss vor ew'gem Anker liegt, Aus seiner Stätte weicht, obgleich die Flut Mit stürm'schen Wellen bald, mit sanften bald Darüber fließt und ihn dem Aug entreißt, So wenig weicht die Zärtlichkeit für dich Aus meiner Brust, obgleich des Lebens Strom,|br| Vom Schmerz gepeitscht, bald stürmend drüber fließt Und von der Freude bald gestreichelt, still Sie deckt und nie verhindert, dass sie nicht Ihr Haupt der Sonne zeigt und ringsumher Zurückgeworfen Strahlen trägt und dir Bei jedem Blicke zeigt, wie dich dein Sohn verehrt.

Johann Wolfgang von Goethe . 1749 - 1832

Last but not least. Eine kleine AusZEIT

Wer sich als Mutter selbst solch ein kleines Geschenk machen möchte, wer seiner Mutter solch eine AusZEIT gönnen möchte, für den habe ich von Mutter zu Mutter sozusagen ein kleines Geschenk: FemmeBalance. Vier Tage Frau sein, vier Tage für Ihr Gleichgewicht. Ein Wellness-Coaching-Wanderwochenende im Schwarzwald vom 19.-22. Juli 2012. Schenken Sie doch einfach einen Gutschein oder gleich die ganze Reise.

Sonja Mannhardt


(1) `http://de.wikipedia.org/wiki/Vatertag`
(2) http://www.focus.de/finanzen/news/tid-14194/muttertag-ist-der-muttertag-eine-erfindung-der-nazis_aid_396930.html
(3) http://ratgeber.t-online.de/blumenbedeutung-wofuer-steht-welche-blume-/id_55122910/index
(4) http://www.lachmeister.de/lustige-sms-sprueche/muttertag/index.html
(5) http://www.focus.de/finanzen/news/tid-14194/muttertag-entweihung-eines-deutschen-heiligtums_aid_396740.html
(6) http://www.focus.de/schule/familie/tid-9828/muttertag-muetter-geniessen-den-muttertag_aid_298934.html
(7) http://www.focus.de/finanzen/news/tid-14194/muttertag-was-wuenschen-sich-muetter-wirklich_aid_396932.html
(8) http://ratgeber.t-online.de/richtiges-benehmen-am-muttertag-worauf-es-ankommt/id_54405656/index
(9) http://ratgeber.t-online.de/die-eigene-mutter-verwoehnen-tipps-fuer-den-muttertag/id_54415302/index
(10)        http://ratgeber.t-online.de/muttertagsgruss-per-sms-die-besten-sprueche/id_54477720/index


  1. Eine kleine Geschichte zum Muttertag

Die gute Mutter

Im Jahre 1796, als die französische Armee nach dem Rückzug aus Deutschland am Rhein lag, sehnte sich eine Mutter in der Schweiz nach ihrem Kind, das bei der Armee war und von dem sie lange nichts erfahren hatte, und ihr Herz hatte daheim keine Ruhe mehr. "Er muss bei der Rheinarmee sein", sagte sie, "und der liebe Gott, der ihn mir gegeben hat, wird mich zu ihm führen."

Und als sie auf dem Postwagen zum St. Johannistor in Basel heraus und an den Rebhäusern vorbei in den Sundgau gekommen war, treuherzig und redselig, wie alle Gemüter sind, die der Teilnahme und Hoffnung bedürfen, und die Schweizer ohne dies, erzählte sie ihren Reisegefährten bald, was sie auf den Weg getrieben hätte. "Find' ich ihn in Kolmar nicht, so geh' ich nach Strassburg; find' ich ihn in Strassburg nicht, so geh' ich nach Mainz." Die andern sagten das dazu und jenes, und einer frage sie: "Was ist denn Euer Sohn bei der Armee? Major?" Da wurde sie fast verschämt in ihrem Inwendigen; denn sie dachte, er könnte wohl Major sein oder so etwas, weil er immer brav war; aber sie wusste es nicht. "Wenn ich ihn nur finde", sagte sie, "so darf er auch etwas weniger sein; denn er ist mein Sohn."

Zwei Stunden herwärts Kolmar aber, als schon die Sonne sich zu den Elsässer Bergen neigte, die Hirten heim trieben, die Kamine in den Dörfern rauchten, - da standen die Soldaten in dem Lager nicht weit von der Strasse partienweise mit dem Gewehr bei Fuß. Und die Generale und Obersten standen vor dem Lager beisammen, redeten miteinander, und eine junge weißgekleidete Person von weiblichen Geschlecht und feiner Bildung stand auch dabei und wiegte auf ihren Armen ein Kind. Die Frau im Postwagen sagte: "Das ist auch keine gemeine Person, dass sie so nahe bei den Herren steht. Was gilt's! Der mit ihr redet, ist ihr Mann."

Der geneigte Leser fängt allbereits an etwas zu merken; aber die Frau im Postwagen merkte doch nichts. Ihr Mutterherz hatte noch keine Ahnung, wie nahe sie an ihm vorbeigefahren war, sondern bis nach Kolmar hinein war sie still und redete nimmer. In der Stadt im Wirtshaus, wo schon eine Gesellschaft an der Mahlzeit saß und die Reisegefährten sich auch noch setzten, wo Platz war, da war ihr Herz erst recht zwischen Bangigkeit und Hoffnung eingeengt, dass sie jetzt etwas von ihrem Sohne erfahren könnte, ob ihn niemand kenne, und ob er noch lebe, und ob er etwas sei, und sie hatte doch den Mut fast nicht zu fragen. Denn es gehört Herz dazu, eine Frage zu tun, wo man das Ja so gern hören möchte und das Nein doch möglich ist. Auch meinte sie, jedermann merke es, dass es ihr Sohn sei, nach dem sie frage, und das sie hoffe, er sei etwas geworden. Endlich aber, als ihr der Diener des Wirts die Suppe brachte, hielt sie ihn heimlich am Rocke fest und fragte ihn: "Kennt Ihr nicht einen bei der Armee, oder habt Ihr nicht von einem gehört, so oder so?" Der Diener sagte: "Das ist ja unser General, der im Lager steht. Heute hat er bei uns zu Mittag gegessen", und zeigte ihr den Platz. Aber die Mutter gab ihm wenig Gehör darauf, sondern meinte, es sei Spaß. Der Diener ruft den Wirt, der Wirt sagt: "Ja, so alt kann er sein", und: "Ja, so sieht er aus und ist von Geburt ein Schweizer".

Da konnte sie sich nicht mehr halten vor inwendiger Bewegung und sagte: "Es ist mein Sohn, den ich suche", und ihr ehrliches Schweizergesicht sah fast ein wenig einfältig aus vor unverhoffter Freude und vor Liebe und vor Scham; denn sie schämte sich, dass sie eines Generals Mutter sein sollte, vor so vielen Leuten, und konnte es doch nicht verschweigen. Aber der Wirt sagte: "Wenn das so ist, gute Frau, so lasst herzhaft Euer Gepäck abladen von dem Postwagen und erlaubt mir, dass ich morgen in aller Frühe ein Kaleschlein anspannen lasse und Euch hinausführe zu Eurem Herrn Sohn in das Lager."

Am andern Morgen, als sie in das Lager kam und den General sah, ja, so war es ihr Sohn, und die junge Frau, die gestern mit ihm geredet hatte, war ihre Schwiegertochter, und das Kind war ihr Enkel. Und als der General seine Mutter erkannte und seiner Gemahlin sagte: "Das ist sie", da küsste und umarmten sie sich, und die Mutterliebe und die Kinderliebe und die Hoheit und die Demut schwammen ineinander und gossen sich in Tränen aus, und die gute Mutter blieb lange in ungewöhnlicher Rührung, fast weniger darüber, dass sie heute die Ihrigen fand, als darüber, dass sie sie gestern schon gesehen hatte. Als der Wirt zurückkam, sprach er, das Geld regne zwar nirgends durch den Kamin herab, aber nicht zweihundert Franken nähme er darum, dass er nicht zugesehen hätte, wie dir gute Mutter ihren

Sohn erkannte und sein Glück sah. Und der Erzähler sagte: "Es ist die schönste Eigenschaft weitaus im menschlichen Herzen, dass es so gern zusieht, wenn Freunde oder Angehörige unverhofft wieder zusammenkommen, und dass es allemal dazu lächeln oder vor Rührung mit ihnen weinen muss, ob es will oder nicht."

Johann Peter Hebel . 1760 - 1826

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