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Frieden: Probleme des Friedens

Serie zum Thema von Daniel Gottschalk und Frieder Schöbel

Serie über den Frieden mit dem  Friedenszentrum Braunschweig e.V. Heute startet ngo-online in Zusammenarbeit mit dem Friedenszentrum Braunschweig e.V. eine Reihe zu dem Thema „Probleme des Friedens“. Wir finden das Thema und die Reihe deshalb wichtig, weil man bei „oberflächlicher Argumentation und in Sonntagsreden […] oft von der Möglichkeit einer interkulturellen Verständigung schwärmen [hört], die auch zu einem Weltfrieden führe. In diesem Fall bildet den unreflektierten Hintergrund stets das globalisierte und anderen Kulturen aufoktroyierte eurozentrische Denkmodell.“ (K. Gloy) Will man eine wirkliche Verständigung zwischen heterogenen Kulturen, dann ist es wichtig, dass es einen echten Dialog zwischen den Kulturen gibt, der auch akzeptiert, das andere Kulturen anderen Denk- und Verarbeitungsmustern z.B. von Konflikten folgen als unsere Kultur. Nur wenn man dies akzeptiert und lebt, besteht die Chance auf Frieden. Kultur und Religion werden aber auch zur Durchsetzung von ökonomischen und machtpolitischen Interessen instrumentalisiert. Die Europäer, die große Teile der Welt kolonialisiert hatten, verbreiteten dort ihr eurozentrisches Weltbild ohne Rücksicht auf die Traditionen ihrer asiatischen, afrikanischen oder amerikanischen Untertanen. Im 20. Jahrhundert wurde das kulturelle Muster der USA in vielen Staaten der Welt übernommen.

Was ist Frieden?

Was ist Frieden überhaupt, was kennzeichnet ihn?

Der Brockhaus bezeichnet den Frieden als „einen auf Sitte und Recht begründeten Zustand des Ausgleichs und der Harmonie unter den Menschen“. Ein solcher Ausgleich ist nur in einem gerechten Gesellschaftssystem möglich. Harmonie bedeutet allerdings Berechenbarkeit, Wohlergehen, Ruhe, gute Laune, sie bedeutet nicht Nichtstun. Nicht nur die Herrschaft des Rechts ist Voraussetzung, sondern auch menschliches Engagement.

Woher kommt das Wort Frieden ursprünglich?

Im Indogermanischen heißt „Pri“, mit dem das „Fri“ verwandt ist, so viel wie „lieben“. Im Mittelhochdeutschen heißt „frieten“ „schonen“. Verwandt ist das Wort Frieden mit den Wörtern „frei“ und „Freund“. Wir finden also eine Verbindung zu Liebe und Bewahrung. Es gibt drei Felder, in denen Frieden zu finden und auch existenziell notwendig ist. Das erste Feld ist der innere Frieden eines Menschen. Zweitens braucht der Mensch Frieden im Bereich seiner direkten Umwelt, in der Gesellschaft. Das dritte Feld umfasst den Frieden zwischen Staaten.

Der innere Frieden ist wichtig, um auf andere Menschen positiv einwirken zu können. Ein Beispiel dafür sind Frauen, die bei Familienkonflikten oft schlichtend eingreifen können, da sie sich leichter in psychische Probleme hineindenken können und so konstruktive Lösungen auf den Weg bringen. Um den inneren Frieden herzustellen, kann der Mensch Entspannungsübungen wie Autogenes Training nutzen.

Ein Beispiel für den zweiten Aspekt, den Frieden mit der Umwelt, ist die heutige Jugend, die zwar in äußerem Frieden aufwächst, deren Leben jedoch von Alltagskrieg geprägt ist, dessen dort benutzte Waffen sowohl psychische als auch physische Gewalt beinhalten. Um mit dieser Gewalt umzugehen und sie zu vermeiden hat Marshall B. Rosenberg, ein international tätiger Mediator aus Ohio, das Konzept der gewaltfreien Kommunikation entwickelt. Dieses Konzept ist ein Mittel, um Konflikte von Menschen mit und in ihrer Umwelt zu lösen.

Im Feld des Friedens auf der zwischenstaatlichen Ebene gibt es Wechselwirkungen zwischen Außenpolitik und innenpolitischer Situation. Ein Beispiel dafür ist Israel. Da es nach außen keinen Frieden schafft, radikalisiert sich die Politik auch im Inneren und umgekehrt.

Wie kann nun jeder von uns seinen Teil zum Frieden beitragen? Dies ist gut durch friedliches Handeln umsetzbar! Nur einige Beispiele: Die Hand ausstrecken, seine Schuld zugeben, sein Brot teilen oder dem Kranken den Rollstuhl schieben.

Dies kommt dem oben beschriebenen Friedensbegriff sehr nahe. Er besteht im Alltag aus zwei Teilen: einem aktivem Element der gegenseitigen Hilfe und einem eher passiven Element des gewaltlosen Zusammenlebens.

Zur Römerzeit bedeutete Pax einen gewaltfreien Ordnungszustand menschlichen Zusammenlebens innerhalb einer Rechtsgemeinschaft. In Indien bedeutet Frieden „Shanti“ und meint den höchsten Zustand geistiger Ruhe. Gandhi gründete seine Philosophie auf Ahimsa. Diese Idee bedeutet das Nicht-Verletzen anderer lebenden Wesen, aber auch: Kein Unrecht dulden. Nur so kann Recht geschaffen werden.

In unserer Zeit unterscheidet Johan Galtung, der angesehene Friedensforscher aus Norwegen, positiven und negativen Frieden. Bedeutet schon die bloße Abwesenheit von Krieg negativen Frieden, so kann von einem positiven Frieden erst gesprochen werden, wenn nach einem Krieg soziale Gleichheit herrscht und Entwicklung stattfindet.

Daniel Gottschalk und Frieder Schöbel

Der nächste Beitrag im Oktober 2012: Was bedeutet Friedenspolitik?

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