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Islamisten oder China im Visier?

Militärische Spionageoperationen der USA in Afrika nehmen zu

Die USA weiten ihre militärischen Aufklärungsmissionen in Afrika aus. Dabei kommt eine spezielle Strategie zum Einsatz: Spionageflüge mit kleinen, unbewaffneten Flugzeugen wie der in der Schweiz produzierten Pilatus PC-12 (als U-28A auch bei der 319th Special Operations Squadron der US Air Force für den Transport von Green Berets und Navy Seals zu Kommandoaktionen im Einsatz) ersetzen zunehmend die teuren, ferngelenkten Drohnen, mit denen die USA andernorts Aufständische aufklärt und tötet. Sie lassen sich als normale Zivilflüge tarnen. Das Zentrum dieser militärischen US-Aktivitäten in Afrika liegt gegenwärtig in Burkina Faso, aber auch Uganda und Dschibuti (allein im dortigen Camp Lemonnier hat man zeitweise 1.200 US-Soldaten unter Waffen) sind einbezogen. Künftig kommt der Süd-Sudan hinzu. Allein seit 2007 sollen in Afrika zwölf neue US-Stützpunkte für Spionageoperationen entstanden sein. Spezialabteilungen des Militärs stoßen dabei, so analysierte im Sommer die Washington Post, immer stärker in Bereiche des geheimen Krieges vor, die einst dem Auslandsgeheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) vorbehalten waren. Doch auch die berüchtigte „Agency“ habe ihre einschlägigen Aktionen in Afrika ausgedehnt, könne mit den Ressourcen des Militärs aber nicht mithalten.

Die wahren Hintergründe der US-Aktivitäten bleiben im Dunkeln. Laut Washington Post richten sie sich vor allem gegen eine zunehmende Terrorgefahr. Der „afrikanische Dschihad“, Islamisten mit besten Verbindungen zu Al-Qaida, sollen demnach im Visier des Militärpotentials der Weltmacht sein. In den Szenarien des US-Militärs werden militante islamistische Bewegungen wie Al-Schabaab in Somalia oder Boko Haram in Nigeria genannt, dazu Al-Qaida im Maghreb und somalische Piraten. Bleibt die Frage, ob das alles ist. Möglicherweise zielt die zunehmende US-Präsenz in Afrika auf China.

Der asiatische Staat engagiert sich vor allem wirtschaftlich, aber auch politisch und militärisch auf dem schwarzen Kontinent. China kauft Rohstoffe und investiert in die Infrastruktur. Doch selbst Entwicklungshilfeprojekte werden von US-Amerikanern und Europäern misstrauisch beäugt. Deren Kritik mutet mitunter rassistisch an: „Ansturm der gierigen Helfer“, hieß es etwa bei Spiegel Online. In der Wochenzeitung Die Zeit schätzen im August 2011 Fachleute aus Entwicklungshilfe und Entwicklungsforschung ein, man sehe „in der tendenziösen Darstellung der chinesischen Entwicklungspolitik in Afrika durch deutsche Medien die Folge eines weit verbreiteten negativen Chinabildes“. Fundierte Analysen sind rar. Eine der wenigen vorhandenen empirischen Studien, angefertigt im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), kommt im September 2008 zu dem Ergebnis, „dass sich die chinesischen Interventionen insgesamt positiv auf Afrikas Entwicklungsperspektiven auswirken“.

Militärisch ist China in Afrika als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates aktiv und hat sich an etlichen UN Peacekeeping-Missionen beteiligt. Chinesische Rüstungsprodukte gingen auch an afrikanische Staaten wie Simbabwe, die der Westen boykottierte. Man unterhält zu vielen afrikanischen Staaten bilaterale Beziehungen, die auch militärische Hilfe einschließen. Eine direkte Militärkomponente gebe es in der chinesischen Afrikapolitik jedoch nicht, schätzte 2009 der Afrikaexperte Stephen Marks ein – anders als bei den USA und Europa. Doch inzwischen plant China eine Militärbasis auf den Seychellen, offiziell wegen der somalischen Piraten. Sie befände sich dann in der Nachbarschaft einer US-Basis, von der aus Drohnen starten.

Wegen derartiger geostrategischer Veränderungen scheinen die USA den Verlust ihrer Dominanz in der afrikanischen Region zu befürchten. Im nächsten Jahr soll eine Brigade der US Army nach Afrika entsandt werden, nach offizieller Lesart besteht ihre Aufgabe darin, einheimisches Militär zu trainieren. Das dürfte freilich nicht der einzige Einsatzzweck sein. Dabei sind US-amerikanische Verweise auf Chinas Rüstung arge Heuchelei: die chinesischen Militärausgaben lagen 2011 laut Friedensforschungsinstitut Sipri bei 143 Milliarden Dollar – in den USA waren es 711 Milliarden.

Stefan Wogawa, Soziologe und Wissenschaftshistoriker, ist Onlineredakteur und freier Autor.

Links

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