headerquote

Seite 1 bei Google kann so einfach sein.

unabhängige Autoren mit eigener Meinung

Volkswagen: Zeitarbeit - Scheinwerkverträge und eine Klage

Merkwürdiger Anwalt vertritt die Testfahrer

Ja, das wussten wir - bei aller Bescheidenheit - schon. Wir sind "merk-würdig". Auch wenn uns das bei Gegnern nicht gerade beliebt macht und bisweilen zu kuriosen Hassausbrüchen führt. Aber dieses ist neu: Auf der von 18.000 Beschäftigten (!) besuchten Betriebsversammlung von VW Wolfsburg am 24.9., zu der bekanntlich die Öffentlichkeit und auch die Medien keinen Zutritt hatten, nahm der Betriebsratschef Osterloh nach Berichten von Teilnehmern gleich zu Beginn Stellung zu den von unserer Kanzlei im Auftrag von jetzt über 20 für Audi und VW tätigen Testfahrern eingereichten Klagen. Es geht dabei bekanntlich um Scheinwerkverträge und eine Klage beim Arbeitsgericht Braunschweig, die jetzt am 18.10.2013, 12.45 Uhr terminiert wurden.

VW-Betriebsratschef Osterloh vor 18.000 Teilnehmern: "Merkwürdiger Anwalt vertritt die Testfahrer"

Verhandlung beim Arbeitsgericht Braunschweig am 18.10.2013, 12.45 Uhr

Auch Insider waren überrascht, welch innerbetriebliches Echo die von Leakleiharbeit ergriffene und von RAT & TAT umgesetzte Initiative schon jetzt erzielt hat. Während der BR-Chef und die IG Metall Ortsverwaltung Wolfsburg einerseits bestritten, dass es bei VW überhaupt Scheinwerkverträge gäbe, wurde dennoch auf der Versammlung versprochen, man werde entsprechenden Behauptungen "nachgehen", sobald es "Hinweise" gäbe.... Nun ja, über 40 Seiten Klagschrift pro Person wurden bereits eingereicht und die Berichte in der "Wolfsburger Allgemeinen" und in den "Wolfsburger Nachrichten" über unsere Aktivitäten wurden während der Versammlung auf grossflächtigen Leinwänden den Teilnehmern zur Kenntnis gebracht.

Hinweise also genug ! Mit Recht fragten sich deshalb die meisten der 18.000: "Welche weiteren Hinweise braucht man noch ?" Und tatsächlich versprachen BR und IGM zusätzlich: Man wolle eine "Ergänzungsvereinbarung" mit dem Arbeitgeber abschliessen, um Scheinwerkverträge besser kontrollieren zu können. Einziger offizieller Kommentar des BR-Chefs zu uns: "Ein etwas merkwürdiger Anwalt vertritt die Fahrer". Nun ja. Danke. Wir nehmen das als Auftrag und machen weiter.

Übrigens: Entgegen anders lautenden Presseberichten war und ist RA Dr. Geffken in dieser Sache nicht "siegessicher". Nach 35 Jahren anwaltlicher Praxis wissen wir, dass vor Gericht nichts "sicher" ist. Dennoch sind wir angesichts der erdrückenden Belege in den umfangreichen Klagen sehr zuversichtlich, dass VW und Audi die Betroffenen unerlaubt als Leiharbeiter und nicht als "Werkvertragsarbeitnehmer" beschäftigt haben.

In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass die Betriebsräte bereits jetzt umfassende Informationsansprüche haben und durchsetzen können und sich nicht hinter künftigen "Ergänzungsvereinbarungen" verstecken müssen. Gleiches gilt für die Forderung nach einer "Regulierung" von Werkverträgen durch Tarifverträge oder Gesetzgeber. Wer im Rahmen von angeblichen Werkverträgen dem Einsatzbetrieb das Direktionsrecht überlässt, verstösst schon jetzt gegen geltendes Recht. Notwendig sind nicht gesetzliche Regelungen.

Notwendig ist einzig und allein, dass bestehende Gesetze angewandt werden und dass die Interessenvertretungen der Arbeitnehmer nicht die Augen vor den wirklichen Zuständen in den Unternehmen verschliessen ! Genau daran aber mangelt es zur Zeit. Es ist zwar für uns ehrenvoll aber für Betriebsrat und Gewerkschaft mehr als peinlich, dass es individualrechtlicher Klagen bedurfte, damit bei VW überhaupt das Thema ernsthaft diskutiert wird.

Ob es zu tatsächlichen Aktivitäten auf Seiten der IG Metall oder des Betriebsrats kommen wird, ist leider mehr als fraglich, denn den Betroffenen wurde - soweit sie Mitglieder der IG Metall waren - bereits Rechtsschutz verweigert. Das Verhalten von Betriebsrat und Gewerkschaft steht in auffälligem Gegensatz zu der immer wieder aufgestellten Behauptung eines angeblich "konsequenten Kampfes gegen Leiharbeit und Werkverträge" . Wir fordern deshalb alle Betriebsräte und die IG Metall auf, mit uns zusammen konsequent gegen die Praxis der Scheinwerkverträge vorzugehen und die betroffenen Beschäftigten vorbehaltlos zu unterstützen !

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!