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Syrien-Krieg: Jeden Tag 3000 neue Flüchtlinge im Libanon

MISEREOR fordert Deutschland zu noch mehr Großzügigkeit auf

Die Lage der syrischen Flüchtlinge im Libanon wird zunehmend verzweifelter. Das berichtete MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon unmittelbar nach Rückkehr von einer Reise ins Krisengebiet, die ihn in der vergangenen Woche in den Nordirak wie auch in den Libanon geführt hatte. "Während in Genf zäh verhandelt wird, kommen nur im Libanon jeden Tag 3000 neue Flüchtlinge an", sagte Bröckelmann-Simon, der im Vorstand des katholischen Hilfswerks für den Bereich Internationale Zusammenarbeit zuständig ist. "Viele der Flüchtlinge, die ich in Irak und Libanon getroffen habe, leben seit drei Jahren unter äußerst schwierigen Bedingungen ohne wirkliche Perspektive. Hilflos sind sie zwischen die Mahlsteine der Global- und Regionalpolitik geraten." An die ab heute in Genf wieder anlaufenden Verhandlungen über ein Ende des Syrien-Krieges knüpften die Menschen in der betroffenen Region nur sehr geringe Erwartungen, obwohl sie weiter inständig auf eine baldige Rückkehr in ihre Heimat hofften.

"Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, alles dafür zu tun, dass die Waffen schweigen, die humanitäre Versorgung gewährleistet bleibt und die Flüchtlinge sichere Rückzugsgebiete erhalten", appellierte Bröckelmann-Simon an die Genfer Konferenz. "Zudem wird es von großer Bedeutung sein, dass es nach Ende der Verhandlungen keine Gewinner gibt, sondern ein fairer Interessensausgleich stattfindet. Verlierer sind eigentlich alle jetzt schon, insbesondere die Flüchtlinge. Diese sitzen jedoch nicht mit am Verhandlungstisch."

Darüber hinaus forderte er von der Europäischen Union, insbesondere aber auch von Deutschland, mehr Großzügigkeit bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Im Libanon seien zurzeit etwa 900.000 Menschen offiziell registriert, die vor den Kämpfen im Nachbarland geflohen sind. Einschließlich der Dunkelziffer gehe das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR jedoch von bis zu 1,4 Millionen Flüchtlingen aus, bis zum Jahresende drohe ein Anstieg auf zwei Millionen Menschen. Hinzu kämen die schon längere Zeit im Land lebenden Flüchtlinge aus den Palästinensergebieten, Armenien und dem Irak.

Der ohnehin krisengeplagte Libanon sei angesichts solcher Dimensionen mit seinen vier Millionen Einwohnern überfordert, den Flüchtlingen angemessene Lebensbedingungen zu bieten. "Verglichen mit dem prozentualen Anteil an der Gesamtbevölkerung würde eine solche Situation für Deutschland bedeuten, dass wir in kürzester Zeit zwischen 20 und 25 Millionen Flüchtlinge aufnehmen müssten und die Hälfte aller Schulkinder Flüchtlingskinder wären", beschreibt Bröckelmann-Simon die Lage.

"Es wäre für Deutschland ohne Probleme machbar, wenn wir 100.000 Flüchtlinge aufnehmen würden. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren z.B. 320.000 bosnische Flüchtlinge bei uns und wurden willkommen geheißen. Auch das haben wir gut verkraftet." Bislang hat Deutschland die offizielle Aufnahme von 10.000 Flüchtlingen aus Syrien zugesagt. Weitere rund 25.000 Syrer sind zwischen 2011 und 2013 selbstständig nach Deutschland eingereist.

Bröckelmann-Simon lobte die "unglaublich große Hilfsbereitschaft der libanesischen Bevölkerung", die auch zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften in vorbildlicher Weise praktiziert werde. Doch die zunehmende Konkurrenz um Arbeitsplätze und soziale Fürsorge werde im Libanon zunehmend zum gesellschaftlichen Problem. Nach UNHCR-Aussagen drohten etwa 1,5 Millionen Libanesen durch den Flüchtlingsansturm in die Armut abzurutschen. MISEREOR fördert mit bislang rund 1,9 Millionen Euro Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge in Syrien sowie den Nachbarländern.

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