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Hat Uli Hoeneß hat richtig gehandelt?

Pressemitteilung zum Urteil im Prozess gegen U. Hoeneß

Die Wirksamkeit der Selbstanzeige spielt im Hoeneß-Prozess die entscheidende Rolle. Aus ethischer Sicht war diese Selbstanzeige wirksam. Ethik fragt im Sinne der Epikie (altgriech. Epikaia) immer nach dem Sinn eines Gesetzes, nicht unbedingt nach dem Buchstabenlaut. Der Sinn einer Selbstanzeige ist es, dem Staat zu seinen Steuern zu verhelfen, die er nicht bekommen würde ohne die Selbstanzeige. Nun kann der Staat mit 28,3 Millionen Steuern zuzüglich der Zinsen und Zuschläge rechnen. Damit ist der Sinn der Selbstanzeige aus ethischer Sicht erfüllt.

Das Urteil ist aus ethischer Sicht in hohem Maße ungerecht. Der Rechtsstaat hat juristisch funktioniert, ethisch versagt.

Steuerfahndung, Staatsanwaltschaft und Richter haben indirekt zugegeben, dass die Selbstanzeige wirksam war.

Die Steuerfahndung hat im Prozess ausgesagt, dass es ohne die Selbstanzeige nicht möglich wäre, das Nummernkonto in der Schweiz Herrn Hoeneß zuzuordnen. Der Staatsanwalt hat im Prozess erläutert, dass ohne die Selbstanzeige es sehr schwer, nahezu unwahrscheinlich gewesen wäre, Herrn Hoeneß auf die Schliche zu kommen. Und schlussendlich hat der Richter in der Urteilsverkündung wortwörtlich gesagt: „Sie haben sich selbst ans Messer geliefert.“ Diese drei Ausführungen zeigen, dass die Selbstanzeige auch aus Sicht der Prozessbeteiligten wirksam war. Vor diesem Hintergrund erscheint mir die Aussage des Richters eher zynisch zu sein.

Herr Hoeneß hat richtig gehandelt.

Obwohl das Urteil aus ethischer Sicht recht fragwürdig ist, hat Herr Hoeneß mit seiner Entscheidung, keine Revision anzustreben, richtig gehandelt. Die gesellschaftliche Akzeptanz und Anerkennung eines Straftäters ist immer dann besonders hoch, wenn er für seine Taten gerade steht, die Verantwortung übernimmt. Das hat Herr Hoeneß ohne wenn und aber getan. Die öffentliche Reaktion auf seine Entscheidung zeigt, dass die Reintegration in die Sozialgemeinschaft und die Bereitschaft ihm zu verzeihen bereits begonnen haben.

Ulf D. Posé

(Lehrbeauftragter für Wirtschaftsethik, ehemaliger Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V.)

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