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Speed Reading - schneller lesen durch Lesetempo Verdopplung

Speed Reading und mehr zur Bewältigung der Informationsflut

Speed Reading und mehr zur Bewältigung der InformationsflutIn Zeiten einer ständig anwachsenden Informationsflut ist das Beherrschen einer effizienteren Lesestoffverarbeitung sehr wichtig. Hierzu erforderlich ist zunächst das Erlernen des oft mit dem englischen Begriff verknüpften Speed Reading, bei dem in kurzer Zeit durch Anwendung einfacher Methoden eine Verdopplung des eigenen Lesetempos möglich ist. Bei nach neuesten Studien unter „Wissensarbeitern“ üblichen 5,7 Lesestunden täglich bietet sich hierdurch ein Einsparpotenzial von jährlich bis zu 80 Arbeitstagen á 8 Stunden.

Wie aber ist eine solche Temposteigerung möglich?

Wichtig ist zunächst die Erkenntnis, dass die Augen anhalten müssen, um überhaupt Informationen aus einem Text aufnehmen zu können.

Fixationszahl und Dauer

Es gilt also vorrangig, die Zahl dieser Augenhalte (sog. Fixationen) zu verringern. Während Leseanfänger noch jeden einzelnen Buchstaben aufnehmen müssen, um den Wortsinn zu erfassen, fixieren geübtere Leser meist einmal je Wort, bei längeren Wörtern vielleicht auch zweimal. Die Blickspanne unserer Augen ermöglicht es uns aber ohne weiteres, drei oder mehr Wörter auf einen Blick aufzunehmen. Bei einer Zeile mit z.B. zwölf Wörtern benötigt ein fortgeschrittener Leser dann nur noch vier statt zwölf Augenhalte und damit nur noch ein Drittel der Zeit.

Zu Beginn ist ein formalisiertes Vorgehen vorteilhaft. Dazu teilt eine über den Text gelegte Folie mit zwei bis vier Strichen die Zeilen in gleich große Blöcke. Ziel des Durchgehens durch den Text ist es dann, die zwischen den Strichen gedruckten Worte mit einem Augenhalt zu erfassen. Üben Sie diese Technik in kurzem Abstand jeweils für eine viertel Stunde, dann werden Sie merken, dass Sie die wichtigen Passagen der Texte auf diese Art gut aufnehmen können. Bei etwas mehr Übung werden Sie sich später nur noch vorgeben, dass die Augen zwei-, drei- oder viermal pro Zeile anhalten, ohne dass Sie den genauen Fixationspunkt innerhalb jeder Zeile vorher verbindlich festlegen müssen.

Eine weitere Lesebeschleunigung bewirkt die Verringerung der Fixationsdauer. Statt der üblicherweise vergehenden Sekunde für die Informationsaufnahme bei einer Fixation und dem Sprung zur nächsten Fixationsstelle ist eigentlich nur ¼ Sekunde erforderlich. In einem ersten Schritt sollte es Ziel sein, in einer Sekunde zumindest zwei Augenhalte zu schaffen. Helfen kann hierbei der Einsatz eines Metronom mit Taktfrequenz 120 (und höher).

Regressionen und Lesehilfe

Sehr störend und zeitaufwändig sind auch Regressionen, d.h. Rücksprünge der Augen zu Textstellen, an denen die Augen schon angehalten haben. Grund hierfür ist oft Unkonzentriertheit. Dabei benötigen Sie diese Rücksprünge zumeist gar nicht, da das Gehirn die Infos schon aufgenommen hat und vielleicht nur noch mit der Verarbeitung hinterher hinkt. Das ist wie bei der Frage "Wie bitte?", bei der die Aussage in der Regel nicht wiederholt werden muss, wenn nur ein oder zwei Sekunden mit einer Reaktion gewartet wird.

Schließlich sei an dieser Stelle aufgeräumt mit der Irrmeinung, einen schlechten Leser könne man am Einsatz einer Lesehilfe, wie etwa dem Finger, erkennen. Unsere Augen folgen nämlich einem Reizschema, auf dessen höchster Ebene die Bewegung steht. Danach folgen Farben, Formen und – als deren Unterform – die Buchstaben. Wenn also das Auge durch Zeilen wandert, gelingt ihm die Informationsaufnahme viel besser mit Hilfe einer durch den Text geführten Lesehilfe (etwa einem dünnen Stift), die die Stellen vorgibt, an denen das Auge anhalten soll.

Verbesserung der Lese-Rahmenbedingungen

Über das reine Beschleunigen des Lesetempos hinaus sollten Sie zudem die Lese-Rahmenbedingungen verbessern. Dazu gehören ein aufgeräumter, ruhiger und ausreichend beleuchteter Leseplatz (nicht bei Kerzenschein im Bett) und die Orientierung am eigenen Biorhythmus. Wie beim Wandern ist es auch beim Lesen unabdingbar, dass Sie sich vor Beginn klar werden, was Ihr Ziel, hier also Ihre Leseabsicht ist. Dazu können Sie Fragen an den Autor stellen, die Sie beantwortet haben wollen, oder notieren, was Sie zum Thema bereits wissen. Danach überfliegen Sie den Text, wobei Sie oft feststellen werden, dass Sie den Text gar nicht (komplett) lesen müssen.

Für die Lesemotivation förderlich ist es - neben dem Stellen von Fragen an den Text -, wenn Sie vom Textinhalt selbst betroffen sind oder aber zumindest eine solche Selbstbetroffenheit konstruieren. Und Texte, die Sie motiviert lesen, lesen Sie automatisch konzentrierter und behalten mehr davon.

Besseres Behalten durch gehirngerechte Notizen

Um schließlich das Behalten des Gelesenen zu verbessern, ist es hilfreich, sich für jeden gelesenen und wir wichtig erachteten Absatz eines Textes eine zusammenfassenden Überschrift (möglichst aus nur ein oder zwei Worten bestehend) zu überlegen. Diese Überschriften können Sie dann verwenden für Ihre Notizen zum Textinhalt, die abweichend vom bisher Üblichen z B. als MindMap oder in Form eines Leseschemas, wie man es aus Ablaufdiagrammen oder Entscheidungsbäumen her kennt, gestaltet werden können.

Speed Reading allein reicht nicht

Das Befolgen der vorstehenden Ratschläge wird Ihnen dabei helfen, Ihren Lesestoff zukünftig effektiver und effizienter zu verarbeiten. Dabei wurde zugleich deutlich, dass die Beschränkung allein auf das Beschleunigen des Lesetempos durch Speed Reading nicht ausreicht. Vielmehr ist ein Gesamtpakt auf verschiedenen Schritten, ausgehend von einer guten Vorbereitung auf den Lesestoff durch die Formulierung einer aussagekräftigen Leseabsicht über die Verbesserung der Rahmenbedingungen bis hin zu einer neuen Art von Notizen zum besseren Behalten des Gelesenen. Und dann ist man nicht mehr lediglich beim Speed Reading, sondern hat sich Rationelle Lesetechniken erworben, die das gesamte Handwerkszeug zur adäquaten Bewältigung der immer größer werdenden Informationsflut bereithalten.

Gastbeitrag von Christian Peirick

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