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"Für ein Industrieland angemessen"

68 Prozent wollen kein AKW, auch wenn Strom umsonst wäre


16. Juli 2008

[ngo/ddp] Wieder eine Meinungsumfrage zur Atomenergie: 68 Prozent der Bundesbürger würden den Bau eines neuen Atomkraftwerks in ihrem Wohnort selbst dann ablehnen, wenn sie dafür lebenslang kostenlosen Strom bekämen. Das geht aus einer am Mittwoch (16. Juli) veröffentlichten Emnid-Umfrage für das Magazin "Vanity Fair" hervor. Unter dem Eindruck der Unfälle im US-Atomkraftwerk Harrisburg (Three Miles Island) 1979 und Tschernobyl 1986 lehnen die Deutschen die Atomkraft weiterhin offenbar mit großer Mehrheit ab. Anfang Juli kam es in Frankreich zur Freisetzung von Radioaktivität aus der französischen Atomanlage Tricastin. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgte auch eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), wonach das Krebsrisiko von Kindern mit zunehmender Nähe ihres Wohnortes zu deutschen Atomkraftwerken ansteigt.

Nur knapp ein Drittel der 1000 von Emnid Befragten würden danach den Bau eines Kraftwerks im eigenen Wohnort akzeptieren, um in den Genuss kostenloser Energielieferungen zu gelangen. Ein Prozent konnte sich zu keiner Antwort durchringen und ein weiteres Prozent lebt bereits mit einem Atommeiler in der Nachbarschaft.

Gespalten zeigten sich in der Umfrage die Geschlechter: Während 43 Prozent der Männer auf den Deal eingehen würden, sind es bei den Frauen nur 21 Prozent.

Schäuble: Atomkraft solange es "nichts Besseres" gibt

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) machte derweil deutlich, dass er trotz der Terrorgefahr an der Kernenergie festhalten will. Schäuble sagte der Wochenzeitung "Die Zeit": "Ich kann nicht wegen des internationalen Terrorismus sagen, dann machen wir die Lichter aus, weil wir die Kraftwerke nicht mehr schützen können."

Zwar werde die Menschheit hoffentlich "bald ausreichend andere Energien entwickeln". Solange es "nichts Besseres" gebe, müsse man aber "für einen vernünftigen Mix sorgen".

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir dürfen uns auch dem Bau neuer Kernkraftwerke nicht verschließen, damit Energie für Bürger und Wirtschaft dauerhaft bezahlbar bleibt." Kernkraft sei "ein wirtschaftlicher, sicherer und klimafreundlicher Energielieferant".

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) forderte, die Union müsse "die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke zur Bedingung einer künftigen Koalition im Bund machen". Der CSU-Politiker sagte der Tageszeitung "Die Welt": "Wir brauchen eine Energiepolitik, die für ein Industrieland angemessen ist. Und dazu gehört auch die Weiternutzung der Atomenergie."

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