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Ex-Energieexpertin der Grünen

Nach Röstel und Schlauch nun auch Hustedt mit Posten bei Atomkonzern


22. August 2008

Bild: RWE AG[ngo/ddp] Die ehemalige Vorstandssprecherin der Grünen, Gunda Röstel, wechselte im September 2000, gleich nach dem so genannten "Atomkonsens" der rot-grünen Bundesregierung mit der Atomindustrie, in die Energiewirtschaft. Sie erhielt einen Managerposten bei der damaligen E.On-Tochter Gelsenwasser. Der Atomkraftwerksbetreiber E.On war zufrieden mit dem so genannten Atomausstieg vom Sommer 2000, weil mit dem Bau von Standort-Zwischenlagern die befürchtete "Verstopfung" der Atomkraftwerke mit Atommüll vom Tisch war und ein langjähriger, störungsfreier Weiterbetrieb der Atomkraftwerke zugesichert worden war. Der einstige grüne Spitzenpolitiker Rezzo Schlauch, zuletzt Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, wurde am 1. Oktober 2005 in den Beirat des Atomkraftwerksbetreibers EnBW berufen. Nun erhielt die frühere Grünen-Energieexpertin Michaele Hustedt einen Posten bei einer Tochtergesellschaft des Kohle- und Atomkraftwerksbetreibers RWE. Hustedt war maßgeblich am "Atomkonsens" mit der Atomindustrie beteiligt. Atomkraftgegner kritisieren derartige Wechsel aus der Politik in die Privatwirtschaft vielfach als "nachgelagerte Bestechnung". Sie unterstellen, es handele sich um die Belohnung für vorherige politische Entscheidungen im Sinne des betreffenden Unternehmens oder der Branche. Hustedt, die von 1994 bis 2005 dem Bundestag angehörte, verteidigt sich nun gegen Kritik. Sie sei lediglich in den Beirat der Ökostrom-Tochter des Atomkonzerns, RWE Innogy, berufen worden. Auch Röstel erhielt ihren Managerposten nicht direkt bei der Atomtochter von E.On, sondern nur bei der Gelsenwasser AG, die sich mit Trinkwasser, Abwasser, Erdgas und Dienstleistungen beschäftigt.

Wie der Energie- und Atomkonzern RWE jüngst mitgeteilt hatte, wurde Hustedt als stellvertretende Vorsitzende des Innogy-Beirats berufen.

Hustedt sagte am Freitag (22. August), sie sei weiterhin für den "Atomausstieg" und auch gegen eine Laufzeit-Verlängerung von Atomkraftwerken (AKW). Ihre Position in dieser Frage habe sie nicht geändert. Auch werde sie weiter für "den Wettbewerb" im Stromsektor kämpfen und sehe die Kohle-Nutzung aus Klimaschutzgründen kritisch.

RWE Innogy gehe es "nur um die Förderung von erneuerbaren Energien", so Hustedt. Wenn man tatsächlich den Anteil der regenerativen Energien an der Stromversorgung immer mehr ausweiten wolle auf "30, 40, 100 Prozent", müssten dazu auch die großen Stromkonzerne "mit ins Boot geholt" werden, meint die ehemalige Grünen-Abgeordnete. "Mit Fundamentalopposition gegen die Stromkonzerne wird es nicht funktionieren".

Hustedt: RWE betreibt nicht nur eine "Showveranstaltung"

Für ihre Entscheidung sei auch wichtig gewesen, ob RWE mit Innogy nur eine "Showveranstaltung" betreibe oder wirklich in erneuerbare Energien investieren wolle, so Hustedt. "Ich glaube, das ist ein ernsthafter Versuch" sagte sie zur Innogy-Gründung. Dafür spreche schon die Person des Innogy-Chefs und früheren Hamburger Umweltsenators Fritz Vahrenholt, der glaubwürdig für den Einsatz regenerativer Energien eintrete, behauptet Hustedt. Auch seien die Projekte und Zielvorgaben, die RWE Innogy ihr vorgelegt habe, "ambitioniert".

Daher könne sie es nur unterstützen, wenn auch große Stromkonzerne einen Teil ihrer Gewinne in die erneuerbaren Energien investieren. "Wenn die das ernsthaft tun, dann kann ich da auch beratend tätig werden. Ich bleibe deswegen Grüne", so Hustedt, die zusammen mit ihrem früheren Fraktionskollegen Albert Schmidt ein Politikberatungsunternehmen betreibt.

Foto: RWE AG

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