Antarktis
Immer aggressivere Walfangpläne in Japan auch für Finn- und Buckelwale 07. April 2005[ngo] Japan provoziert die Weltgemeinschaft mit einem weiteren Alleingang in Sachen Walfang: Nach Ansicht des japanischen Walforschungsinstitutes sollen künftig erstmals die geschützten und als bedroht eingestuften Finn- und Buckelwale bejagt werden, und zwar ausgerechnet in der als Schutzgebiet ausgewiesenen Antarktis, teilte die Tierschutzorganisation "Pro Wildlife" am Donnerstag mit. Japan nutze dabei ein Schlupfloch der Internationalen Walfangkommission (IWC), wonach die Jagd für wissenschaftliche Zwecke möglich ist. "Diese erneute Provokation zeigt, dass selbst strengste Kontrollmaßnahmen und Auflagen den Walfang nicht in den Griff bekommen. Japans Verhalten ist anmaßend und skandalös" so PRO WILDLIFE Expertin Dr. Sandra Altherr. "Mit den begehrten Finn- und Buckelwalen lassen sich in Japan Millionen machen." Seit 18 Jahren fängt Japan unter dem Deckmantel der Wissenschaft Zwergwale in der Antarktis. Das "Forschungsprogramm" JARPA, in dessen Verlauf insgesamt knapp 6.800 Zwergwale getötet wurden, lief gerade aus, die Fangflotten sind vor wenigen Tagen heimgekehrt. Im Vorfeld der kommenden IWC-Tagung im Juni 2005 wird deshalb die offizielle Vorlage eines neuen japanischen "Forschungsprojektes" erwartet. Doch eine aktuelle Pressemitteilung des japanischen Walforschungsinstitutes lässt bereits jetzt durchblicken, dass Japan künftig auch die begehrten Buckel- und Finnwale töten möchte.
Japan will einen Zusammenhang zwischen den angeblichen "überraschenden Bestandszunahmen" und der globalen Erwärmung untersuchen. "Mit diesem fadenscheinigen Manöver läutet Japan nun eine neue Ära seines eigenmächtigen Walfangs ein", kritisiert die PRO WILDLIFE Sprecherin. Finn- und Buckelwale sind auf der Internationalen Roten Liste der bedrohten Arten aufgeführt. Zudem sind sie auf der gesamten Südhalbkugel von der IWC als "geschützte Populationen" eingestuft.
Seit 1988 unterwandert Japan durch seinen "Wissenschaftswalfang" das zwei Jahre zuvor in Kraft getretene weltweite kommerzielle Walfangverbot der IWC. Neben JARPA in der Antarktis gibt es ein zweites "Forschungsprogramm (JARPN) im Nordpazifik. Auch hier war die Jagd zunächst jahrelang auf Zwergwale begrenzt, deren Bestände größer sind als die anderer Wale. Doch seit 2000 tötete japanische Walfänger auch Bryde- und Pottwale, seit 2002 sogar die bedrohten Seiwale. In zwei scharfen Demarchen kritisierten zahlreiche Länder die japanische Regierung, angesehene internationale Wissenschaftler zerpflückten wiederholt die japanischen "Forschungs" ergebnisse. Doch Tokio macht unbeirrt weiter.
"Die kleinen Zwergwale sind für Japans Walfänger weitaus weniger interessant. Ein erlegter Finnwal bedeutet schließlich die achtfache Menge Fleisch - und ist zudem in Japan besser zu verkaufen", erläutert Altherr. Die Nachfrage nach Zwergwalprodukten ist in Japan in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Zwergwale stehen am Ende einer längeren Nahrungskette als viele andere Walarten und sind somit stärker mit Schwermetallen und polychlorierten Biphenylen (PCBs) belastet. Unter anderem aufgrund der Warnungen japanischer Verbraucherschutzorganisationen blieben in den letzten Jahren große Mengen Zwergwal-Fleisch und -Speck aus dem "Wissenschaftswalfang" unverkäuflich. Lediglich für andere Arten wie Sei-, Buckel- oder Finnwal existiert hingegen weiterhin eine rege Nachfrage.
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