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Spirale aus Armut und Bildungsarmut

Wissenschaftler sieht wachsende Kinderarmut als Bildungsrisiko


11. April 2005

[ngo] Die Arbeitsmarktreform "Hartz IV" wird nach Ansicht des Jenaer Erziehungswissenschaftlers Roland Merten einen dramatischen Anstieg der Kinderarmut zur Folge haben. Merten sagte der in Jena, durch die Angleichung von Arbeitslosenhilfe an das Niveau der Sozialhilfe werde die Einkommenssituation vieler Familien verschlechtert. So hätten im Jahr 2002 in Deutschland rund 800.000 Kinder in Familien gelebt, in denen die Eltern bislang Arbeitslosenhilfe über dem Sozialhilfesatz bezogen. Mertin sieht einen engen Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Bildungserfolgen. Er verweist hierbei auf Dänemark, Finnland, Schweden und das Bundesland Bayern einerseits und auf die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Saarland und Bremen andererseits.

Merten zufolge wird mit "Hartz IV" die Zahl von Kindern, die auf dem Sozialhilfeniveau leben und damit von Armut betroffen sind, in den nächsten drei Jahren um 80 Prozent steigen. Sozialpolitische Lösungen und Hilfen für diese Zuspitzung der Lage gebe es kaum.

In der Bundesrepublik sei der prozentuale Anteil von Kindern in relativer Armut mit 10,2 Prozent deutlich höher als in Dänemark, Finnland oder Schweden, also Ländern, wo die Kinder in der PISA-Bildungsstudie deutlich besser abschnitten als die Deutschen. "Es gibt einen ganz engen Zusammenhang zur PISA-Studie, denn in Bundesländern wie Bayern mit den vergleichsweise besseren PISA-Ergebnissen, gibt es auch deutlich geringere Armuts- und Sozialhilfequoten als in Rheinland-Pfalz, dem Saarland oder gar Bremen", sagte Merten. Im Osten sei eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Klar sei, dass die Brennpunkte der sozialen Armut und der Bildungsarmut identisch sind.

Merten warnte vor einer Spirale aus Armut und Bildungsarmut. Gefährdet seien insbesondere die Kinder Alleinerziehender. Immerhin seien 28 Prozent der Haushalte Alleinerziehender von Armut betroffen, während es bei Familien mit Elternpaaren nur vier Prozent seien. Helfen könne hier zunächst ein besseres Angebot zur Kinderbetreuung. Langfristig müsse der Staat mit Zuschüssen und Steuervergünstigungen die Kosten für Familien mit Kindern senken.

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