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Müntefering kritisiert "totale Ökonomisierung"


13. April 2005

[ngo/ddp] Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und nach harter Kritik vom ehemaligen SPD-Chef Oskar Lafontaine fährt SPD-Chef Franz Müntefering einen scharfen verbalen Angriff auf den Kapitalismus. Der Politiker beklagte eine zunehmende Dominanz der Ökonomie in Deutschland. Dies sei zu einer Gefahr für die Demokratie geworden, sagte Müntefering am Mittwoch auf einem Programmforum der SPD in Berlin. Die "Macht des Kapitals" und die "totale Ökonomisierung" blendeten den Menschen aus und reduzierten "rücksichtslos" die Handlungsfähigkeit des Staates. "Die international forcierten Profit-Maximierungs-Strategien gefährden auf Dauer unsere Demokratie", warnte Müntefering.

Die Ökonomie ziele "bestenfalls indirekt auf das Sozialwesen Mensch", sagte der SPD-Vorsitzende weiter. Sie kalkuliere den Menschen zwar ein, "aber nur in Funktionen: als Größe in der Produktion, als Verbraucher oder als Ware auf dem Arbeitsmarkt". Es liege im Interesse von Unternehmern, die sich für ihre Arbeitnehmer und den Standort mitverantwortlich fühlten, "diesen Entwicklungen entgegenzutreten". Laut Müntefering gibt es aber "noch sehr viele" von diesen Unternehmern.

Der SPD-Vorsitzende forderte eine politische Reaktion auf die angesprochenen Entwicklungen von Seiten der Europäischen Union. Diese müsse sich entscheiden, ob sie dem Markt Schneisen schlagen oder ob sie "eine demokratische und soziale Union" wolle, unterstrich Müntefering.

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