Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
Protest gegen Kredit für Ölförderprojekt 23. Mai 2005[ngo] Gegen eine Kreditvergabe für ein Ölförderprojekt von Shell und für den Schutz der Grauwale hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Montag aus Anlass der Jahrestagung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in Belgrad protestiert. Greenpeace-Aktivisten plazierten sich mit Bannern vor dem Eingang des Tagungszentrums, auf denen unter einem ölverschmierten Shell-Logo "Shell: Keine neue Ölbohrinsel vor Sachalin" zu lesen war. Mit einem Transparent "Kein Geld für das Töten von Walen" richtete sich Greenpeace an die EBRD, deren Entscheidung über den Kredit nach Angaben der Umweltschützer unmittelbar bevorsteht. Das von Shell geführte Konsortium wolle vor der Küste der russischen Insel Sachalin im Nordpazifik zwölf Milliarden Dollar in das weltweit teuerste Öl- und Gasförderprojekt investieren. Das hätte verheerende Auswirkungen auf die letzten hundert westpazifischen Grauwale, die ihre Nahrung an der flachen Küste Sachalins finden, so Greenpeace. "Der Schutz der Grauwale ist wichtiger als Shells Ölinteressen", sagte Karsten Smid, Ölexperte von Greenpeace. "Wenn der Konzern nicht erkennt, dass er seine Interessen nicht rücksichtslos durchsetzen kann, dann müssen die Banker einen Riegel vorschieben, sie dürfen den Kredit nicht vergeben", forderte er. Die EBRD könne sich dabei auf ihre eigenen Richtlinien berufen: "Projekte, die gewissen Umweltstandards nicht genügen und die schwere Auswirkungen auf Natur und Menschen haben, darf die Bank gar nicht finanzieren."
Die Vorkommen in Sachalin werden auf insgesamt 700 Millionen Tonnen Öl und 2.500 Milliarden Kubikmetern Gas geschätzt. Die von Shell geführte "Sakhalin Energy Investment Company" will nach Presseberichten bei mehreren Banken Kredite in Höhe von fünf Milliarden Euro aufnehmen. Die Entscheidung der EBRD ist nach Ansicht von Greenpeace deshalb besonders wichtig, da sie als erste Bank die Kreditwürdigkeit des Projektes beurteilt und eine politische Richtungsentscheidung treffe.
Bereits jetzt schade die Ausbeutung der Ölfelder vor Sachalin den westpazifischen Grauwalen. Die Meeressäuger fänden durch den Lärm der Bohrungen und Sprengungen keine Ruhe mehr, sie magerten ab. Zudem sei ihre Fortpflanzung bedroht. Unter den verbleibenden hundert Tieren lebten nur noch 23 Weibchen. "Wenn durch die Ausweitung der Ölförderung auch nur ein Weibchen pro Jahr stirbt, wird die gesamte Population unwiederbringlich ausgerottet", sagte Smid. Das bestätige eine im Februar 2005 veröffentlichte Expertenstudie der Weltnaturschutzunion IUCN, die das Ölkonsortium selbst in Auftrag gegeben habe.
Auch die Ureinwohner der Insel leiden nach Ansicht der Umweltorganisation unter dem Ölboom. Sie seien traditionell Fischer und Rentierzüchter und deshalb auf eine intakte Umwelt angewiesen.
Die Kredite der Weltbank und der EBRD für Ölprojekte stehen bereits unter massiver Kritik. Ein Bericht der Weltbank über die eigene Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ein Großteil der Projekte Armut und Umweltzerstörung Vorschub geleistet hat, statt sie zu bekämpfen. In dem Bericht wird empfohlen, in Zukunft keine Ölprojekte, sondern Erneuerbare Energien zu finanzieren.
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