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Munition aus abgereichertem Uran soll Böden in Krisengebieten verseuchen


22. Juli 2005

Bild: Bundeswehr[ngo] Etwa 1,4 Millionen Geschosse aus abgereichtertem Uran wurden in den letzten 14 Jahren verschossen und verseuchen nun die Böden in den betroffenen Krisengebieten. Das meldete am Freitag das Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig. Das Institut nannte bei den Einsatzgebieten Irak, Kuwait, Bosnien, Kosovo, Serbien, Montenegro, und Afghanistan. Besonders verheerend sei die Wirkung auf Böden, die sowieso schon wenig fruchtbar sind. Diese wiederum seien aber gerade typisch für Krisengebiete und die Bevölkerung sei dort oftmals auf Selbstversorgung vom eigenen Boden angewiesen. Beides seien Aspekte, "welche die Tragik der Auswirkungen" der Munition "erheblich erhöhen".

Mindestens 4.000 Kilogramm Uran für die Nahrungskette

Bei Versuchen der FAL habe sich gezeigt, dass die Pflanzen das Uran aufnähmen. Wenn man die Masse des abgereichten Urans aus den 1,4 Millionen verschossenen Projektilen nimmt (400.000 Kilogramm) und den niedrigsten Aufnahmewert aus den FAL-Forschungen (0,4 Prozent) benutzt, sind in den letzten 14 Jahren mindestens 4.000 Kilogramm abgereichertes Uran von den Pflanzen in den Krisengebieten aufgenommen worden. Diese Zahlen beziehen sich nur auf den oberirdisch gelegenen Teil der Pflanzen.

Was ist Uran und was bedeutet "abgereichert"?

Uran ist laut Bundesforschungsanstalt "ein toxisches Schwermetall, das sich bevorzugt in Knochen anreichert und verschiedenste Krankheiten, angefangen von Funktionsstörungen der Nieren, der Lunge und der Leber bis hin zu Krebs und Erbgutveränderungen auslösen kann." Abgereichertes Uran - im Englischen Deplated Uranium (DU) - ist demnach "das was übrigbleibt", wenn dem Natururan das spaltbare Isotop Uran-235 für die Herstellung von Kernbrennstoff oder Nuklearwaffen entzogen wurde. Zwischen abgereichertem und natürlichem Uran gebe es keine chemischen und toxikologischen Unterschiede, lediglich die Radioaktivität sei um rund 40 Prozent geringer.

Atommüll fürs Militär

Nach Informationen der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft liegen weltweit über 1,1 Millionen Tonnen DU auf Halde, jährlich kommen mindestens 46 Tausend Tonnen dazu. Spitzenreiter der DU-Produktion seien die USA und Russland, mit weitem Abstand gefolgt von Großbritannien und China. Einen "dankbaren Abnehmer" nennt die Forschungsanstalt das Militär. Aufgrund seiner Eigenschaften, eigne es sich besonders für die Herstellung von panzerbrechenden Geschossen. Neben den USA besäßen oder entwickelten Frankreich, Großbritannien, Israel, Pakistan, Russland, Saudi Arabien, Thailand und die Türkei DU-Munition.

Kosovo: 30.000 verschossen, siebeneinhalb zurück

Die Bundesbehörde bezieht sich auf Untersuchungen der Umweltschutzorganisation der Vereinten Nationen UNEP nach denen bei einem typischen Bomberangriff etwa 200 Projektile für ein Ziel verschossen werden würden. Sie würden sich dabei auf eine Fläche von 500 Quadratmetern verteilen.

Nach Schätzungen des Bundesforschungsanstalt träfen kaum mehr als 10 Geschosse ihr Ziel, der Rest verschwinde im Boden. Allein im Kosovo seien 30.000 DU-Projektile verschossen worden. Bei einer von der UNEP entsandten Such-Expedition der "Balkan Task Force" Ende 2000, seien davon nur sieben komplette und ein halbes Projektil wiedergefunden worden. Und dies obwohl die Suchgruppe Kartenmaterial des US-Militärs über die Einsatzorte gehabt hätte.

Verbleib: unbekannt

Genau hier sehen die WissenschaftlerInnen das Problem. Bislang habe man sich toxikologisch und ökologisch lediglich um das DU der wenigen Treffer-Geschosse gekümmert, die beim Aufprall zu giftigem Uranoxid-Staub verbrennen würden. Das Schicksal der weitaus größeren Anzahl der Geschosse, die ohne ein Ziel zu treffen in den Boden gelangt seien, sei weitgehend unbekannt.

"Metall der Ehrlosigkeit"

Nach Angaben der Forschungsanstalt würden Uran-Belastungen insbesondere in Verbindung mit dem so genannten 'Golf-Kriegs'-Syndrom bei Soldaten gebracht, die in diesen Gebieten im Einsatz waren, ein Umstand, der DU in Veteranenkreisen den Namen "Metal of Dishonor" (Metall der Ehrlosigkeit) eingebracht habe.

Foto: Bundeswehr

[Druckversion]                

 

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Links

Zum Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde beim Bundesforschungsamt für Landwirtschaft FAL
Zum Atomwaffen A-Z

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