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Umfragen & Medien

Deutsche haben scheinbar kaum noch Vertrauen in Politiker


10. August 2005

[ngo/ddp] Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage von TNS Emnid im Auftrag von "Reader's Digest" hat das Ansehen der Politiker im deutschen Volk ein Rekordtief erreicht. Nur noch 17 Prozent der Bürger sollen Vertrauen in die politischen Parteien haben, vor zehn Jahren seien es noch 41 Prozent gewesen. Nach der Umfrage vermissen die Deutschen an ihren Politikern vor allem Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Sparsamkeit, Prinzipientreue und Kompetenz. Medien berichten meist kritiklos über derartige Umfragen. Selbstkritik ist kein Thema, dabei entscheiden gerade die Medien über ihre oftmals subtile Berichterstattung maßgeblich mit, welche Politiker populär werden und welche nicht. Wie oft werden gerade in Medienberichten kompetente und prinzipientreue Politiker verhöhnt? Wie oft werden Abweichler in Fraktionen gerade in Medienberichten kritisiert und das Ausüben von Druck durch Fraktionsvorsitzende gerühmt? Kann eine derartige Berichtersattung ohne Einfluss darauf bleiben, welche politischen Inhalte sich letztlich durchsetzen? Kürzlich beklagte sich selbst der einstige "Medienkanzler" Gerhard Schröder über eine Kampagne der Medien gegen ihn.

46 Prozent der 1000 Befragen gaben in der Umfrage an, die Abgeordneten würden überwiegend "ihre eigenen Interessen" und nicht die der Wähler vertreten. Das Vertrauen in den Bundestag sei zwischen 1995 und 2005 von 58 auf 34 Prozent gesunken, das Vertrauen in die Regierung von 53 auf 26 Prozent.

Hingegen sei das Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht (75 Prozent) und den Bundespräsidenten (71 Prozent) weiterhin groß. Auch eine Folge der Medienberichterstattung?

Für den Parteienforscher Karl-Rudolf Korte ist diese Stimmungslage durch traditionelle Politik- und Parteienverdrossenheit nicht mehr zu erklären. "Mittlerweile verachten die Bürger ihre öffentlichen Repräsentanten", sagte er "Reader's Digest". Wenn dennoch 84 Prozent der Befragten an der Bundestagswahl teilnehmen wollten, sei ihr Hauptziel vor allem die Schadensbegrenzung, so Korte. Nur 21 Prozent der Befragten glauben offenbar daran, dass die Parteien die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessern könnten. Nur 14 Prozent trauen ihnen laut Umfrage den Abbau der Staatsverschuldung zu.

[Druckversion]                [Leserbriefe lesen]

 

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