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"Focus"

Das BKA, interne Ermittlungen und manipulierte Terrorismusakten


15. September 2005

[ngo/ddp] Noch stärker als bei anderen Institutionen wird bei Informationen aus oder über Geheimdienstkreise immer wieder davor gewarnt, diese als die reine Wahrheit zu betrachten. Es sei kaum zu durchschauen, aus welchen Motiven Geheimdienste oder bestimmte Medien zu bestimmten Zeiten bestimmte Aussagen an die Medien lancieren. Unter diesem Vorbehalt geben wir hier eine Meldung der Nachrichtenagentur ddp wieder, wonach das Bundeskriminalamt (BKA) bei einer internen Ermittlung manipulierte Terrorismusakten in Umlauf gebracht haben soll.

Über Monate hinweg sei so versucht worden, Verräter in den eigenen Reihen zu entlarven, berichtete das Münchener Nachrichtenmagazin "Focus" am Donnerstag unter Berufung auf eine vertrauliche Untersuchung der Wiesbadener Polizeibehörde. Diese interne Untersuchung ist "Focus" zufolge auch der eigentliche Grund für die Durchsuchung bei der Potsdamer Zeitschrift "Cicero" am vergangenen Montag.

Die Redaktionsräume sowie die Privatwohnung eines Reporters waren aufgrund einer Strafanzeige des BKA durchsucht worden. Der Reporter hatte in einem im April veröffentlichten Artikel über den Terroristenführer Abu Musab al-Sarkawi aus einer BKA-Akte zitiert, die ihm von Informanten zugespielt worden war.

Das Dossier enthielt geheime Satelliten-Telefonnummern, die Sarkawi in den letzten Jahren genutzt haben soll. Die von "Cicero" gedruckten Rufnummern waren laut "Focus" zuvor von BKA-Sonderermittlern mit Zahlendrehern versehen und gezielt in mehrere Fachreferate des BKA-Staatsschutzes in Meckenheim bei Bonn geleitet worden. Die Veröffentlichung der auf diese Weise manipulierten Rufnummern in "Cicero" habe die BKA-Leitung in ihrem Verdacht bestätigt, dass aus Fachabteilungen illegal Informationen abgeflossen seien. Der BKA-Bericht sei bei der Durchsuchung allerdings nicht gefunden worden.

"Focus" berichtete weiter, das BKA habe mit seiner Aktion in- und ausländische Polizei- und Geheimdienstbehörden brüskiert. Ohne Absprache mit dem Bundesnachrichtendienst (BND), den US-Behörden CIA und FBI sowie dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad, die das Sarkawi-Dossier mit sensiblen Informationen bestückt hätten, sei die brisante Akte offenbar fahrlässig in die Öffentlichkeit geraten. Eine Sprecherin des BKA habe sich nicht über die interne Untersuchung äußern wollen, berichtete "Focus".

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