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Ziervögel

Artenschützer fordern Wildvogel-Importverbot


30. September 2005

[ngo] Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober macht die Artenschutzorganisation Pro Wildlife auf "das tödliche Geschäft mit Wildvögeln" aufmerksam: Etwa 3,5 Millionen Vögel würden jährlich der Natur entrissen, um die Nachfrage nach Papageien, Beos, Prachtfinken und anderen "Ziervögeln" allein in der EU zu decken. Die Hälfte dieser Tiere sterbe bereits bei Fang, Lagerung und Transport in den Herkunftsländern, die restlichen 1,75 Mio. Tiere würden "in Kisten gepfercht" und "völlig legal" in die EU gebracht. Eine Studie der Artenschutzorganisation von PRO WILDLIFE zeige, wie dieser Handel immer neue Arten an den Rand der Ausrottung treibe. Mit 87 Prozent der Importe sei die EU mit Abstand weltgrößter Abnehmer von Ziervögeln aus freier Wildbahn. Weit über 200 Tier- und Naturschutzverbände forderten von der EU, "den grausamen Vogelimport endlich zu verbieten". Auch zur Bekämpfung der Vogelgrippe sei ein solcher Schritt "längst überfällig", heißt es bei Pro Wildlife.

Nach der Studie mit dem Titel "Ein tödliches Geschäft" sind weit über 2000 Arten von dem Handel betroffen - vom Königsglanzstar bis hin zur Blaustirnamazone. Während die Öffentlichkeit glaube, heutzutage würden in Zooläden nur noch Zuchttiere verkauft, sehe die Realität ganz anders aus: "Neun von zehn importierten Vögeln stammen noch heute aus freier Wildbahn. Und jedes Tier hat eine schreckliche Tortur hinter sich", kritisiert Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Die Fangmethoden seien brutal: Wildvögel würden mit Netzen, Leimruten oder Fallen gefangen, viele von ihnen bereits beim Fang getötet oder schwer verletzt. Die überlebenden Tiere seien einer wochenlangen Odyssee ausgesetzt: vom Tierfänger in abgelegenen Gebieten über Zwischenhändler bis zu den Exporteuren in den Großstädten Afrikas, Lateinamerikas oder Südostasiens. Bei jeder Station gebe es erhebliche Verluste, unter anderem aufgrund von überfüllten und unhygienischen Käfigen. "Für einen hierzulande angebotenen Graupapagei haben bis zu vier andere Tiere bereits im Ursprungsland ihr Leben gelassen", so Freyer.

Während die EU den Fang einheimischer Vögel für den Tierhandel streng verbiete, seien der Einfuhr von "Exoten" kaum Grenzen gesetzt. "Die EU importierte in den letzten 20 Jahren 1,5 Millionen Mozambique-Girlitze, über eine halbe Million China-Nachtigallen, 480.000 Afrikanische Graupapageien und 250.000 Mönchssittiche aus Südamerika - um nur einige Beispiele zu nennen", so Freyer. Die hemmungslose Plünderung habe katastrophale Auswirkungen. Bestände vieler Arten würden dezimiert oder gar ausgerottet.

USA: Weitgehendes Vogelimportverbot

Schutzmaßnahmen für vom Aussterben bedrohte Arten kämen - wenn überhaupt - erst dann, wenn es bereits zu spät sei. Die USA hingegen hätten bereits vor 12 Jahren den Vogelimport weitgehend verboten und damit das Leben von Millionen Tieren gerettet. Viele andere Staaten würden den Handel mit Vögeln aus freier Wildbahn verbieten.

Weit über 200 Tier- und Naturschutzverbände forderten die EU als größten Abnehmer auf, die systematische Plünderung von Wildvogelbeständen zu beenden. Pro Wildlife als Mit-Initiator der internationalen Kampagne erwartet von einer neuen Bundesregierung, dass sie sich in der EU aktiv für ein Wildvogel-Importverbot einsetzt.

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