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"So genannter Atomausstieg"

Tausende demonstrierten gegen Atomkraft und für Erneuerbare Energien


07. November 2005

[ngo] Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in Lüneburg gegen Atomkraft und für erneuerbare Energien demonstriert. Die bundesweite Protestaktion richtete sich gegen das von den Stromkonzernen geforderte Festhalten an der Atomenergie. Die Atomexpertin der Umweltorganisation BUND, Renate Backhaus, sagte in Lüneburg, knapp 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl "scheinen die verheerenden Folgen der Atomkraft keine Rolle mehr zu spielen". Es würden wieder Profitinteressen über die Gesundheitsinteressen der Bevölkerung gestellt. "Lobbyisten der Atomkraft sei es ins Stammbuch geschrieben: Nur ein abgeschaltetes Atomkraftwerk ist ein sicheres Atomkraftwerk", so Backhaus.

Stefan Simon von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg beklagte, jeder neue Transport in die oberirdische Gorlebener Zwischenlagerhalle zementiere den dortigen Endlagerstandort. "Wir waren mit dem so genannten Ausstieg der rot-grünen Regierung nicht zufrieden. Aber es kann noch schlimmer kommen, und dagegen müssen wir zusammen kämpfen. Kommt wieder auf die Straße, wenn in zwei Wochen der Castor rollt."

Für den Solarenergieverband Eurosolar sagte Fabio Longo, dass bezogen auf den Gesamtenergieverbrauch die Erneuerbaren Energien in diesem Jahr zum ersten Mal vor der Atomenergie lägen. "Ohne den Druck der Anti-AKW-Bewegung wäre der Kampf für Energiealternativen aussichtslos." Niemand brauche für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien längere Laufzeiten für Atomkraftwerke, so Longo. "Im Gegenteil: je schneller wir aussteigen, umso schneller können wir einsteigen, die Technik steht bereit."

Zu der Demonstration hatten 40 Organisationen aufgerufen, darunter Anti-Atom-Initiativen, Umweltverbände und Förderer erneuerbarer Energien. Fortgesetzt werden sollen die Proteste beim nächsten Castor-Transport ins atomare Zwischenlager Gorleben, der ab 19. November erwartet wird.

Die Demonstration war nach Darstellung von "Indymedia" trotz Routenänderung "ein großer Erfolg der Anti-Atomkraft-Bewegung und verlief bis auf einige Gewalttaten seitens der Polizei friedlich". Beklagt wurden Schlagstockeinsatz, Faustschläge und Tritte seitens der Polizei. "Ein Bekannter von mir wurde beim ausweichen in die Kalandstraße von einem Polizisten mit dem Kopf gegen eine Hauswand geschlagen und mit einem Fahrrad beworfen", heißt es in einem persönlichen Beitrag bei Indymedia.

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