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"Shell schafft Tatsachen"

Umweltschützer gegen Öl- und Gasausbeutung in Russland


16. November 2005

[ngo] Anlässlich der Beratungen des Verwaltungsrats der Osteuropabank über das Öl- und Gasprojekt Sakhalin II im fernen russischen Osten veröffentlichten Umweltschutzorganisationen die aus ihrer Sicht "10 wichtigsten Gründe", warum die Osteuropabank (European Bank for Reconstruction and Development, EBRD) das Projekt nicht fördern sollte. Wahrend das Projekt noch in Diskussion sei, schaffe der Ölkonzern Shell Tatsachen.

Nach Auffassung der Organisationen Pacific Environment, CEE Bankwatch und Sakhalin Environmental Watch bedroht das Sakhalin Projekt den Lebensraum der letzten 100 westlichen Grauwale, in dessen unmittelbarer Nähe eine Plattform gebaut werden solle.

Ein vom Ölkonzern Shell geführtes Konsortium wolle zudem Pipelines bauen, die das Öl und Gas auf die Insel Sakhalin transportierten. Die Pipelines bedrohen nach Ansicht der Umweltschützer die reiche Tierwelt der Insel, "allen voran die verschiedenen Lachsarten, die auf Sakhalin leben und die Lebensgrundlage von über 30 Prozent der Bevölkerung darstellen".

Durch "illegal begonnene Bauarbeiten" an den Pipelines seien bereits über 100 Flüsse beschädigt worden. Die indigene Bevölkerung von Sakhalin habe schon mehrmals laufende Bauarbeiten blockiert, da es bisher keine hinreichenden Pläne gebe, wie ihnen durch das Projekt entstehende Schäden vermieden, oder wie sie kompensiert werden könnten.

Regine Richter von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald hat den Eindruck, dass das Projekt auch in der Osteuropabank für Bauchschmerzen sorgt. Die Bank habe die vorliegende Umweltverträglichkeitsprüfung als völlig unzureichend erklärt. Da sich an den Mängeln nichts geändert habe, dürfe die Bank jetzt nicht dem Druck der Ölindustrie nachgeben und sich für Sakhalin II aussprechen, fordert Richter.

Shell habe bei dem Projekt "vor allem symbolisch" auf Kritik reagiert. Gleichzeitig versuche der Konzern, durch bereits durchgeführte Bauarbeiten Tatsachen zu schaffen. Internationale Umweltorganisationen warnten davor, "solches Verhalten zu belohnen", zumal alle anderen Finanzierer wie Exportkreditagenturen und Privatbanken sich in ihren Entscheidungen an der Osteuropabank orientierten.

Grundsaetzlich müsse man sich ohnehin fragen, "warum die Osteuropabank als öffentliche Bank ein solches Öl- und Gasprojekt fördern solle. Ihr Auftrag sei schließlich "die Förderung der Demokratisierung im ehemaligen Ostblock". Ölprojekte seien der Demokratie aber selten zuträglich. "Wir erwarten, dass sich der deutsche Exekutivdirektor in der Osteuropabank deutlich gegen eine Absegnung des Projektes aussprechen wird", fordert Richter.

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