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"Mit US-Kräften ausgetauscht"

Soldaten sollen als Journalisten getarnt Guantanamo-Häftlinge verhört haben


15. März 2006

[ngo] Bundeswehrsoldaten sollen sich nach ARD-Angaben mehr als ein Mal vorschriftswidrig als Journalisten getarnt und Angehörige von Guantanamo-Häftlingen befragt haben. Über ein zweites Vorkommnis diesmal in Afghanistan berichtete der Onlinedienst der Tagesschau am Dienstag. Das Verteidigungsministerium hat den Angaben zufolge bislang einen Fall bestätigt, wonach Soldaten der Bundeswehr in Bosnien als vermeintliche Journalisten Informationen besorgt hätten.

Recherchen von "tagesschau.de" und des ZDF sollen jetzt "einen weiteren Fall nahe legen", hieß es. Zeugenaussagen zufolge sollen im August 2004 in Afghanistan zwei Männer und eine Frau die Familie des Ende 2004 entlassenen Guantanamo-Häftlings Mohammed Wazir besucht und über die Haftumstände befragt haben. Die drei hätten sich als deutsche Journalisten vorgestellt, habe Taj Wazir, der Bruder von Mohammed Wazir, angegeben. Dem ZDF-Magazin "Frontal 21" habe die Mutter sagte, die Besucher hätten sich als Mitarbeiter von RTL ausgegeben. Sie hätten jedoch keine Fernsehkamera dabei gehabt und sich lediglich Notizen gemacht.

Laut "tagesschau.de" sei später im Nachrichtenwesen der Bundeswehr ein vertraulicher Bericht aufgetaucht, der den Inhalt des Gesprächs mit der Mutter widerspiegle. In dem Papier, das dem Onlinedienst in Kopie vorliege, heiße es: "Es wird vorgeschlagen, Shukira Wazir in unregelmäßigen Abständen zu besuchen. Die in diesem Gesprächen gewonnenen Informationen sollten eng mit den Experten der (...) US-Kräfte ausgetauscht werden."

Das Verteidigungsministerium bestreitet, den Bericht über den Bundeswehr-Besuch in Afghanistan zu kennen. "Dem Ministerium liegen keine eigenen Erkenntnisse zu einem Besuch der Familie Wazir im August 2004 durch Angehörige der Bundeswehr vor", sagte ein Ministeriumssprecher der "tagesschau.de". Bosnien sei ein Einzelfall gewesen. Eine Befehls- und Weisungslage, Nachforschungen zu Guantanamo-Häftlingen anzustellen, existiere nicht.

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