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Ex-Schulleiterin

"Hauptschulen verwalten das soziale Elend"


04. April 2006

[ngo/ddp] Die ehemalige Schulleiterin der wegen Gewalttaten in die Schlagzeilen geratenen Rütli-Schule in Berlin-Neukölln prangert Versäumnisse der Politik an. Die ersten Migrantenkinder seien ab 1973 in die Hauptschule gekommen, und bereits zu diesem Zeitpunkt sei die Lehrerschaft von der Politik allein gelassen worden, sagte Brigitte P. der "Bild"-Zeitung. Das Problem liege nicht in der arabischen, türkischen oder serbischen Herkunft der Schüler, sondern in ihrer sozialen Herkunft und ihren mangelnden Perspektiven. Die ehemalige Schulleiterin sagte, die dramatische Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt könne keine Schule kompensieren. Im vergangenen Jahr habe kein Schüler der Rütli-Schule einen Ausbildungsplatz erhalten.

In der 70er Jahren habe über die Hälfte aller Berliner Jugendlichen eine Hauptschule besucht. Nach der Bildungsreform und der Einführung der Gesamtschulen seien es heute nur noch zehn Prozent, sagte die Pädagogin, die 33 Jahre an der Rütli-Schule arbeitete und nun seit acht Monaten krank geschrieben ist.

Die 59-Jährige betonte, die heutigen Hauptschulen "verwalten das soziale Elend". Den 1983 von ihr gemachten Vorschlag, Hauptschulen und Realschulen zusammenzulegen, hätten die Bezirks- und Landesbehörden "toll" gefunden, aber nicht umgesetzt.

Der Hilferuf von Lehrern wegen Gewaltexzessen an einer Berliner Hauptschule wird jetzt den Bundestag beschäftigen. Die FDP-Fraktion beantragte für diese Woche eine Aktuelle Stunde des Parlaments zu den "bundespolitischen Forderungen aus den Vorgängen an der Rütli-Hauptschule in Berlin", wie ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Jörg van Essen am Montag mitteilte.

Derweil wandte sich Grünen-Chefin Claudia Roth gegen eine "populistische Dramatisierung" der Vorgänge an der Schule. Die Ereignisse an der Rütli-Schule seien nicht akzeptabel, doch sei ein "Wettlauf von Hau-drauf-Vorschlägen" wie "Drohen, Einsperren, Abschieben" keine Antwort darauf, sagte Roth nach Beratungen der Spitzengremien ihrer Partei in Berlin. Notwendig seien vielmehr umfassende Veränderungen in der Sozial- und Integrationspolitik.

Dazu gehöre, die Schulform der Hauptschule zu überwinden, weil diese "mehr und mehr zu einer Abschiebung in die Zukunftslosigkeit von jungen Menschen" werde. Neben einer Stärkung der Lehrer etwa durch Sozialarbeiter seien unter anderem auch gewaltpräventive Angebote erforderlich. Insgesamt gebe es zwar kein Patentrezept, aber ein "großes Paket" notwendiger Maßnahmen.

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