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"Westliche Sicherheitskreise"

USA sollen Gefangene mit Elektroschockern foltern


19. April 2006

[ngo/ddp] Nach Darstellung "westlicher Sicherheitskreise" haben die USA im Gefangenenlager Guantanamo als "Stun Belts" bekannte Elektroschocker eingesetzt, schreibt die Nachrichtenagentur ddp. Diese gürtelähnlichen und in Nierenhöhe mit zwei Elektroden versehenen Geräte können offenbar mindestens acht Sekunden lang Stromstöße mit 50.000 Volt abgeben und enorme Schmerzen hervorrufen. Den Angaben zufolge sollen die Elektroschocker auch zur Standardausrüstung an Bord der CIA-Flüge gehören, die im Rahmen der Operation "extraordinary rendition" im Auftrag Washingtons weltweit als gefährlich erachtete Islamisten zu Verhören fliegen, berichtet die Nachrichtenagentur ddp. Ebenso eingesetzt worden seien sie bei Häftlingen im Irak und im Hochsicherheits-Gefangenenlager Baghram Air Base in Afghanistan. In einem Bericht dazu heißt es, das amerikanische Vorgehen stehe "nicht in Einklang mit internationalen Konventionen".

Sicher ist laut ddp, dass schon seit Mitte der neunziger Jahren "Stun Belts" auch in amerikanischen Haftanstalten verwendet werden. Der Elektroschock werde per Fernbedienung ausgelöst und könne aus bis zu 100 Meter Entfernung aktiviert werden. Um den Schmerz des Opfers zu maximieren, würden die Elektroden des Gürtels oberhalb der linken Niere justiert. Der 50.000-Volt-Stromschlag dauere mindestens acht Sekunden und könne vom Anwender auch bei irrtümlicher Auslösung des Impulses nicht abgeschaltet werden.

Die Stromschläge seien mit durchschnittlich vier Milliampere zwar nicht tödlich, führten aufgrund der schnellen Impulswiederholung jedoch zu großen Schmerzen des Opfers, zu Muskelverkrampfungen, völliger Orientierungslosig- und Bewegungsunfähigkeit. Die Opfer urinierten und entleerten auch ihren Darm. Vor diesem Hintergrund betrachtet Amnesty International den Einsatz der Geräte als Folter.

Der UN-Ausschuss gegen Folter, der die Einhaltung der Anti-Folter-Konvention der Vereinten Nationen überwacht, hat die USA mehrfach aufgefordert, die Anwendung der "Stun Belts" zu verhindern. Unklar ist, ob der in den USA angeklagte mutmaßliche Mittäter der Anschläge des 11. September 2001, Zacarias Moussaoui, unter seiner Kleidung zumindest zeitweise einen "Stun Belt" tragen musste. Er hatte am 8. Juli 2002 vor Gericht mitgeteilt: "Ich weiß, Sie wollen einen Zwischenfall vor Gericht inszenieren, indem der Marshal den Elektroschockgürtel aktiviert und behauptet, ich hätte eine 'bedrohliche Bewegung' gemacht." Ende März 2006 gestand Moussaoui vor Gericht überraschend seine Beteiligung an den Attentaten ein. Ein Gerichtsreporter des Fernsehsenders NBC, der live darüber berichtete, mutmaßte, Moussaoui trage während seines Geständnisses unter seiner Kleidung verdeckt einen "Stun Belt".

In den USA gibt es mehrere Hersteller der Elektroschock-Gürtel. So ist etwa der "Secpro XR 500 Prisoners Stun Belt" nach Herstellerangaben in den USA ein "Bestseller". Im Internet wird er für 1199 Dollar vertrieben. Andere Hersteller sind Nova Products in Tennessee und Stun Tech Inc. in Cleveland/Ohio. Amnesty International zitiert Dennis Kaufmann, den Präsidenten von Stun Tech Inc., mit den Worten: "Elektrizität spricht jede bekannte Sprache. Übersetzung ist nicht notwendig. Jeder hat Angst vor Elektrizität. Und das ist auch richtig so."

Neben den USA wird das Gerät nach Angaben aus Sicherheitskreisen im Libanon, in China und Südafrika eingesetzt. Internationale Menschenrechtskonventionen verbieten die Verwendung grausamer, quälender und den Menschen herabwürdigender Hilfsmittel bei Gefangenen und Häftlingen.

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