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"Seuchenbekämpfungsmaßnahmen von vorgestern"

Tierschutzbund protestiert gegen Keulungsaktion wegen Schweinepest


08. Mai 2006

[ngo] Der Deutsche Tierschutzbund hat die angekündigte Keulung von rund 52.000 Schweinen im nordrhein-westfälischen Landkreis Borken kritisiert. Nachdem vergangene Woche in einem Zuchtbetrieb erneut das Schweinepestvirus nachgewiesen wurde, erwarten die Behörden jetzt eine Anordnung der EU-Kommission zur Massenkeulung. "Massenkeulungen sind Seuchenbekämpfungsmaßnahmen von vorgestern", meint Tierschutzbund-Präsident Wolfgang Apel. Die Nicht-Impf-Politik der EU sei "längst überholt". Gerade im Falle der Schweinepest stehen Markerimpfstoffe zur Verfügung, mit denen die Schweine im Umkreis um einen Seuchenherd wirkungsvoll vor dieser Tierkrankheit geschützt werden könnten.

Da der Erreger selber inzwischen direkt und schnell nachgewiesen werden könne, gibt es nach Auffassung des Tierschutzbundes "keinen vernünftigen Grund, Verdachts-, Nachbarschafts- und Kontaktbestände zu töten – auch nicht in schweinedichten Gebieten". Auf den Menschen sei die Schweinepest im übrigen nicht übertragbar.

Anstatt die Massenkeulung gesunder Schweine als selbstverständlich hinzunehmen, sollte das Land nach Auffassung der Tierschützer bei der EU einen Antrag auf die Zulassung von Impfungen stellen.

Geimpfte und infizierte Tiere könnten sicher voneinander unterschieden werden. "Impfmaßnahmen beeinträchtigen somit nicht die Seuchenüberwachung in Sperr- und Beobachtungsgebieten. Da die Erregerfreiheit nachgewiesen werden kann, gibt es nicht einmal mehr einen Grund für Handelsrestriktionen", so Apel. "Wir fordern, nicht mehr tatenlos zuzusehen, sondern die Tiere jetzt zu impfen: Jedes Zögern bedeutet weiteres Tierleid."

Der aktuelle Fall zeige wieder die fatalen Folgen der agrarindustriellen Intensivhaltung, bei der Schweine in großen Tierbeständen unter nicht tiergerechten Bedingungen aufgestallt würden. "Wir fordern die Abkehr von der industriellen Massenhaltung. Riesige Schweinemastanlagen, wie sie unter anderem in Hassleben (Brandenburg) und Allstedt (Sachsen-Anhalt) geplant sind, dürfen nicht gebaut werden", fordert Apel.

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