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"Spritdurstige Klimakiller"

Umweltschützer kritisieren deutsche Pkw-Hersteller


22. Januar 2007

[ngo/ddp] Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) betrachtet die europäische Klimaschutz-Politik im Bereich der Autoabgase als gescheitert. Hauptverantwortung dafür trügen die deutschen Autohersteller mit ihren "spritdurstigen Klimakillern", sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch am Montag in Berlin. Zur Forderung der DUH nach einer höheren Firmenwagensteuer sagte der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt am Main, diese Forderung diene weniger dem Umweltschutz, sondern spiele auf der "Klaviatur des Sozialneids".

Die Deutsche Umwelthilfe plädiert für die "Streichung klimaschädlicher Steuerprivilegien" für Pkw-Neufahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen nicht zuletzt auch aus sozialen Gründen. "Es ist einer Sekretärin in einem Vorstandsbüro nicht zu erklären, dass sie mit ihrer Lohnsteuer dem Chef den Kauf eines Luxus-Pkw zur Hälfte bezuschussen soll. Wenn dieses Auto darüber hinaus doppelt oder dreimal so hohe Klimagas-Emissionen verursacht wie der eigene Wagen, wird das Steuer-Privileg zum Skandal", so Resch.

Es gehe um die Aufhebung des Steuerprivilegs für Klima belastende Dienstwagen über 140 Gramm CO2 pro Kilometer. Derzeit erstatte der Fiskus Unternehmen bei der Anschaffung eines dienstlich genutzten Pkw bis zu 49 Prozent des Kaufpreises. "Je höher der Spritverbrauch, umso höher die Subvention – auf diesen einfachen Nenner kann man die absurde deutsche Förderpraxis bringen", kritisiert Resch.

In Großbritannien seien dienstlich genutzte Pkw seit einigen Jahren nur noch steuerlich absetzbar, wenn ihr CO2-Ausstoß 160 Gramm pro Kilometer nicht übersteige. Dadurch liege der durchschnittliche Spritverbrauch von Dienstwagen inzwischen auf den britischen Inseln niedriger als der der privaten Fahrzeugflotte.

1998 hatte der europäische Branchenverband Acea der EU-Kommission zugesichert, dass Europas Autokonzerne den durchschnittlichen Kohlendioxid-Ausstoß ihrer Flotten bis zum Jahr 2008 auf 140 Gramm je gefahrenen Kilometer reduzieren. Während französische und italienische Hersteller dieses Ziel vermutlich erreichen würden, seien die deutschen Konzerne davon weit entfernt, so die DHU. Sie bezieht sich dabei auch auf einen Berichtsentwurf von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas, der am Mittwoch veröffentlicht werde.

Laut diesem Berichtsentwurf seien die Kohlendioxid-Emissionen im Straßenverkehr der EU zwischen 1990 und 2004 um etwa 26 Prozent gestiegen, während die gesamten Treibhausgasemissionen um rund fünf Prozent gesunken seien. Der VDA hält dem entgegen, dass Deutschland das einzige Land in ganz Europa sei, in dem die Kohlenstoffdioxid-Emissionen im Straßenverkehr seit 1999 kräftig sinken würden.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert aber neue Automodelle mit hohem Spritverbrauch. "Insbesondere DaimlerChrysler mit der Marke Mercedes Benz und Volkswagen mit seiner Premium-Marke Audi haben offensichtlich die Zeichen der Zeit nicht erkannt und erklären dem Weltklima mit ihrer Modellpolitik den Krieg", meint Resch.

Eine Auswertung der in den Zeitschriften "Spiegel" und "Focus" im vergangenen Herbst erschienenen Autowerbung habe zum Ergebnis gehabt, dass japanische Autobauer für Pkw mit einem moderaten Spritverbrauch geworben hätten (Toyota Avensis Diesel - 158 g CO2/km, Mitsubishi Colt CZC - 163 g CO2/km, Mazda 3 - 165 g CO2/km, Lexus RX400h/ GS450h - 189 g CO2/km). DaimlerChrysler und Audi hätten hingegen Modelle mit hohem Spritverbrauch beworben. So habe DaimlerChrysler für seine Mercedes GL-Klasse geworben, die einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 306 g/km aufweise. Audi habe Werbung für den R 8 geschaltet, dessen CO2-Werte mit 337 g/km noch höher liege. Beide Pkw emittierten damit mehr als das Doppelte des EU-Zielwerts für 2008, kritisieren die Umweltschützer.

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