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"Erst unter Druck reagieren"

Umwelt-Staatssekretär kritisiert Manager der Automobilkonzerne


29. Januar 2007

[ngo] Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller, wirft den Managern der deutschen Automobilkonzernen mangelnde Bereitschaft zum Umweltschutz und fehlende Weitsicht vor. "Die deutschen Autobauer, die gern mit den hohen Leistungen ihrer Produkte werben, wollen ausgerechnet beim Umweltschutz auf die Bremse treten", so Müller. Dass sie die Interessen ihrer Konzerne vertreten, sei verständlich. "Nicht verständlich ist dagegen, dass die Automobilbranche die Zeichen der Zeit verkannt hat. Denn tatsächlich wird seit fast zwei Jahrzehnten über die Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen zum Schutz der Umwelt gesprochen." Der erste Klimabericht des Deutschen Bundestages, der dies konkret gefordert habe, sei 1990 veröffentlicht worden. "Man hat offenkundig die Entwicklung verschlafen", meint der Staatssekretär.

Ausländische Produzenten zeigten, dass es - zum Beispiel mit Hilfe der Hybrid-Technik - durchaus Möglichkeiten gebe, mehr Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen.

Offenkundig herrsche immer noch eine Mentalität vor, erst unter Druck zu reagieren, so Müller. Dabei gehöre den effizienten und umweltschonenden Fahrzeugen die Zukunft. Von daher sei "das Wehklagen der Autohersteller" das Eingeständnis eines "doppelten Versagens: Zum einen wurde die Umweltpolitik negiert. Zum anderen haben sie versäumt, die Zukunftsmärkte zu entwickeln. Sie haben vergessen, dass ihre heutige Stärke die Zukunftsinvestitionen von gestern waren. Warum aber ist ihnen heute der Perleffekt auf dem Lack wichtiger als ein konsequenter Klimaschutz?"

Müller: Vorgaben der EU-Kommission keine Überraschung

Zudem könnten die neuen Vorgaben der EU-Kommission keine Überraschung sein, da diese Ziele bereits in der Koalitionsvereinbarung festgehalten seien. "Sie gelten für das gesamte Regierungsbündnis", so Müller. Vernehmbarer Protest dagegen sei "jedenfalls nicht gekommen". Und auch die Automobilindustrie selbst sei in der Pflicht, wenn sie sich Ernst nimmt. "Sie hatte in einer Selbstverpflichtung zugesagt, die Kohlendioxid-Emissionen auf unter 140 Gramm pro Kilometer bis zum Jahr 2008 zu senken. Dieses Ziel wird deutlich verfehlt, denn sie liegen bei rund 160 Gramm pro Kilometer."

Der Klimaschutz ist eine Menschheitsherausforderung, meint der Umwelt-Staatssekretär. Spätestens seit 1991 sei auch der Automobilbranche die Leitlinie der Bundesregierung bekannt, die CO2-Emissionen deutlich zu senken. "Das Management der Automobilkonzerne ist verbesserungsbedürftig", meint Müller.

Unbestritten sei, dass die deutsche Automobilbranche eine wichtige Säule der deutschen Wirtschaft sei. Das dürfe aber nicht weniger Innovationen heißen, "sondern im Gegenteil mehr". Jetzt sei es dringend geboten, die Anstrengungen unverzüglich zu verstärken, "auch im Interesse der zukünftigen Stärke dieser Branche".

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