Atommüll
Der in Atomkraftwerken entstehende Atommüll strahlt und gefährdet Menschen für Hunderttausende von Jahren. Atomkraftwerke werden nun schon seit mehr als 50 Jahren betrieben und noch immer weiß niemand, wo der Müll einmal bleiben kann. Die Entsorgung des Atommülls ist auch nach offizieller Bewertung "ungelöst".
Es muss damit gerechnet werden, dass der Strahlenmüll für sehr lange Zeit in den so genannten "Zwischenlagern" verbleibt. Die Produktion von weiterem Atommüll in Atomkraftwerken ist vor dem Hintergrund des ungelösten Atommüll-Problems nicht zu verantworten.
Jedes Atomkraftwerk verwandelt durch die Kernspaltung Uranbrennstäbe in extrem langlebigen, hochradioaktiven Atommüll. Jeder, der sich den "verheizten" Kernbrennstoffen nähert, erhält eine tödliche Dosis radioaktiver Strahlung.
Jährlich produzieren die Atomkraftwerke rund 8300 Tonnen Strahlenmüll
Ein Atomkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 1300 Megawatt produziert jährlich rund 30 Tonnen und in 40 Jahren etwa 1200 Tonnen hochradioaktiven Abfall. Weltweit entstehen in den etwa 440 Atomkraftwerken schätzungsweise 8300 Tonnen hochradioaktiver Atommüll pro Jahr.
Bei einer angenommenen durchschnittlichen Betriebszeit von 35 Jahren hinterlässt diese Generation von Atomkraftwerken grob geschätzt 290.000 Tonnen hochradioaktiven Atommüll sowie ein zigfaches dessen an schwach und mittelaktivem Müll.
Atommüll gefährdet Menschen für Hunderttausende von Jahren
Plutonium-239 hat eine Halbwertszeit von rund 24.000 Jahren. Das bedeutet, dass beispielsweise von 100 Tonnen Plutonium nach 24.000 Jahren noch die Hälfte, also 50 Tonnen vorhanden sind. Nach weiteren 24.000 Jahren sind noch 25 Tonnen übrig. Nach weiteren 24.000 Jahren sind noch 12,5 Tonnen übrig. Nach weiteren 24.000 Jahren sind noch 6,25 Tonnen übrig.
Nach 100.000 Jahren noch genug Stoff für zahllose Atombomben
Nach der unvorstellbaren Zeit von rund 100.000 Jahren sind also von 100 Tonnen Plutonium-239 noch immer etwa 6 Tonnen übrig. Da etwa 5 kg genügen, um eine Atombombe (Plutoniumbombe) zu bauen, wäre nach 100.000 Jahren also noch immer genügend Material für rund 1200 Atombomben vorhanden.
Lungenkrebs
Da weniger als ein Milligramm Plutonium-239 beim Menschen Lungenkrebs auslösen kann, reichen die 6 Tonnen dieser Substanz theoretisch aus, um bei mehr als 6 Milliarden Menschen Lungenkrebs hervorzurufen.
Neptunium-237, Technetium-99, Zirconium-93, Niobium-93, Uran-233 und Cäsium-135
Wie Analysen der hochradioaktiven Abfälle aus Atomkraftwerken zeigen, tragen Isotope wie etwa Technetium-99, Zirconium-93, Niobium-93, Uran-233 (und Töchter), Cäsium-135, und insbesondere Neptunium-237 sogar nach mehr als einer Million Jahre noch nennenswert zur Strahlenbelastung des Atommülls bei.
Wenige Jahrzehnte der Nutzung der Atomenergie hinterlassen also hochgefährlichen Atommüll für Generationen, deren Zahl wir uns nicht vorstellen können. Die Nutzung der Atomenergie sichert einer Generation dieser Erde drei Prozent ihres Energiebedarfs und hinterlässt nicht nur unseren Kindern und Enkeln, sondern einer nicht vorstellbaren Zahl von Generationen tödlichen Strahlenmüll für Hunderttausende von Jahren.
Kommunikationsprobleme
Allein schon Kommunikationsprobleme stehen der geforderten Langzeit-Sicherheit entgegen. Wie sollen wir die Menschen in den nächsten Jahrhunderttausenden oder gar Jahrmillionen vor den Gefahren der radioaktiven Strahlung warnen, wenn wir schon heute die "deutsche" Sprache von vor wenigen Jahrhunderten kaum verstehen?
Irrtümer der frühen Jahre
Noch vor rund 30 Jahren glaubten Atomphysiker in Deutschland, dass das Atommüllproblem leicht zu bewältigen sei. Die Genehmigungsbehörde gibt hierzu in einer Publikation aufschlussreiche Äußerungen von Carl Friedrich v. Weizsäcker aus dem Jahr 1969 wieder [BfS, Endlagerung radioaktiver Abfälle als nationale Aufgabe, 2005, S. 1]:
"Dieses ist, soweit ich sehen kann, wenn man es ernstlich behandeln will, überhaupt kein Problem ? Ich habe mir in Karlsruhe sagen lassen, dass der gesamte Atommüll, der in der Bundesrepublik im Jahr 2000 vorhanden sein wird, in einen Kasten hineinginge, der ein Kubus von 20 m Seitenlänge ist. Wenn man das gut versiegelt und verschließt und in ein Bergwerk steckt, dann wird man hoffen können, dass man damit dieses Problem gelöst hat."
Diese Bewertung erweist sich aus heutiger Sicht als folgenschwerer Irrtum.
Eine zuverlässige Abschottung des Atommülls von der Biosphäre ist nicht möglich
Der Atommüll muss für viele hunderttausend Jahre oder sogar für über eine Million Jahre sicher von der Biosphäre, das heißt von Menschen, Tieren und Pflanzen abgeschottet werden.
Den Atommüll für eine so lange Zeitdauer in einem Endlager sicher von allem Leben abzuschirmen, ist allerdings eine unlösbare Aufgabe. Jedes Gestein dieser Erde, in welches man den Atommüll vergraben könnte, birgt das Risiko, dass sich radioaktive Stoffe zum Beispiel über Wasseradern einen Weg an die Erdoberfläche suchen und diese verseuchen.
Professor Grimmel
Professor Eckard Grimmel zeigt in seinem Buch "Kreisläufe der Erde" wie durch Gesteins und Wasserkreisläufe nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Biosphäre mit kurz und langlebigen Nukliden verseucht wird [vgl. Kapitel 4.7 des Buches].
U.S. National Academy of Sciences
Auch die U.S. National Academy of Sciences stellte schon 1983 fest, dass "praktisch das gesamte Jod-129 [Halbwertszeit 15,7 Millionen Jahre] in nicht wiederaufgearbeitetem bestrahltem Brennstoff in Endlagern in Nassgestein irgendwann einmal in die Biosphäre eindringt."
Deutsche Bundesregierung
Die deutsche Bundesregierung stellt in ihrem Gesetzentwurf zur Änderung des Atomgesetzes vom 11. Sept. 2001 fest, dass das Problem der atomaren Entsorgung hochradioaktiver Abfälle "weltweit praktisch zurzeit ungelöst" ist [Deutscher Bundestag 2001, Drucksache 14/6890, S. 14]:
"Das Problem der atomaren Entsorgung hochradioaktiver Abfälle ist weltweit praktisch zurzeit ungelöst."
Sachverständigenrat für Umweltfragen
Dass ein sicheres Endlager aus heutiger wissenschaftlicher Sicht nicht möglich ist, stellte bereits der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Deutschen Bundesregierung ? personell noch in der Besetzung der Regierung Kohl ? in seinem "Umweltgutachten 2000" fest. Demnach ist eine Abschätzung des Gefährdungspotentials über die langen Zeiträume nahezu ausgeschlossen:
"Zudem ist die Entsorgung radioaktiver Abfälle aus der Wiederaufarbeitung und dem Kraftwerksbetrieb weiterhin prinzipiell unbefriedigend geregelt; bei hohem Schadenspotential betrifft sie Zeiträume von mehr als zehntausend Jahren. Eine Abschätzung des Gefährdungspotentials über einen derartig langen Zeitraum hinweg ist nahezu ausgeschlossen. Untersuchungen, die eine Basis für geeignete Endlager bilden sollen, sind letztlich nie zu einem naturwissenschaftlich einwandfreien Nachweis eines absolut sicheren Endlagers gelangt ... Der Umweltrat hält aufgrund der Charakteristiken bestrahlter Brennelemente und der darin begründeten, in weiten Teilen ungelösten Entsorgungsprobleme eine weitere Nutzung der Atomenergie für nicht verantwortbar."
Bundesumweltministerium
Auch nach Einschätzung des deutschen Bundesumweltministeriums ist überhaupt nicht absehbar, ob die nach dem Stand der Wissenschaft für erforderlich gehaltenen Nachweise der "Langzeitsicherheit" eines Endlagers erbracht werden können. Es gebe zwar Überlegungen für ein neues Entsorgungskonzept. Seine konkrete Ausgestaltung sei jedoch offen.
Das Atomgesetz verlangt im Umgang mit dem Atommüll alternativ zur schadlosen Verwertung ein sicheres Endlager. Ein atomares Endlager ist aber weder vorhanden noch in Sicht, wie das Bundesumweltministeriums 1999 feststellte [BMU, internes Dokument, Aktenzeichen RS I 1 ? 40105/1.3, S. 19]:
"Durch die Atomgesetznovelle 1976 wurde in § 9a Abs. 3 des Atomgesetzes eine gesetzliche Pflicht des Bundes zur Einrichtung von Anlagen zur Endlagerung statuiert. In der Folge wurde das Entsorgungskonzept mehrfach grundlegend geändert, ohne dass bis heute eine Lösung für die Endlagerung radioaktiver Abfälle realisiert worden ist."
Keine "Fortschritte bei der Endlagerung"
Unstreitig ist, dass es weltweit - viele Jahrzehnte nach dem Beginn der Nutzung der Atomenergie - noch immer kein genehmigtes Endlager für hochradioaktive Abfälle gibt. Dies ist umso bemerkenswerter, als man aus deutscher Sicht häufig unterstellt, dass im Ausland die sicherheitstechnischen Standards deutlich niedriger seien als hierzulande. Dass es dennoch in keinem Land der Erde bislang eine Lösung für das Problem gibt, zeigt, wie schwer die Realisierung eines atomaren Endlagers für hochradioaktive Abfälle ist.
Nach den Grundsätzen zur Entsorgungsvorsorge vom 19. März 1980 müssen die - somit extrem privilegierten - Atomkraftwerksbetreiber zwar kein vorhandenes Endlager, aber zumindest "Fortschritte bei der Endlagerung" nachweisen. Dazu stellte Ministerialdirigent Wolfgang Renneberg auf dem 10. Deutschen Atomrechtssymposium zutreffend fest, dass diese Fortschritte nicht erzielt worden sind [Wolfgang Renneberg 1999, Auf dem Weg zu einem neuen Entsorgungskonzept, 10. Deutsches Atomrechtssymposium, Nomos 2000, S. 285]:
"Diese Fortschritte sind nicht erzielt worden."
Bundesamt für Strahlenschutz
Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) stellte in der Genehmigung für das Standort-Zwischenlager in Gundremmingen offiziell fest, dass "die Entsorgungsfrage" "bisher ungelöst" ist. So heißt es im Jahresbericht 1999 des Bundesamtes für Strahlenschutz [S. 38]:
"Ein wichtiger Grund für den Ausstieg ist die bisher ungelöste Entsorgungsfrage. Tragende Elemente des bisherigen Entsorgungskonzepts sind inhaltlich gescheitert und haben keine sachliche Grundlage mehr."
Literatur / Quellen:
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW): Website www.ippnw.de/atomenergie/
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