RWE setzt sich gegen "Europas umweltfreundlichsten Großstromerzeuger" durch

Übernahme

Der Essener RWE-Konzern kann gegen den Willen des Verbund, Österreichs größtem Stromerzeuger und Transporteur, vom Bundesland Kärnten 49 Prozent der Anteile an der Kärntner Energieholding Beteiligungs GmbH (KEH) mit Sitz in Klagenfurt übernehmen. Während der Verbund einen gesamtösterreichischen Wasserkraftkonzern bilden wollte, dient die Übernahme für RWE nach eigenen Angaben als "strategisch wichtige Ausgangsposition für den Ausbau und die Stärkung der Marktposition in Südosteuropa".

Die Kärntner Energieholding ist mit 63% Hauptgesellschafter der Kärntner Elektrizitäts AG (KELAG), dem Landesversorger des Landes Kärnten mit den Kerngeschäftsfeldern Strom, Erdgas und Wärme. Der Verbund hält 35% der Anteile der KELAG. Der Rest befindet sich im Streubesitz und im Eigentum von fünf Kärntner Städten.

Aktuell versorgt die KELAG ca. 235.000 Tarifkunden, ihr Anteil am gesamten Stromabsatz an Endkunden in Österreich beträgt ca. 7 Prozent. Das Unternehmen ist mit einer installierten Leistung von rd. 460 MW der drittgrößte Wasserkrafterzeuger in Österreich. Im Geschäftsjahr 2000 erzielte die KELAG mit 1.280 Mitarbeitern einen Umsatz von 350 Mio. Euro.

Der Verbund, der mit dem Slogan "Sauberer Strom aus Österreich" für sich wirbt, fühlt sich von der Entscheidung "bewusst ausgebootet". Während der RWE-Konzern die 49%-Anteil an der Holding für 4,183 Mrd. Schilling erwirbt, hat der Verbund Anfang April nach eigenen Angaben ein verbindliches Kaufangebot zu einem Preis von 4,5 Mrd. Schilling vorgelegt. Der Verbund hatte so damit gerechnet, zusammen mit den bereits gehaltenen Anteilen an der KELAG die Mehrheitsbeteiligung übernehmen zu können.

Die von Seiten der Politik erhobene Forderung eines gesamtösterreichischen Wasserkraftkonzerns sei durch die Übernahme durch RWE als gescheitert anzusehen, erklärte der Verbund.

Der Verbund ist nach eigenen Angaben der größte Stromproduzent und -transporteur Österreichs, der Betreiber des überregionalen österreichischen Hochspannungsnetzes mit seinen wichtigen Auslandsanbindungen, eines der größten börsennotierten Unternehmen Österreichs und "der umweltfreundlichste Groß-Stromerzeuger in der Europäischen Union". Im Jahr 2000 wurden 91% des Stroms aus Wasserkraft erzeugt.

Der Essener RWE-Konzern ist neben der französischen EdF und deutschen E.ON der drittgrößte Energiekonzern in Europa. Er ist Betreiber der Atomkraftwerke Biblis, Gundremmingen und Lingen und zahlreicher fossiler Großkraftwerke. Erneuerbare Energieen machen bei RWE einen nur geringen Anteil an der Stromerzeugung aus.