headerquote

Seite 1 bei Google kann so einfach sein.

unabhängige Autoren mit eigener Meinung

Weltweite Empörung über Taliban-Erlass

Afghanistan

Die Einführung einer "Kennzeichnungspflicht" für Hindus in Afghanistan stösst auf weltweite Empörung. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach in New York von einer schweren Verletzung der Menschenrechte. Das US State Department nannte die Maßnahme "die letzte in einer langen Liste von abscheulichen Unterdrückungen" durch das radikal-islamische Taliban-Regime. Außenminister Joschka Fischer zeigte sich am Donnerstag in Berlin "entsetzt" und bezeichnete das Edikt als eine durch nichts zu rechtfertigende, schwerste Diskriminierung einer religiösen Minderheit. Fischer appellierte an die Staatengemeinschaft, "auf das Schärfste" gegen den Taliban-Erlass vorzugehen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Washington widersprach den Behauptungen der Taliban-Führung, die Kennzeichnung nicht-muslimischer Minderheiten in Afghanistan diene deren Schutz. Vielmehr führe ein"Hindu-Button" mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer Stigmatisierung der betroffenen Minderheit. Glaubwürdigen Berichten zufolge seien andere ethnische und religöse Minderheiten in den von den Taliban kontrollierten Gebieten von willkürlichen Verhaftungen und Vertreibungen bedroht. Auch die Hindus seien diesen Gefahren ausgesetzt.

Wie der Leiter der Nachrichtenagentur der Taliban laut einem Bericht des britischen Senders BBC erklärte, sollen die Hindus in Afghanistan daumengrosse gelbe Stoffabzeichen tragen, um als Nicht-Muslime identifiziert werden zu können. Die Anordnung diene dem Schutz der Hindus vor polizeilicher Belästigung.

Human Rights Watch zufolge müssen Afghanen im Umgang mit öffentlichen Stellen bereits jetzt Ausweise besitzen, in denen die Religionszugehörigkeit eingetragen ist. Die religiöse Polizei der Taliban habe die Macht, Menschen ohne richterliche Anordnung einzusperren, wenn sie gegen islamische Gesetze verstiessen.

Ein Führer der Gemeinschaft der Hindus und Sikhs in Afghanistan erklärte Presseberichten zufolge, die Kennzeichnungspflicht sei in Ordnung, wenn sie Übergriffe der Polizei verhindere.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Mary Robinson sagte, die Taliban-Verordnung erinnere an Praktiken der deutschen Nationalsozialisten in der 30er Jahren und die Vorbereitung des Genozids in Ruanda.

Im März hatten die Taliban trotz weltweiter Proteste die als Weltkulturerbe deklarierten Buddha-Statuen von Bamian zerstört. Die Statuen waren eines der wichtigsten Kulturdenkmäler Afghanistans und bis in die 70er Jahre hinein ein Anziehungspunkt für Touristen. Das einstige Provinzzentrum Bamian war indes nach der Wiedereroberung durch die Taleban im Januar und einem nachfolgenden Massaker an Zivilisten zu einer Geisterstadt geworden, so dass sich nur wenige Touristen dorthin wagten.

BBC zufolge leben mehrere tausend Hindus und Sikhs in Afghanistan, davon rund 500 in der Hauptstadt Kabul.

Zeige Deinen Kontakten bei Google und Facebook, dass Dir dieser Beitrag gefällt!