Der Tochter die Pille nicht verbieten

Pro Familia

Eltern sollten ihren Töchtern nach Ansicht des Vereins Pro Familia die Antibabypille nicht verbieten. Gerade junge Frauen müssten davor geschützt werden, zu früh schwanger zu werden, betonte die Vorsitzende des Bundesverbandes, Ingrid Langer, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp in Frankfurt am Main. Frauen seien heute immer stärker darauf angewiesen, eine eigene Erwerbsbiographie aufzubauen und sich selbst für die Zukunft abzusichern, sagte sie und fügte hinzu: "Es ist deshalb ganz wichtig, dass junge Frauen vor der Heirat eine qualifizierte Ausbildung haben."

Wenn der Arzt die Pille für das geeignete Verhütungsmittel halte und es "das Mittel der Wahl" sei, spreche nichts dagegen, sie auch jungen Mädchen zu verschreiben, betonte Langer. Im Laufe der Jahre sei die Pille deutlich verbessert und ihr Östrogenanteil stark reduziert worden. Wichtig sei allerdings eine eingehende Beratung der jungen Frauen, entweder durch den Arzt oder aber Einrichtungen wie Pro Familia.

"Die Pille ist ein sicheres Mittel, das Frauen vor einer ungewollten Schwangerschaft bewahren kann", unterstrich Langer. Dass Teenager-Schwangerschaften in Deutschland "kein so gravierendes Problem" seien wie etwa in Großbritannien oder in den USA, führte die Pro-Familia-Vorsitzende unter anderem darauf zurück, dass es hier eine sehr viel größere Arztdichte und ein größeres Beratungsangebot gebe. Zudem wollten junge Frauen heute stärker als früher zunächst andere Ziele verwirklichen, bevor sie eine Familie gründen.

Die Einführung der Pille auf dem deutschen Markt vor 40 Jahren hat nach Meinung Langers "in der Tat eine Revolution ausgelöst". Sie habe den Frauen größere Entscheidungsmöglichkeiten eingeräumt und zu einer Enttabuisierung des Themas Sexualität geführt. Eltern sollten nicht versuchen, "mit drakonischen Strafen" die ersten sexuellen Erfahrungen ihrer Kinder zu verhindern. "Das können sie sowieso nicht", betonte sie. Vielmehr sollten sie offen mit den Kindern über das Thema sprechen.