Menschen als Fehlerquelle beachten

Atomexperten

Das menschliche Verhalten muss nach Ansicht der Internationalen Länderkommission Kerntechnik (ILK) bei der Sicherheitsbewertung von deutschen Atomkraftwerken künftig stärker beachtet werden. Das Expertengremium habe in seiner jüngsten Sitzung empfohlen, das Zusammenwirken von Technik und Mensch bei atomrechtlichen Genehmigungs- und Überprüfungsverfahren verstärkt zu untersuchen, teilte das baden-württembergische Umweltministerium am heutigen Dienstag in Stuttgart mit. Die ILK berät die unionsregierten Länder Baden-Württemberg, Bayern und Hessen in Fragen der Atomtechnik und war gegründet worden, nachdem Bundesumweltminster Jürgen Trittin (Grüne) nach der Regierungsübernahme auch atomkritische Wissenschaftler in die Reaktorsicherheitskommission berufen hatte.

Die Bewertungsmethode - in der Fachsprache "Probalistische Sicherheitsanalyse" genannt - werde bislang vor allem in den USA angewendet. Sie erfasst zahlenmäßig die Bedeutung der einzelnen Sicherheitseinrichtungen eines Atomkraftwerks und das Verhalten des Betriebspersonals zur Vermeidung von Störfällen. Schwachstellen im Sicherheitskonzept könnten so besser entdeckt werden. In Baden-Württemberg wurde die Methode den Angaben zufolge bereits erprobt. Die Analyse habe in den drei Atomkraftwerken des Landes zu einer Reihe von Verbesserungen in der Sicherheitstechnik geführt.

Viele Atomunfälle wurden erst durch menschliches Versagen ausgelöst oder massiv verstärkt, so auch die Nuklearkatastrophen im ukrainischen Tschernobyl 1986 oder im japanischen Tokaimura 1999.