Musterklage Schmerzensgeld - Hinterbliebene der Opfer klagen

Eschede

Die Hinterbliebenen der Opfer der ICE-Katastrophe von Eschede haben die Deutsche Bahn AG auf Schmerzensgeld verklagt. Ihr Anwalt Reiner Geulen reichte am Donnerstag eine entsprechende Musterklage vor dem Landgericht in Berlin ein. Er fordere zunächst für sechs Hinterbliebene eine Entschädigung in Höhe von jeweils 250.000 Mark. Bahnchef Hartmut Mehdorn wies die Forderungen des Anwalts als unbegründet zurück.

Geulen kritisierte die Bahn, die bislang "lediglich dem nächsten Familienangehörigen nach dem Unfall einen 'freiwilligen' Betrag in Höhe von 30.000 Mark überwiesen" habe. Außerdem stellte Geulen Strafanzeige gegen zwei damals verantwortlichen Vorstandsmitglieder der Bahn. Sie betreffen den damaligen Vorstand für Forschung und Technologie und jetzigen Chef der Deutschen Bahn Netz AG, Roland Heinisch, sowie den früheren Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens, Heinz Dürr. Beide müssten sich für die mangelnde Überprüfung der Radreifen verantworten, deren Defekt das Unglück verursachte, sagte Geulen. Eine mögliche Klage gegen die Thyssen Krupp-Holding als Entwickler und Hersteller der Räder vor einem Gericht in New York behalte er sich vor. Seine Kanzlei vertritt 66 Hinterbliebene.

Mehdorn bedauerte, dass Geulen "die Entschädigungsfrage zur Medienschlacht ausarten lässt". Seine ungeheuren Aussagen dienten offenbar der persönlichen Profilierung. "Diese findet auf dem Rücken vieler Betroffener statt, die versuchen, endlich ihre Ruhe zu finden", sagte der Bahnchef. Die Bahn geht davon aus, dass der Anwalt weder mit einer Klage gegen einzelne Vorstandsmitglieder noch für eine erhöhte Entschädigungsleistung Erfolg haben wird.

Bei der Katastrophe am 3. Juni 1998 war ein ICE-Schnellzug bei Eschede entgleist und gegen eine Brücke geprallt. Dabei waren 101 Menschen getötet und 88 weitere verletzt worden. Als Ursache für die Katastrophe war ein gebrochener Radreifen festgestellt worden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Lüneburg gegen die Verantwortlichen dauern noch an.