amnesty international fordert Schutz sexueller Minderheiten

Anti-Folter-Kampagne

Weltweit werden Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transvestiten Opfer von Folter und Gewalt. Sie werden sexuell misshandelt, medizinischen und psychologischen Zwangsbehandlungen unterworfen oder gezwungen aus ihrem Heimatland zu fliehen. Darauf weist amnesty international im Bericht "Crimes of hate, conspirancy of silence" hin. Die Studie dokumentiert gewaltsame Übergriffe gegen sexuelle Minderheiten in mindestens 30 Ländern. In mehr als 70 Staaten gälten homosexuelle Beziehungen als Verbrechen, in einigen Fällen würden sie sogar mit dem Tod bestraft.

"Obwohl Folter und Misshandlungen an Angehörigen sexueller Minderheiten in allen Teilen der Welt an der Tagesordnung sind, werden sie von einer Mauer des Schweigens umgeben", erklärt Claudia Jarzebowski, Sprecherin der Koordinationsgruppe "Menschenrechte und sexuelle Identität" von amnesty international. Gesellschaftliche Stigmatisierung von Homosexualität, Straflosigkeit bei Übergriffen gegen Angehörige sexueller Minderheiten, aber auch die Angst der Opfer vor Rache und öffentlicher Blossstellung trügen dazu bei, dass das Schweigen nicht gebrochen werde.

"Tausende Menschen werden gefoltert und misshandelt, weil ihre tatsächliche oder vermeintliche sexuelle Identität angeblich die soziale Ordnung bedroht", sagt Claudia Jarzebowski. Das reiche von institutioneller Benachteiligung bis zu Regierungen, die homophobe Gewalt aktiv schüren, wie Robert Mugabe in Simbabwe. In der Mehrheit der Länder jedoch liege das Versagen der Regierungen darin, dass sie Ausgrenzung und Gewalt gegen Angehörige sexueller Minderheiten nicht wirksam verhinderten.

Aber nicht nur von staatlicher Seite seien Nicht-Heterosexuelle bedroht. In ihrem Bericht dokumentiert die Menschenrechtsorganisation auch Übergriffe in der Privatsphäre, die der Folter gleichkommen. Frauen seien hier auf Grund ihres Geschlechts mehrfach gefährdet. Claudia Jarzebowski: "Das Nebeneinander von Sexismus und Homophobie führt dazu, dass Lesben doppelt gefährdet sind." Dazu gehöre auch, zum Beischlaf oder zur Heirat mit einem Mann gezwungen zu werden.

"Regierungen müssen hier einen klaren Standpunkt einnehmen und ganz deutlich machen, dass Folter und Misshandlungen auf Grund der sexuellen Identität einer Person nicht toleriert und in jedem Fall sorgfältig aufgeklärt werden," so Jarzebowski. Der Kampf gegen die Folter von nicht-heterosexuellen Menschen ist Bestandteil der laufenden Kampagne "Für eine Welt frei von Folter", an der sich Mitglieder von amnesty international auf der ganzen Welt beteiligen.

amnesty international begrüßt die Initiative einer Instanz der UNO-Menschenrechtskommission in Zusammenarbeit mit dem Sonderberichterstatter zur Folter, Menschenrechtsverletzungen auf Grund der sexuellen Identität des Opfers vermehrt zu dokumentieren. Die UNO-Gremien insgesamt müssten jedoch die Anliegen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen stärker berücksichtigen, fordert amnesty international.