Zugunglücke waren nicht Schuld der Bahn

Polizei

An den beiden schweren Zugunglücken in Bayern trägt die Bahn keine Schuld. Ein Gutachten zum Unfall mit vier Toten vom Freitagabend im schwäbischen Tapfheim habe eindeutig ergeben, dass die Bahnanlage intakt gewesen sei, sagte ein Sprecher der Polizei Dillingen am Samstag. Vermutlich habe der Fahrer das rote Blinklicht der Warnanlage wegen der tief stehenden Sonne nicht gesehen. Beim Überqueren des unbeschrankten Bahnübergangs war das Auto einer vierköpfigen Familie von einem Regionalzug erfasst und zertrümmert worden. Auch bei dem Zugunglück im oberpfälzischen Vilseck gibt es den Angaben zufolge keine Hinweise darauf, dass der Zugführer Schuld oder die Bahnanlage nicht in Ordnung war. Allerdings müsse noch das endgültige Ergebnis der Untersuchungen abgewartet werden, sagte ein Sprecher der Polizei.

Bei den beiden Unglücken waren am Freitag insgesamt sieben Menschen ums Leben gekommen und 45 zum Teil schwer verletzt worden. Der Bahnübergang in Tapfheim war nach den Worten des Beauftragten der Deutschen Bahn AG für Bayern, Hermann Graf von der Schulenburg, insgesamt in einwandfreiem Zustand und vorschriftsmäßig gesichert. Das Andreaskreuz am Bahnübergang zwinge die Autofahrer, mit sehr niedriger Geschwindigkeit heranzufahren. Auf der Rottalbahn würden derzeit in einem Pilotprojekt besser sichtbare Warnschilder getestet. Es sei aber Sache des Gesetzgebers, die Verkehrsbeschilderung zu ändern.

Bei dem Unglück in Tapfheim war die Regionalbahn mit vier Waggons war mit etwa 40 Passagieren auf dem Weg von Regensburg nach Ulm. Alle Waggons sprangen bei der Kollision aus den Gleisen und lagen ziehharmonikaartig auf der Strecke. Der Lokführer erlitt einen schweren Schock. 22 Fahrgäste wurden verletzt, 17 kamen in Krankenhäuser. Der entstandene Schaden wird auf rund eine Million Mark geschätzt. Die Aufräumarbeiten dauerten auch am Sonntag noch an.

Nach dem Zugunfall im oberpfälzischen Vilseck wollte die Polizei Amberg unterdessen die entscheidende Zeugin noch nicht vernehmen. Die Beifahrerin des tödlich verletzten Lkw-Fahrers, die sich mit einem Sprung aus dem Lastwagen der US-Armee retten konnte, werde erst vernommen, wenn sie "psychisch und physisch in einem guten Zustand" sei. Wann die Soldatin, die bei dem Unfall schwere Verletzungen an den Sprunggelenken und einen Schock erlitt, vernehmungsfähig sei, stehe noch nicht fest. Von ihr erhoffen sich die Ermittler die Antwort auf die Frage, warum sich das Fahrzeug trotz funktionierender Signalanlagen und geschlossener Schranken auf den Gleisen befand.