Erstes Gebäude der Berliner Museumsinsel fertig

Nationalgalerie saniert

Von einem Freudentag spricht Klaus-Dieter Lehmann, als er den Goldenen Schlüssel für die Alte Nationalgalerie entgegennimmt. Damit ist das erste und wichtigste Haus auf der Berliner Museumsinsel nach dreijährigen Sanierungsarbeiten fertiggestellt, sagt der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Der Stülerbau präsentiert sich wieder ganz als das glanzvolle Bauwerk, das er zu Zeiten der Einweihung vor 125 Jahren an Kaisers Geburtstag einmal war. Nun hält die bedeutendste Sammlung von Kunst des 19. Jahrhunderts wieder Einzug, und am 2. Dezember wird Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) das Haus offiziell eröffnen.

133,5 Millionen Mark hat der Umbau verschlungen, aber damit wurde der Kostenrahmen eingehalten und der Zeitplan sogar unterboten. Lehmann nutzt deshalb die Gelegenheit, vor der Riesenschar von Journalisten seiner Forderung nach mehr Engagement des Bundes für die Museumsinsel Nachdruck zu verleihen. Das jetzt gemeisterte Riesenprojekt könne als Beispiel für das ganze zum Weltkulturerbe zählende Areal gelten. Dort sind vier weitere Museumsbauten wieder herzustellen, darunter das total marode Neue Museum. Lehmann fordert vom Bund die 100-prozentige Übernahme der Baukosten. Berlin sei bundesdeutsche Hauptstadt, die bisherige Finanzierungsvariante - je zu Hälfte vom Bund und vom Land Berlin - deshalb nicht mehr zeitgemäß. Dem Vorschlag von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD), den Bund von der Förderung einiger Kultureinrichtungen in Berlin zu entlasten und durch diese Kompensation Geld für die Museumsinsel aufzubringen, erteilt Lehmann eine Abfuhr. Das werde nicht aufgehen. "Der Bund muss etwas drauflegen", sagt der Stiftungspräsident.

Das Publikum hat schon vor der offiziellen Einweihung kurz Gelegenheit zu einem ersten Blick: Vom 30. Juni bis 3. Juli präsentiert sich die Architektur der Nationalgalerie "pur". Am 30. Juni soll mit einem Sommernachtsball vor dem Hause eine alte preußische Tradition wiederbelebt werden - mit Musik und Tanz, Gala-Dinner und Feuerwerk und für Kartenpreise zwischen 250 und 490 Mark.

Ab Jahresende ist die Kunst des 19. Jahrhunderts im Bau des 19. Jahrhunderts zurück, den der Direktor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, den "Tempel der deutschen Kulturnation", aber auch einen "Gedächtnisort zur Durchsetzung der Moderne" nennt. Bilder von Caspar David Friedrich und Karl Friedrich Schinkel in zwei neuen Sälen, Skulpturen von Reinhold Begas im prächtigen Kuppelsaal, Werke der französischen Impressionisten von Manet und Monet bis Renoir und Rodin sowie Malerei der Realisten wie Adolph Menzel sind dann wieder zu sehen.